Die Galerie im Turm, der lichtdurchflutete Eingangsbereich der Donaueschinger Stadtbibliothek, ist eigentlich ein schwer bespielbarer Raum für zweidimensionale Arbeiten. Aber, dass das dennoch funktionieren kann, wird dem Besucher nun mit Arbeiten des Künstlers Abi Shek eindrucksvoll vor Augen geführt.

Abi Shek reduziert seine Kreaturen auf das Wesentliche

Icon vergrößern

Abi Shek reduziert seine Kreaturen auf das Wesentliche
Foto: Stefan Simon

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Abi Shek reduziert seine Kreaturen auf das Wesentliche
Foto: Stefan Simon

Die Ausstellung zeigt, wie kraftvoll Reduktion in der Kunst doch wirken kann. Im Zentrum des Künstlers stehen großformatige Holzschnitte, in denen Tiere – Rinder, Schafe, Ziegen, Vögel, Hirsche – als tiefschwarze Silhouetten auf hellem Leinwandgrund erscheinen. Die Motive, die zuweilen mit blauer Tusche kombiniert sind, scheinen mit den weißen Wänden der Galerie zu verschmelzen und entwickeln trotz ihrer Statik eine gewisse Räumlichkeit und ein Eigenleben, als scheinen sie zu schweben.

Der Künstler

Abi Shek, geboren 1965, stammt aus dem Kibbuz Bet-Nir in Israel. Er wuchs mit den wundersamen Geschichten der alten Beduinen auf und ging mit Gleichaltrigen in den uralten Höhlen beim Verstecken auf Entdeckungsreise. Zum Studium zog er nach Deutschland. Den Weg hatte ihm Rudi Lehmann mit seinen Arbeiten gewiesen. Der aus Berlin stammende Bildhauer lebte in Israel und beschäftigte sich mit Tierplastiken und Holzschnitten. Tiergestalten, Kreaturen aus Mensch und Tier. Sie sind auch der Motivkreis, mit dem sich Shek seitdem beschäftigt. Abi Shek studierte 1990 bis 1998 Bildhauerei bei Micha Ullman an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und stellt seine Werke regelmäßig in Deutschland, Frankreich, Israel, Italien, Norwegen und Tschechien aus. Der Künstler erhielt Stipendien und wurde mit Kunstpreisen ausgezeichnet.

Die Abbildungen wirken auf den ersten Blick einfach, doch die primitivistisch wie modern wirkenden Formgebungen entfalten bei längerer Betrachtung eine bemerkenswerte Intensität. „Diese Tiere sind gerade durch die Reduktion auf ihre Schattenbilder in besonderer Weise präsent“, beschreibt die Kunsthistorikerin Veronika Mertens diese Wirkung treffend. Sheks Arbeiten bewegen sich bewusst zwischen archaischer Bildform und zeitgenössischer Abstraktion.

Die konsequente Beschränkung auf Schwarz und Weiß lenkt den Blick auf Form, Rhythmus und Komposition. Die Tiere erscheinen nicht als naturalistische Darstellungen, sondern als Zeichen verdichtet, beinahe symbolhaft. Der Künstler selbst spricht von „Urbildern, die wir in uns tragen“, und verweist damit auf eine kollektive Bildsprache, die über das Individuelle hinausweist. Denn Kunst entstehe nie im luftleeren Raum, sie bedürfe stets der Vorbilder und Impulse.

1965 in Rehovut/Israel geboren und aufgewachsen in einem israelischen Kibbuz, geprägt von Landwirtschaft und unmittelbarer Naturerfahrung, greift Shek auf solche Vorbilder zurück. In der Umgebung des Kibbuz gibt es uralte Höhlen, die Abi Shek als Junge mit der Taschenlampe erkundete.

Abi Sheks Tierbilder sind verwandt mit den archaischen Bildern, die man in den Höhlen bei Beit Nir ebenso gefunden hat wie in Lascaux oder auf der Schwäbischen Alb. Die emotionale Bindung zu Natur und Kreatur hämmert Abi Shek, der seit seinem Studium an der Staatlichen Kunstakademie seit 1990 in Stuttgart lebt, nun mit Hammer und Meißel ins Holz und entlockt dem Material mythisch wirkende Ur-Bilder, die er auf dem Abdruck auf Leinwänden in eine universelle, zeitlose Form überführt.