Happy Birthday! Heute könnten wir den 30. Geburtstag des Bundeslandes Berlin-Brandenburg feiern. Am 5. Mai 1996 fand in den beiden Bundesländern eine Volksabstimmung über die Fusion zu einem Bundesland statt. Letztlich scheiterte sie an der Ablehnung der Brandenburger Wählerinnen und Wähler.

Erinnern Sie sich an die damalige Kampagne? Zugegebenermaßen, es ist schon eine Weile her. Zwei Kleinkinder, Hand in Hand, halten jeweils die Landesflagge von Berlin und Brandenburg. Sie schauen einander an, fröhlich, fast erwartungsvoll. Dieses Bild aus dem Jahr 1996 stand sinnbildlich für Aufbruch, für die Idee, dass zusammenwächst, was nach Jahrzehnten der deutschen Teilung zusammengehört.

Heute, am Jahrestag der Volksabstimmung, stellt sich eine naheliegende Frage: Was ist eigentlich aus diesen beiden Kindern geworden?

Politische Strukturen arbeiten weiterhin nebeneinanderher

Vermutlich leben sie noch immer in der Region, haben womöglich Familien gegründet, arbeiten hier, pendeln zwischen Berlin und Brandenburg, verbringen Wochenendausflüge in Brandenburg und besuchen Museen in Berlin. Ihr Alltag ist längst Realität in der Hauptstadtregion.

Nur politisch sind wir stehen geblieben. Denn während der Alltag vieler Menschen länderübergreifend organisiert ist, arbeiten die politischen Strukturen weiterhin nebeneinanderher. Zwei Länder, zwei Verwaltungen, doppelte Zuständigkeiten – und entsprechend langwierige Abstimmungsprozesse.

Das ist nicht nur ineffizient, sondern zunehmend ein wirtschaftlicher Standortnachteil. Wir leisten uns parallele Ministerien, doppelte Behördenstrukturen und komplexe Koordinierungsverfahren. Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen – etwa für Infrastruktur, Bildung oder Digitalisierung. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Haushalte ist das schwer zu rechtfertigen.

Natürlich gibt es Zusammenarbeit: beim Rundfunk, im Verkehrsverbund, in einzelnen Planungsfragen. Der große Wurf ist das nicht. Was fehlt, ist eine gemeinsame strategische Steuerung.

Zur Person

Credit: Julian Molkenthin

Zur Person

Dr. Felix Recke-Friedrich (geb. 1992) ist gebürtiger Berliner, Jurist und seit 2016 Bezirksverordneter der FDP in Charlottenburg-Wilmersdorf.
Er ist Landesvorsitzender der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker Berlin und engagiert sich seit vielen Jahren in der Berliner FDP. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 kandidiert er für seine Partei. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf Verwaltungsreformen, Gesundheitspolitik und der stärkeren wirtschaftlichen Verzahnung der Hauptstadtregion.

Die Folgen davon sehen wir jeden Tag: ein öffentliches Verkehrsnetz, das nicht konsequent aus einem Guss gedacht ist.
Eine Wohnungs- und Flächenplanung, die Wachstum zu häufig verzögert statt ermöglicht. Und eine Wirtschaftsregion, die unter ihren Möglichkeiten bleibt, weil Entscheidungen zu lange dauern.

Das zeigt sich aktuell besonders deutlich bei den Debatten um eine mögliche Weltausstellung oder Olympische Spiele. Solche Projekte lassen sich nur gemeinsam denken – infrastrukturell, organisatorisch und finanziell. Stattdessen wird sichtbar, wie begrenzt die bestehenden Kooperationsstrukturen sind.

Ein Gewirr aus Zuständigkeitsfragen

Dabei könnte die Hauptstadtregion deutlich mehr leisten. Sie vereint wissenschaftliche Exzellenz, eine dynamische Start-up-Szene, industrielle Potenziale, viel Fläche und internationale Strahlkraft. Andere Metropolregionen in Europa zeigen, was möglich ist, wenn Planung, Verwaltung und politische Verantwortung zusammengeführt werden.

In Berlin und Brandenburg hingegen verlieren wir uns oft in Zuständigkeitsfragen. Es geht nicht um Symbolpolitik oder die nachträgliche Bewertung einer Entscheidung aus den 1990er-Jahren. Es geht um die Zukunftsfähigkeit einer Region, die längst zusammengewachsen ist – und die sich nur gemeinsam weiterentwickeln kann. Auf Augenhöhe, nicht im Wettbewerb gegeneinander.

Wer ernsthaft vorankommen will, muss deshalb mehr tun als punktuelle Kooperation. Eine verbindliche gemeinsame Landesplanung, abgestimmte Infrastrukturpolitik und vor allem klare Verantwortlichkeiten sind entscheidend. Und ja: Dazu gehört auch die ehrliche Debatte darüber, ob wir uns dauerhaft zwei vollständige staatliche Strukturen leisten wollen.

Die eigentliche Frage lautet nicht mehr, ob Berlin und Brandenburg enger zusammenarbeiten sollten, sondern ob wir bereit sind, die Konsequenzen daraus zu ziehen.

30 Jahre nach der gescheiterten Fusion ist es Zeit, diese Debatte neu zu führen – pragmatisch, ohne ideologische Scheuklappen und mit einem klaren Blick auf Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität. Vielleicht würden die beiden Kinder von damals als Erwachsene von heute sagen: Es ist Zeit für den nächsten Schritt in eine gemeinsame Zukunft!

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