Das linke Auge zugekniffen, das rechte schaut konzentriert durch einen leeren Dia-Rahmen gen Eutiner Rathaus: „Das hilft sehr zum Fokussieren“, sagt Ulrike Plötz, setzt einen rosafarbenen Stift auf das Papier in ihrem Skizzenbuch und malt drauflos. Aus kurzen und längeren Strichen entstehen binnen kurzer Zeit Fassaden, Details, dazu das „Straßenbegleitgrün“ und Menschen – eben typisch Urban Sketching.
Regelmäßig ist Plötz gemeinsam mit der von ihr 2014 gegründeten Urban-Sketcher-Gruppe unterwegs und malt „plein air“, also direkt vor Ort.
Hat nicht nur die nächsten Motive im Blick: Im Rahmen des Tages des Lokaljournalismus verwies Ulrike Plötz, Kopf der Eutiner Urban-Sketcher-Szene, auch darauf, welche wichtigen Funktionen diese Kunstform hat.
Foto: Alexander Steenbeck
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Dabei komme es nicht selten vor, dass Passanten erstaunt stehen bleiben, was dort mit Pinsel oder Stiften zu Papier gebracht wird. „Interessierte, die uns über die Schulter schauen und einen Blick auf die Zeichnungen werfen, sind meist überrascht und betrachten das Gebäude dann plötzlich viel aufmerksamer und nehmen Details wahr, die sie vorher übersehen hatten“, sagt Plötz.
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Kulturelle Bedeutung: Wie Urban Sketching die Demokratie stärkt
Es ist besondere Kunst, die letztlich mitunter in nur wenigen Minuten solo oder auch in kleinerem Kreis von Gleichgesinnten entsteht. „Es gibt kein Richtig oder Falsch“, erklärt Plötz. Das zeichnerische Dokumentieren von Gebäuden oder Situationen schaffe eine große Verbundenheit zur Stadt und trage zu einem Zuhause-Gefühl bei.
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Plötz spricht insofern auch von einer besonderen kulturellen Bedeutung des Urban Sketching. Denn dabei gehe es nicht nur ums Zeichnen: „In unserer Zeit, in der Demokratiefeinde für eine Unsicherheit in der Gesellschaft sorgen, ist es für einige Menschen ein kleiner, aber wichtiger kultureller Beitrag zu einer funktionierenden Demokratie, weil es ihnen eine sichere Gemeinschaft bietet.“
Hoch konzentriert, abr dennoch vollkommen stressfrei malen und zeichnen die Urban Sketcher bei ihren gemeinsamen Treffen wie hier am Eutiner Markt.
Foto: Alexander Steenbeck
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Urban Sketcher sind kein Verein. Es ist eine weltweite Non-Profit-Bewegung, von der es mittlerweile vielerorts Ableger gibt – wie in Eutin. Wesentliche Grundlagen für das Bestehen der hiesigen gut 80-köpfigen Kreativ-Gruppe seien der Umgang miteinander und die freien und unkomplizierten Regularien. „Jeder kann mitmachen. Es gibt kein Arm und kein Reich. Und auch gesellschaftliche Unterschiede spielen keine Rolle“, sagt Plötz.
Eutiner Urban Sketcher planen Ausstellung und Publikation
Die Kunst selbst wird nicht bewertet oder jemand für seine Malweise ausgegrenzt. „Wir zeichnen zusammen, legen die Zeichnungen zum Abschluss aus, betrachten und besprechen sie. So lernen wir voneinander und miteinander, entwickeln unsere zeichnerischen Fähigkeiten ständig weiter und dokumentieren die Veränderungen in der Stadt“, erklärt Plötz.
Vorgaben gibt es beim Urban Skechting nicht; außer, das was der Moment dem Künstler bietet – wie hier Fassaden am Eutiner Marktplatz.
Foto: Alexander Steenbeck
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Generell geht es um das Miteinander und um den Perspektivwechsel. So manch einer könnte somit viel bei den Sketchern lernen – wobei das Malen schon im Vordergrund steht. „Das ist immer ein Runterfahren. Man genießt die Farben“, sagt Yvonne Bargstädt. Für die Gömnitzerin ist das Sketching Entspannung. Und die Malblöcke haben wiederum im Grunde eher Tagebuch-Charakter, denn mit dem Zeichnen halte man auch Stimmungen und das Gefühl des Tages fest, erklärt Bargstädt. Zudem schmücken noch Eintrittskarten und Restaurant-Rechnungen als zusätzliche Erinnerungen ihre Skizzenblöcke.
Yvonne Bargstädt aus Gömnitz nutzt Urban Sketching auch zur Entspannung – und oft auch, um Wartezeit zu überbrücken oder besondere Momente im Bild festzuhalten.
Foto: Alexander Steenbeck
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Sehr individuelle Zeitzeugnisse entstehen so, die meist im privaten Umfeld bleiben – doch nicht ausschließlich: Manche lassen mit den Motiven Karten drucken und nach 2024 planen die Eutiner Urban Sketcher nun erneut eine Ausstellung. „Unser nächstes Thema sind die Eutiner Gebäude, in denen der Hofmaler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein gewohnt und gewirkt hat, sowie die Gegenüberstellung seines disziplinierten akademischen Zeichnens und dem heutigen spontanen Urban Sketching“, sagt Ulrike Plötz. Die Zeichnungen sollen im August 2026 im Kulturbahnhof zu sehen sein, geplant sei zudem eine Publikation.
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Die Freiheit, zeichnen zu dürfen, wie man möchte und sogar noch bestärkt zu werden, wird auch dabei wieder zum Ausdruck kommen. Wer sich den Eutiner Urban Sketchern anschließen möchte: Kontakt gibt es über Ulrike Plötz (Tel. 0174/5718694 oder E-Mail ulrike.ploetz1994@gmail.com).