Es braucht mindestens einen zweiten Blick, um die säuberlich vernähten Blätter als Gelbe Seiten zu entziffern. Für diejenigen, die sich die Zeit nicht nehmen, bleibt das Kunstwerk ein ästhetisches Gebinde aus Papier. Wer den zweiten Blick aber wagt, der taucht ein in die Geschichte von Heike Kurth. Die Künstlerin aus Wipperfürth verwandelt schnöde Schriften in Kunst.

Das gilt für die kleinen Kästen voller bunt vernähter Blätter genauso wie für die Werke gleich nebenan: Aus den Seiten des Baugesetzbuches hat Heike Kurth einen Bastelbogen für Falthäuser entworfen – und damit gleichermaßen Kunst geschaffen, die sich einen zweiten Blick wünscht.

Heike Kurth gehört zu den sieben hauptberuflich Kunstschaffenden, die in diesem Monat in der Galerie des Kunstvereins ausstellen. Regelmäßig öffnen die heimischen Künstler ihre Galerie für Gäste aus der Region und darüber hinaus.

Der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler im Bergischen Land (BBK) nutzt nun diesen Rahmen, um eine ausgesprochen vielseitige Ausstellung zu präsentieren. Mit dabei ist auch Michael Dangel, Grafiker und Vorsitzender des Kunstvereins. „Wir wollen so den Austausch unter Künstlern fördern“, erklärt Martin de Giorgi bei der Vernissage den Hintergrund der Gast-Ausstellung.

Dieser Austausch gelingt schon am ersten Tag der Schau: Doris Trzaska kommt mit Besuchern über ihre Tulpenbilder ins Gespräch. Öl auf Leinwand. Kirsten Radermacher beantwortet Fragen nach ihrer Fotokunst: Sie gestaltet Faltobjekte. „Mir reicht dafür nicht ein Einzelbild“, sagt sie, „stattdessen lasse ich Bilder zueinander finden“. Entweder die Kunst wirke oder eben nicht. Wenn sie wirkt, dann erzählt sie von dem Miteinander von Mensch und Natur – ohne den mahnenden Zeigefinger zu erheben, vielmehr um den Raum für die Gedanken zu öffnen.

Ganz ähnlich klingt der Wunsch von Sabine-Regine Fuchs, die gleich nebenan in der Galerie ihre drei Leinwände platziert hat – abstrakte Malerei. „Ich mache Bereiche in meinem Leben aus und schaue, was mir wichtig ist“, sagt die Künstlerin. Was bei diesem inneren Prozess herauskommt, das bannt sie auf eine Leinwand. „Und so entstehen neue Perspektiven, neue Realitäten“, erklärt sie. Betrachter bringen dann ihre eigenen Ideen mit und werden zu einem Blick eingeladen, der Augenscheinliches hinter sich lässt.

Simone Kirsch macht es dem Betrachter etwas leichter: Sie stellt ihre Serie „freaks“ aus – bunt, fast ein bisschen schrill, voller Ausdruck, heitere Gestalten, mal Tier mal Mensch. Kunst zum Freuen. „Mixed Media“ heißt ihre Technik – und vereint verschiedene Farben und Materialien in einem Bild.

Darauf setzt auch Claudia Blank mit ihren Werken, die ganz hinten in der Galerie einen leisen Platz gefunden haben. Vogelgestalten aus Papier finden ein Zuhause auf Farbe. Zeitungsschnipsel gesellen sich zu Pinselstrichen und erzählen eine Geschichte von Mensch, Natur und Freiheit.

Michael Dangel nutzt sein Heimspiel in ungewöhnlicher Gesellschaft, um seine neue Serie „Transit“ vorzustellen – kräftige Illustrationen, fast minimalistisch, aus dem Drucker. Die vier Bilder geben der Ausstellung in ihrer Klarheit das fehlende i-Tüpfelchen. Und sie bieten dem Besucher eine weitere Perspektive auf Kunst, Gesellschaft und Welt.

Info Die Ausstellung „Die Neuen“ ist bis 24. Mai in der Galerie „Markt 9“ zu sehen – sonntags von 15 bis 18 Uhr.