Größer könnten die Gegensätze nicht sein: Während die Auftragsbücher mancher Betriebe schon für das ganze Jahr voll sind, bemerken andere, dass bei der Kundschaft im Augsburger Land das Geld nicht mehr so locker sitzt. Das bedeutet: Die Zahl der Anfragen sinkt. Etwa bei Gartenbauer Peter Quaß aus Schwabmünchen. Vier Monate lang war das Team mit Baum- und Strauchschnitt beschäftigt. „Doch teils konnten uns unsere Kunden gar nicht mehr bezahlen“, berichtet Quaß. Das seien etwa Menschen, denen die Rente gerade für ihre Miete reicht. Auch im Garten- und Landschaftsbau sitze das Geld bei der Kundschaft nicht mehr so locker. Gerade neue Hausbesitzer müssten jeden Euro umdrehen. „Deswegen versuchen viele lieber selbst, ihren Garten zu gestalten oder suchen sich einen billigen Anbieter“, meint Quaß. Er selbst habe gut zu tun. Aber die Arbeit sei insgesamt dünn gestreut.

So sieht das Handwerk im Augsburger Land das erste Quartal

Laut der Handwerkskammer ist das erste Quartal dieses Jahres für das Handwerk im Augsburger Land nur mäßig gut gelaufen. Die Zufriedenheit mit der Geschäftslage sei zurückgegangen. In der aktuellen Konjunkturumfrage geben noch 74 Prozent der befragten Handwerksunternehmen ihre Lage als gut oder befriedigend an. Das sind neun Prozentpunkte weniger als im Quartal zuvor. Etwa ein Viertel der Betriebe bezeichnet die wirtschaftliche Lage als schlecht. Das Problem seien fehlende neue Aufträge und die ausbleibende Nachfrage. Quer über alle Branchen beklagen 37 Prozent ein Minus bei den Auftragseingängen. Über ein Auftragsplus berichten 13 Prozent. Nur 18 Prozent der Unternehmen blicken mit Optimismus auf das kommende Quartal. 19 Prozent rechnen mit einem Auftragsplus. Ein Gablinger Betrieb gehört dazu.

In Gablingen sind die Auftragsbücher voll

„Wir sind sehr, sehr gut ausgelastet. Für dieses Jahr sind unsere Auftragsbücher fast voll“, berichtet Benedikt Kratzer. Der Chef der Firma Energietechnik Kratzer in Gablingen findet, der Neubau-Sektor habe überraschend angezogen. Außerdem sei der Heizkesseltausch gerade attraktiv. „Wer in den Genuss der Förderung kommen will, der muss jetzt die Weichen stellen. Das sagen wir den Interessierten auch.“ Doch gerade bei der großen Nachfrage müsse man darauf achten, die langjährigen Mitarbeitenden nicht mit Überstunden zu überfordern. Denn das Fachpersonal sei rar. „Darum planen wir genau und wissen jetzt schon, was wir beispielsweise in der dritten September-Woche machen.“ Gerade wegen einer Förderung von bis zu 70 Prozent sei der Heizungstausch gerade so angesagt. Kratzer berät intensiv und macht sich ein Bild von den Bedürfnissen der Kunden. Manchmal sei eine Pelletheizung besser, manchmal eine Wärmepumpe. Es müsse passen.

Auch ein Dachdeckerbetrieb aus Döpshofen ist gut ausgelastet

Auch die Dachdecker-Branche spürt die Förderung bestimmter Projekte, allerdings keinen Schwung im Hausbau. Mit Sanierungen sei sein Betrieb zu 90 Prozent ausgelastet, sagt Max Bader, Chef der gleichnamigen Firma in Döpshofen bei Gessertshausen. Die Planungen im Betrieb reichen schon bis 2027. Dachsanierungen könnten mit bis zu 20 Prozent der Kosten bezuschusst werden. Den entsprechenden Antrag müsse jedoch ein Energieberater stellen, der auch die Fassaden oder Fenster eines Gebäudes prüft. Der Neubau-Sektor laufe gerade schleppend und auch bei PV-Anlagen sinke das Interesse. Der Markt sei größtenteils bedient. Bader meint: „Wer eine Anlage auf dem Dach wollte, der hat inzwischen auch eine. Und bei der aktuellen Förderung ist das nicht mehr so interessant.“

Es gibt auch unseriöse Dachdecker. Deren Arbeit beschäftigen dann die Fachkräfte.

Icon vergrößern

Es gibt auch unseriöse Dachdecker. Deren Arbeit beschäftigen dann die Fachkräfte.
Foto: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Es gibt auch unseriöse Dachdecker. Deren Arbeit beschäftigen dann die Fachkräfte.
Foto: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)

Was Firmenchef Max Bader neben der überbordenden Bürokratie im Alltag – „Wir haben brutale Dokumentationspflichten, müssen selbst bei kleinen Tätigkeiten eine Gefährdungsbeurteilung mit 20 bis 30 Punkten ausfüllen“ – am meisten stresst, ist der Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Er hätte gerne mehr Azubis. Doch die müssen zur Berufsschule bis nach Waldkirchen bei Passau, das schrecke viele ab. „Auch bei den Spenglern, die ihre Berufsschule in Augsburg haben, machen immer weniger einen Abschluss“, weiß Bader. Gerade diese Not an Fachkräften zwinge manche Betriebe, Leute einzustellen, die das Handwerk gar nicht beherrschen. „Zehn Jahre nach dem Hausbau müssen wir dann Dächer richten, die so ein Konkurrent gebaut hat. Das machen wir laufend.“