Dieses Wissen legte den Grundstein für etwas Revolutionäres: die erste industrielle, standardisierte Gewinnung von Duft- und Geschmacksstoffen mit gleichbleibender Qualität.

Was man aus Filmen wie ‚Das Parfum‘ kennt, war früher reine Handwerkskunst ohne Standards. Hier in Leipzig ist es erstmals gelungen, Duft- und Geschmacksstoffe reproduzierbar und in gleichbleibender Qualität herzustellen.

Holger Wetzler
Geschäftsführer Bell Flavors & Fragrances GmbH

Dieser Durchbruch war so bedeutend, dass einem der beteiligten Entwickler, Otto Wallach, im Jahr 1910 der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde.

Aromen kreieren ist wie Musik komponieren

Das Erfolgsgeheimnis liege nicht in den Rohstoffen, so Wetzler, sondern in deren Komposition. Ein Geschmack kann aus zehn Rohstoffen bestehen, komplexe Aromen aus über 100. Parfüms kommen teilweise auf bis zu 300 Komponenten. Mit welchen Firmen das Unternehmen weltweit zusammenarbeitet bleibt ein gut gehütetes Geheimnis.

Chemische Synthese – schlechter Ruf zu Unrecht

Viele natürliche Stoffe enthalten Allergene oder sogar krebserregende Substanzen. Chemisch hergestellte Aromen seien kontrollierbarer, sicherer – und vor allem nachhaltiger, verteidigt Holger Wetzler synthetische Aromen. Ein anschauliches Beispiel sei der Erdbeerjoghurt. Würde man ihn weltweit ausschließlich mit echten Erdbeeren aromatisieren, müsste heute eine Fläche so groß wie die USA als Erdbeerfelder dienen.

Vegane Produkte als neue Herausforderung

Ein stark wachsendes Feld ist die vegane Lebensmittelindustrie. Besonders Deutschland gilt hier als Vorreiter, gefolgt von Großbritannien und den Niederlanden.

Ohne Geschmack funktioniere das nicht, sagt Wetzler. Viele pflanzliche Basisprodukte seien pur kaum genießbar. Aromen seien entscheidend für Akzeptanz veganer Produkte.