In Berlin-Lichtenberg ist nach einem Hochhausbrand ein neun Monate altes Baby gestorben, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Seine Mutter und der fünfjährige Bruder mussten am Mittwochabend reanimiert werden und befinden sich in „einem kritischen Zustand“. Insgesamt wurden acht Personen in Krankenhäuser gebracht. Nun gibt es erste Details zur Tragödie.

Nach Polizeiangaben hatte der Portier des Mehrfamilienhauses in der Dolgenseestraße gegen 20 Uhr einen ausgelösten Brandmelder in einer Wohnung gehört und eine starke Rauchentwicklung gesehen. Er rief daraufhin die Feuerwehr, die kurze Zeit später im Rahmen der Löscharbeiten eine 26-jährige Frau und ihre beiden Kinder bewusstlos im Hausflur fand.

Nach Hochhausbrand in Lichtenberg: Video zeigt Ausmaß der Zerstörung

Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen starb der neun Monate alte Säugling, seine Mutter und sein fünfjähriger Bruder wurden reanimiert und befinden sich weiterhin „in einem kritischen Zustand“, so die Polizei.

Hochhausbrand in Friedrichsfelde: Feuerwehr rettete Schwerverletzte aus einem Hausflur

Auf jeder Etage des Hochhauses befinden sich acht Wohnungen. Die Schwerverletzten seien bewusstlos aus einem Hausflur nahe der Brandwohnung gerettet worden, hieß es. Viele Bewohner des Hauses gelangten dem Sprecher zufolge selbst ins Freie, andere wählten den Notruf oder machten an den Fenstern auf sich aufmerksam. Sie wurden von Feuerwehrtrupps durch das Treppenhaus nach draußen gebracht. Insgesamt sammelten sich vor dem Haus so 70 Bewohner, wie der Sprecher mitteilte. Insgesamt prüften die Einsatzkräfte bei dem Brand etwa 60 Wohnungen.

Hochhausbrand in Berlin

Löschfahrzeuge stehen an einem Wohnblock in Lichtenberg.
© Annette Riedl/dpa | Annette Riedl

In der Brandwohnung habe es sehr viele Einrichtungsgegenstände gegeben, sagte der Feuerwehrsprecher, deutlich mehr als für eine Wohnung üblich. Das Feuer habe sich deswegen dort rasch ausgebreitet. 21 Wohnungen in dem Komplex mit schätzungsweise mehr als 150 Einheiten seien vorerst nicht bewohnbar, sagte ein Sprecher.

Viele Bewohner mussten erst einmal anderweitig unterkommen. In manchen der unbewohnbaren Einheiten gab es zeitweise keinen Strom und kein Wasser, andere seien so verraucht, dass man dort nicht schlafen könne. Wer nicht bei Verwandten oder Bekannten unterkam, konnte heute in einer nahegelegenen Turnhalle schlafen. Die meisten von ihnen hätten über die Nacht privat unterkommen können, acht wurden demnach von Mitarbeitern der Wohnungsgesellschaft Howoge in einem Hotel in der Nähe untergebracht. 

Nach Hochhausbrand in Berlin

Brandtragödie in Lichtenberg: Polizei ermittelt zur Ursache

Die Feuerwehr sei in der Spitze mit rund 170 Kräften im Einsatz gewesen, hieß es. Auch eine Einheit für die Bewältigung eines Massenanfalls an Verletzten sei vor Ort. Die Polizei ermittle zur Ursache. Einsturzgefährdet sei das Haus nicht.

Die Wohnungsgesellschaft Howoge sprach allen Betroffenen und Angehörigen ihre Anteilnahme aus und sicherte ihnen schnelle Hilfe zu. „Wir trauern mit der Familie und können den Schmerz über den Tod des Kindes kaum in Worte fassen“, erklärte Geschäftsführer Ulrich Schiller.

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Mittlerweile sei die Stromversorgung in dem Hochhaus wieder vollständig gewährleistet, hieß es weiter. Jedoch sei ein Teil der Heizungen vorerst abgeschaltet; gleiches gelte für den Aufzug. Techniker arbeiteten an der Inbetriebnahme. Weiter erklärte Howoge: „Ein Gutachter sowie unser Schadenbüro sind bereits vor Ort, um die Lage umfassend zu bewerten und die nächsten Schritte vorzubereiten.“ Sobald die Polizei das Gebäude vollständig freigibt, werde man alles daransetzen, die Bewohnbarkeit des Hauses so schnell wie möglich wiederherzustellen.