Die Zahl der Toten und Verletzten bei einem russischen Raketenangriff auf die Stadt Merefa am Montagvormittag ist stark gestiegen. Nach ukrainischen Angaben wurden bei dem Angriff auf die Stadt in der Region Charkiw sieben Menschen getötet. Mehr als 30 Menschen seien verletzt worden, darunter ein zweijähriger Junge, teilt der Gouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf Telegram mit. „Der Einschlag war von großer Wucht, im Zentrum der Stadt, praktisch mitten auf den Straßen“, schreibt Synjehubow. Mindestens zehn Häuser, ein Verwaltungsgebäude, vier Geschäfte und eine Autowerkstatt seien beschädigt worden.

Russland und die Ukraine haben für die laufende Woche Feuerpausen angekündigt, diese aber nicht abgestimmt. Der russische Präsident Wladimir Putin habe für den
8. und 9. Mai eine zweitägige Waffenruhe angeordnet, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Montag mit. Anlass sei der Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Das Ministerium erklärte, es erwarte, dass sich die ukrainische Seite der Feuerpause anschließe. Sollte die Ukraine jedoch versuchen, die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges zu stören, werde die Kiewer Innenstadt massiv angegriffen. Bislang habe man aus humanitären Gründen von solchen Maßnahmen abgesehen.

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte eine Feuerpause an. Diese solle am kommenden Mittwoch beginnen, teilte Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Russland habe auf die Forderungen der Regierung in Kiew nach einer Feuerpause bislang nicht reagiert. Die Ukraine werde dennoch das Feuer einstellen, da „menschliches Leben unvergleichlich wertvoller ist als die ‚Feier‘ irgendeines Jahrestages“.

Kurz nach einer Ankündigung aus Moskau hat auch die Ukraine eine Waffenruhe erklärt, jedoch zu einem anderen Zeitpunkt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, dass eine Feuerpause „ab 0.00 Uhr in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai“ gelten solle. Damit reagiert Kiew offenbar unmittelbar auf Signale aus Russland – setzt mit Mittwoch aber einen eigenen Zeitrahmen.

Zuvor hatte Kremlchef Wladimir Putin eine zweitägige Waffenruhe rund um die Feierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs angekündigt. Diese solle am 8. und 9. Mai gelten, wie russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium meldeten.

Gleichzeitig verschärft Moskau den Ton: Für den Fall, dass die Ukraine die Gedenkfeiern stören sollte, drohte das russische Verteidigungsministerium mit einem „massiven Raketenangriff“ auf das Zentrum von Kiew. Selenskyj zeigte sich unterdessen skeptisch gegenüber den russischen Vorstößen. Eine von Moskau angeregte eintägige Feuerpause bezeichnete er als „nicht ernst gemeint“. Zudem habe Kiew bislang keinen offiziellen Vorschlag erhalten.