Der illegale Welpenhandel ist ein millionenschweres Geschäft, das unermessliches Tierleid verursacht. Die neue Joyn/ProSieben-Dokumentation: „How to kill a puppy and get rich“ zeigt erstmals, wie skrupellos die Strukturen hinter der „Hunde-Mafia“ funktionieren – und welche Folgen investigative Recherchen haben können.

Die komplette Dokumentation gibt es hier zum Anschauen auf Joyn (externer Link).

Projekt bindet Producer aus Landkreis Karlsruhe ein

Einer der kreativen Köpfe hinter dem Projekt ist Florian Erker, Writer & Producer, der im Landkreis Karlsruhe aufgewachsen ist und heute in der Film- und Fernsehbranche arbeitet, meist bewusst im Hintergrund.

Geboren wurde Erker, der auch unter dem Künstlernamen Sem Gray bekannt ist, „auf einer alten Ritterburg, nahe Eppingen“. Von seinem Fünften bis zu seinem 18. Lebensjahr lebte er im Landkreis Karlsruhe, später auch ein Jahr direkt in Karlsruhe. Für die Doku war er Producer und Co-Autor und damit eng in die kreative und inhaltliche Gestaltung eingebunden, ohne selbst vor der Kamera zu stehen.

„Ich habe das Thema zunächst durch meine Produzentenbrille gesehen“

Zum Thema illegaler Welpenhandel kam Erker nicht aus einer aktivistischen Motivation heraus. „Das Thema wurde durch Nathan Goldblat, unseren Host, an mich herangetragen“, sagt er. Anschließend suchte er nach einem passenden Partner und fand ihn in ProSieben/Joyn. „Ich habe das Thema also zunächst durch meine Produzentenbrille gesehen und nicht zu sehr aus der Perspektive eines Tierschützers.“

Dackelwurf. (Symbolbild)

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Dackelwurf. (Symbolbild)
Foto: Alexander Hein/ZDF/Arte/dpa

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Foto: Alexander Hein/ZDF/Arte/dpa

Über Goldblat lernte er NGOs kennen, die ihn erstmals mit den Zuständen in Rumänien konfrontierten. „Durch Nathan. Über ihn habe ich dann auch einige NGOs kennengelernt, durch die ich wahnsinnig viel erfahren habe.“ Die Einblicke prägten die weitere Arbeit an der Dokumentation und machten das Ausmaß des Problems sichtbar.

Was die Doku zeigt – und welche Folgen sie bereits ausgelöst hat

Die Hunde-Mafia begleitet Tierschutz-Creator Nathan Goldblat bei seinen Recherchen in Rumänien. Die Doku zeigt, wie dort massenhaft Straßenhunde eingefangen, eingesperrt und nach 14 Tagen getötet werden, wenn sie von niemandem adoptiert werden.

Betreiber solcher Stationen erhalten pro Tier eine staatliche Vergütung, was das System wirtschaftlich attraktiv macht und Missstände begünstigt. Laut Tierschutzorganisationen wurden seit den 2000er-Jahren über eine Million Hunde getötet.

Während der Dreharbeiten gelangten dem Team Videoaufnahmen zu, die Verstöße gegen das Tierwohl in einer privaten Tötungsstation dokumentierten. Diese Beweise wurden den Behörden übergeben. Mitte Februar führte das zur Schließung der Einrichtung, zur Verlegung von mehr als 200 Hunden und zu Ermittlungen gegen den Betreiber.

Kurz darauf durchsuchte die rumänische Polizei eine weitere große Station mit rund 800 Hunden und leitete strafrechtliche Schritte ein. Tierschutzorganisationen sprechen von einer „Kettenreaktion“, die durch die Recherchen der Doku ausgelöst wurde.

Verantwortung hinter der Kamera und heikle Drehsituationen

Die Dreharbeiten führten das Team in Situationen, in denen Vorsicht geboten war. „Natürlich ist es nicht ungefährlich, wenn man eine investigative Doku über ‚mafiöse‘ Strukturen macht, besonders wenn es um viele Millionen Euro geht“, sagt er. Es habe „die ein oder andere spezielle Situation“ gegeben, doch das Team habe genau gewusst, wann es sich zurückziehen musste und wann die Kameras ausbleiben mussten.

Bilder, die nachwirken – und persönliche Konsequenzen

Die Recherche hinterließ Spuren. „Während der Produktion mussten wir schon Dinge sehen, die man sonst lieber nicht hätte sehen wollen“, sagt Erker. Das unbegreifliche Tierleid könne einen schnell verzweifeln lassen, besonders wenn man es über Monate hinweg begleitet. Dennoch sei es wichtig, nicht daran zu zerbrechen und eigene Schlüsse zu ziehen.

Für ihn führte die Arbeit an der Doku zu einer persönlichen Veränderung. „Ich zum Beispiel wurde durch die Doku Vegetarier.“ Aktivistisch sei er jedoch nicht unterwegs, betont er. Seine Rolle in der Produktion sei klar von persönlicher Haltung zu trennen, auch wenn ihn das Thema privat nicht kaltlasse.

Reaktionen aus dem Umfeld und aus der alten Heimat

Die Resonanz auf die Doku sei groß, besonders in sozialen Medien. Viele Menschen hätten sich bewegt gezeigt, doch am meisten bedeuten Erker die Rückmeldungen aus seinem engsten Umfeld. „Am schönsten sind für mich die persönlichen Feedbacks von Freunden und Familie und besonders von denen, die mir am nächsten stehen“, sagt er. Ein Jahr lang habe seine Familie viel Rücksicht nehmen müssen, während er an der Doku arbeitete.

In seiner alten Heimat werde er weniger für sein Tierschutz-Engagement wahrgenommen, was auch daran liege, dass dieses noch relativ neu sei. „Ich habe eher das Gefühl, dass man es spannender findet, dass ich in der Film- und Fernsehbranche arbeite“, sagt er. Das sei zumindest das Feedback, das er am häufigsten bekomme.

Kindheitserinnerungen und frühe Inspiration

Auch wenn Erker keinen direkten Zusammenhang zwischen seiner Herkunft und seinem heutigen Engagement sieht, gibt es Erinnerungen, die geblieben sind. Er erzählt von Ausflügen in den Brettener Tierpark und von Tieren auf den Grundstücken seiner Großeltern. „Zum Glück haben wir die aber nicht gegessen“, sagt er rückblickend und schmunzelt über die damalige Zeit.

Tierpark Bretten. (Archivbild)

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Foto: ka-news

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Tierpark Bretten. (Archivbild)
Foto: ka-news

Besonders prägend war seine ältere Schwester. „Sie war bereits mit fünf Jahren Vegetarierin und Deutschlands jüngstes Greenpeace-Mitglied“, erzählt er. Als kleiner Junge habe er sie dafür oft belächelt. „Ich habe ihr das noch nie gesagt, aber heute ist sie eine Heldin für mich.

Was jeder Einzelne tun kann – und wo seine Rolle endet

Privat sieht er Verantwortung bei jedem Einzelnen. „Was bedeutet es, wenn wir einen überteuerten Hund vom Züchter kaufen, anstatt einen aus dem Tierheim? Die Tiere in den Heimen sind ganz wundervolle Seelen.“ Wo Tierleid beginne und wo es endet, müsse jeder selbst beantworten. Seine eigene Antwort hat er jedoch nun gefunden.