Berlin & BrandenburgWieder fallen Schüsse: Mann muss notoperiert werdenNach-Schuessen-sucht-die-Berliner-Polizei-nach-einem-Tatverdaechtigen(Foto: Carsten Rehder/dpa)TeilenFolgen auf:whatsappwhatsapp

Auf der Yorckstraße wird nachts ein 44-jähriger Mann angeschossen. Die Polizei sucht nach einem flüchtigen Tatverdächtigen. Die Kriminalität bereitet auch der Gewerkschaft Sorgen.

Berlin (dpa/bb) – Ein Mann ist in Berlin-Schöneberg angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Die Schüsse fielen in der Nacht zu Dienstag auf der Yorckstraße, wie die Polizei mitteilte. Der 44 Jahre alte Verletzte musste demnach notoperiert werden. Die Polizei sucht nach einem unbekannten Tatverdächtigen, der sich auf der Flucht befindet. Mit einem Hubschrauber suchten Polizisten den nahegelegenen Park am Gleisdreieck aus der Luft ab, zunächst aber erfolglos. Die Mordkommission ermittelt. Neue Erkenntnisse zum Zustand des Mannes hatte die Polizei zunächst nicht.

Gewerkschaft: „Durchbewaffnung auf unseren Straßen“

„Dass in Berlin in einer Nacht scharf geschossen wird, ist jetzt sicher keine große Besonderheit mehr. Es darf aber niemals einfach so als Normalität hingenommen werden, denn wir reden über die Gefährdung von Menschenleben“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei Berlin. Er sprach von einer „Durchbewaffnung auf unseren Straßen“. Eine Menge Personen sei bereit, andere selbst ohne großen Hintergrund oder Vorgeschichte über den Haufen zu schießen. „Fünf Schüsse sind keine Warnung, das ist pure Tötungsabsicht“, so Jendro. Manchmal gehe es bei den Schießereien um Geschäfte, manchmal um verletzte Ehre.

Die vielen Verletzten durch Messerstiche und Schüsse seien eine extreme Belastung für unser Gesundheitssystem und so für unsere komplette Gesellschaft. „Letztlich werden alle Kosten durch die Krankenkassenbeiträge aller Menschen bezahlt“, so der Sprecher.

Gewaltkriminalität nimmt zu

Seit mehr als einem Jahr macht die zunehmende Gewaltkriminalität mit Schusswaffen der Polizei Sorgen. Oft handelt es sich laut Polizei um Erpressungen von Geschäftsleuten sowie Revierkämpfe und Auseinandersetzungen in der organisierten Kriminalität.

2025 zählte die Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch, etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen. Das waren insgesamt 68 Prozent mehr Straftaten, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde, als im Vorjahr 2024.

Das Landeskriminalamt hat die Sondereinheit „Ferrum“ (lateinisch für „Eisen“) ins Leben gerufen. Auch die Staatsanwaltschaft setzte inzwischen eine spezielle Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch für „Angriffswaffe“) ein.

Quelle: dpa