Strom ist nicht das eigentliche Ziel

Das klingt nach einem lokalen Energieprojekt. Es ist aber auch eine Antwort auf einen Vorwurf, den SachsenEnergie-Vorstand Dr. Axel Cunow offenbar regelmäßig hört: dass die Energiewende Landessache sei – nichts für Städte. „Wir bekommen immer wieder zu hören, dass das Land die Energiewende für die Großstädte umsetzt“, sagte Cunow. „Hier haben wir nun ein Beispiel, das die Vereinbarkeit einer Metropole und erneuerbarer Energien zeigt.“

Dabei gibt er selbst zu, dass Solarstrom in dicht bebauten Städten nie die Hauptrolle spielen wird. Der Platz ist knapp, die Dichte hoch. Was den Unterschied macht, ist die Fernwärme – und deren Dekarbonisierung. Cunow nannte Elektrodenheizkessel und Wärmepumpen als nächste Schritte. Weitere Deponien und Gewerbedächer sollen für Photovoltaik hinzukommen – aber das ist, wie er deutlich machte, Mittel zum Zweck, nicht das eigentliche Ziel.

Teil eines größeren Plans

Für SachsenEnergie ist der Solarpark an der Radeburger Straße ein Baustein in einem weitaus größeren Vorhaben: Bis Ende des Jahrzehnts will das Unternehmen rund 700 Gigawattstunden Ökostrom aus eigenen Anlagen erzeugen. Der neue Park liefert bei einem typischen sächsischen Jahresertrag von rund zwei Gigawattstunden – das entspricht knapp 0,3 Prozent des angestrebten Gesamtziels. Der Weg dorthin ist also tatsächlich noch weit.

Nahaufnahme von zwei langen Reihen moderner Photovoltaik-Module auf einer grünen Wiese unter bewölktem Himmel im Solarpark Radeburger Straße.
Zwischen High-Tech und Wildwiese: Auf dem neuen Solarpark an der Radeburger Straße in Dresden wird nicht nur Strom für 1.000 Haushalte erzeugt. In einem fünfjährigen Experiment wird unter den Modulen erforscht, wie halbdurchlässige Paneele den Lebensraum für Insekten und Zauneidechsen fördern können. Foto: Oliver Killig/Sachsenenergie

Im Stadtgebiet betreibt SachsenEnergie bereits weitere Anlagen, darunter eine auf dem Dach des Heinz-Steyer-Stadions mit 0,3 Megawatt, die einen Großteil des dortigen Bedarfs deckt und den umliegenden Sportpark Ostra mitversorgt.

Der Solarpark an der Radeburger Straße ist, für sich genommen, ein überschaubares Projekt. Als Argument in einer Debatte, die Städte bisher vor allem als Konsumenten der Energiewende sah – nicht als Akteure -, wiegt er mehr.