iON ist als Name in der Reifenbranche mittlerweile gesetzt – und das zu schaffen, ist heutzutage schon ein Kunststück! Diese Reifen entwickelte Hankook einst mit Fokus auf Elektromobilität. Mittlerweile wurde die „Familie“ deutlich größer und wird auch für Autos nachgefragt, die keine reinen Stromer sind, wie uns Pressesprecherin Larissa Bünsch in Berlin stolz erklärt.
Die Hankook-iON-Schriftzüge leuchten überall, die Rennfahrer sind zufrieden mit den Pneus, und auch die FIA hätte den Vertrag mit Hankook verlängert. Aber die Konkurrenz ist beinhart in diesem Segment, denn Rennreifen dienen auch immer als Reallabore für die Serienreifenentwicklung unter Extrembedingungen.
Und so sehen die Profile dann nach schnellen Runden auf Berliner Beton auch aus: wie mit Steinchen verklebte, zwischenzeitlich übertemperierte Gummibrocken, die aufs Alleräußerste geschunden wurden.
Am 2. und 3. Mai stieg also in Berlin wieder der Hankook Berlin E-Prix 2026 als Double-Header mit den Saisonläufen 7 und 8. Berlin ist damit weiterhin der eiserne Dauerbrenner der Formel E: Seit der Premierensaison 2014/15 steht keine andere Stadt so lückenlos im Kalender. Sehr deutsch. Sehr konsequent. Sehr viel Beton.
Hassliebe zu Berlin: Rauer Beton ist Gift für Rennwagen, Fahrer und Reifen – eigentlich
Der Tempelhof Airport Circuit ist 2,374 Kilometer lang, wird gegen den Uhrzeigersinn gefahren und packt 15 Kurven auf ein ehemaliges Rollfeld, dessen Betonplatten ursprünglich eben nicht für Rennreifen, sondern für Flugverkehr gedacht waren. Konzipiert für die Ewigkeit, deshalb Beton, aber eben mit dem Know-how der Vor- respektive Nachkriegszeit … Das Ergebnis: eine Oberfläche, die Reifenverschleiß nicht verursacht, sondern zelebriert. Nissan-Teamchef Tommaso Volpe erklärt uns:
„Dieser Untergrund frisst die Reifen regelrecht auf!“
Hier geht es nicht nur darum, schnell zu sein. Hier geht es darum, schnell zu bleiben, während Energiehaushalt, Grip und Reifenhaltbarkeit gleichzeitig um Aufmerksamkeit schreien. Weshalb sich zum Beispiel Oliver Rowland von Nissan eine grottenschlechte zweite Qualifikation leistete – und auch im ersten Renndrittel des zweiten Tages erst einmal sehr langsam auf dem letzten (!) Platz hinterherrollte, um erst dann mit immer noch sehr guten und griffigen Pneus angreifen zu können.
Und wie gesagt: Weil ein Rennen auf diesem Reifenschredder offenbar nicht reicht, gibt es gleich zwei davon. Zwei Tage, zwei Qualifyings, zwei Rennen – und für die Teams die charmante Aufgabe, den Hankook iON Race über mehrere Sessions konstant in Bestform zu halten. Der Attack Mode in Kurve 2 sorgt zusätzlich für Strategie-Würze, während der restliche Kurs genug Überholmöglichkeiten bietet, um die Pneus zusätzlich zu fordern.
Der härteste Belastungstest der Saison
Für Hankook ist Tempelhof deshalb einer der härtesten Belastungstests der Saison. Der aggressive Untergrund verlangt stabilen Grip, präzises Fahrverhalten und Nerven aus Stahl – auch dann noch, wenn der Reifenverschleiß längst höflich anklopft. Dazu kommen die meist milden Bedingungen Anfang Mai, die das große Rechenspiel zwischen Performance und Lebensdauer über beide Rennen hinweg noch etwas delikater machen.
„Der Streckenbelag in Berlin ist im Formel-E-Kalender einzigartig und stellt ganz spezifische Anforderungen an den Reifen“, erklärt Manfred Sandbichler, Senior Director Hankook Motorsport, in Berlin. Und er ergänzt:
„Die Rauheit des Tempelhof-Untergrunds macht das Management des Reifenverschleißes entscheidend, während das Double-Header-Format die Anforderungen zusätzlich erhöht. Der iON Race ist darauf ausgelegt, ein breites Arbeitsfenster zu bieten und so eine konstante Performance über beide Rennen hinweg zu ermöglichen.“