Freiburg, 05.05.2026 (KAP) Der für Migration zuständige österreichische EU-Kommissar Magnus Brunner hat die europäische Asylpolitik verteidigt. Man betreibe keine Abschottung, sondern Verantwortungspolitik, sagte Brunner im Interview der „Herder Korrespondenz“ (Mai-Ausgabe). „Unser Asylrecht muss dem Schutz derjenigen dienen, die ihn wirklich brauchen.“ Das neue europäische Asylsystem werde den Grenzschutz verstärken und die Bearbeitung von Asylanträgen beschleunigen, so Brunner weiter. Zugleich hielt er fest: „Migration gehört zu Europa.“ Es dürften aber nicht die Schlepper entscheiden, wer nach Europa kommt. Kritik von Kirchenvertreter an einer zu isolationistischen Haltung Europas wies Brunner zurück. Er zeigte sich auch überzeugt, dass das Christentum weiterhin im Wertekanon der EU eine bedeutende Rolle spielt.

Dass die Zahl der illegalen Grenzübertritte im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen ist, begründete Brunner mit der Arbeit an einem gemeinsamen europäischen Asylsystem: „Diese gemeinsamen Regeln schaffen die Voraussetzungen dafür, dass illegale Grenzübertritte in den letzten zwei Jahren um 55 Prozent zurückgegangen sind.“ Der Rückgang sei kein Zufall, sondern das Ergebnis der „europäischen Migrationswende“, die von der EU bzw. den Mitgliedstaaten vorangetrieben wird.

Brunner: „Wir müssen da ansetzen, wo Migration entsteht, damit sich die Menschen gar nicht erst auf den meist lebensgefährlichen Weg machen.“ Deshalb unterstütze die EU Staaten entlang der Routen dabei, „die Ursachen der Migration zu adressieren, Schleppernetzwerke zu bekämpfen und die Grenzen wirksamer zu kontrollieren“.

Parallel dazu bringe man das europäische Haus in Ordnung: Das neue Europäische Asylsystem werde die Bearbeitung von Asylanträgen beschleunigen und den Grenzschutz verstärken. Komplettiert werde dies durch effektivere Rückführungen von Personen, die kein Bleiberecht in der EU haben. Brunner: „So gewinnen wir die Kontrolle über Migration. Nicht skrupellose Schlepper entscheiden, wer nach Europa kommt, sondern wir.“

„Einer der sichersten Orte der Welt“

Dass Kirchenvertreter die EU wegen einer zu isolationistischen Haltung kritisieren, wollte der Kommissar nicht gelten lassen. Das Gegenteil sei der Fall, so Brunner: „Europa ist einer der sichersten Orte der Welt. Menschen kommen zu uns, um Verfolgung zu entgehen, um in Sicherheit zu leben, oder auch um eine neue Zukunft zu beginnen. Migration gehört zu Europa. Und sie trägt zu unserer Wettbewerbsfähigkeit bei und prägt Europa bis heute.“

Wer Partnerschaften mit Herkunfts- und Transitstaaten ausbaut, wer Schutz in der Region stärkt und Mobilität fördert, betreibe keine Abschottung, sondern Verantwortungspolitik, meinte der Politiker und weiter wörtlich: „Unser Asylrecht muss dem Schutz derjenigen dienen, die ihn wirklich brauchen. Aber damit dieses Versprechen glaubwürdig bleibt, müssen wir klar unterscheiden: Wer Anspruch auf Schutz hat, soll ihn erhalten. Wer keinen Anspruch hat, muss zurückkehren.“ Ohne diese Ordnung verliere das System Akzeptanz.

Brunner ist in der Europäischen Kommission auch für den strukturierten Dialog mit den Kirchen und Religionen zuständig. Das Christentum und der Liberalismus würden im Wertekanon der EU jedenfalls nach wie vor eine bedeutende Rolle spielen, zeigte er sich im Interview der „Herder Korrespondenz“ überzeugt: „Diese zwei Strömungen prägen unsere Werte und unser Handeln weiterhin. Das christliche Menschenbild mit seinem Fokus auf der unantastbaren Würde jedes Einzelnen ist der Kern unserer europäischen Idee. Gleichzeitig verdanken wir dem Liberalismus die Betonung von individueller Freiheit, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und Minderheitenschutz.“

Er würde noch ein weiteres Element hinzufügen, so Brunner: „den unbedingten Willen zum Frieden“. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen trete dies stark in den Vordergrund. „Seit jetzt mehr als 80 Jahren gehen Frieden und europäische Integration Hand in Hand, und das vereinte Europa hat in dieser Zeit viele weitere Anhänger gefunden“, so Brunner: „Es ist an uns, unsere Gesellschaften nach außen und nach innen zu schützen gegenüber jenen, die diesen Zusammenhalt gefährden wollen.“

Arbeit der Kirche unverzichtbar

In Zeiten zunehmender Polarisierung und globaler Krisen komme der Rolle der Kirchen in Europa besondere Bedeutung zu, sagte Brunner weiter: „Kirchen sind Orte der Begegnung. Gerade in einer vielfältigen, offenen Gesellschaft verbinden sie, statt zu spalten, bauen Brücken zwischen Kulturen, Generationen und verschiedenen sozialen Gruppen.“ Dazu sei er im ständigen Austausch mit allen Trägern, so Brunner: „Erst im Oktober durfte ich im Vatikan Papst Leo XIV. treffen.“

Es sei die Verantwortung der Politiker, Lösungen anzubieten, die funktionieren. Zugleich sei klar: „Ohne zivilgesellschaftliche Kräfte geht es nicht – bei der Integration, in der Begleitung von Menschen in schwierigen Lebenslagen, in der aktiven Förderung von Respekt, Toleranz und Mitmenschlichkeit.“ Die Arbeit der katholischen Kirche, die sich für ein versöhntes, solidarisches Europa einsetzt, sei unverzichtbar.