„Tatort“-Star Jan Josef Liefers schaut zurück auf die Corona-Zeit und sein eigenes Engagement bei der Aktion „#allesdichtmachen“. Der Druck auf ihn sei immens gewesen. Aber der 61-Jährige sagt: Er würde es wieder tun.
Sie sagten der Regierung einfach mal Danke – doch das Lob war ein vergiftetes: Die Initiative #allesdichtmachen aus dem April 2021 war eine kontroverse Protestaktion von über 50 bekannten deutschen Schauspielern und Regisseuren, die damit die Corona-Politik von Bund und Ländern zum Thema machten. Mit ironisch-satirischen Videos kritisierten Stars wie Jan Josef Liefers, Ulrich Tukur, Meret Becker, Heike Makatsch und Volker Bruch Lockdown-Maßnahmen, Ausgangssperren, aber auch die Medienberichterstattung.
Die Aktion polarisierte stark in der ohnehin aufgeheizten Debatte rund um die Handhabung der Corona-Pandemie, und sie hatte für die Teilnehmer teils persönliche Konsequenzen. Im Podcast „Hotel Matze“ schaute nun auch „Tatort“-Star Jan Josef Liefers noch einmal zurück. Der 61-Jährige berichtet ebenfalls von Warnungen und Einschüchterungsversuchen. Ausschnitte des Gesprächs kursieren aktuell in den sozialen Medien.
„Da bin ich zu alt für so einen Scheiß“, sagt Liefers in der Rückschau
Liefers erinnert sich etwa an den immensen öffentlichen Druck, unter dem die Teilnehmer damals standen. Nur „Sekunden“, nachdem die Videoclips online gegangen seien, habe auch bei ihm das Telefon geklingelt, und ein Freund – Liefers spricht von „Kumpel“, der, so der Schauspieler weiter, mittlerweile bei der Plattform „Correctiv“ mitarbeite – habe ihn bedrängt, von der Aktion wieder Abstand zu nehmen. „Der sagt mir am Telefon: ‚Was um Gottes Willen ist das? Das musst Du sofort zurücknehmen. Du musst das sofort runternehmen, Du musst sofort eine Erklärung abgeben: Ähm, das war ein Irrtum, das war falsch, tut mir leid‘“, gibt Jan Josef Liefers den Wortlaut des damaligen Gesprächs wieder.
Der Schauspieler habe das Ansinnen seines Freundes jedoch abgelehnt. Das könne er nicht tun. Er mache doch nicht erst bei einer solchen Aktion mit, um sich dann gleich wieder zurückzuziehen. „Da bin ich zu alt für so einen Scheiß“, so der 61-Jährige. Der Freund aber habe nicht lockergelassen. Dann müsse, so sein neuer Vorschlag, Liefers zumindest eine schriftliche Erklärung abgeben und sich „von rechts distanzieren“, so gibt der Schauspieler die Unterhaltung von damals wieder. Über die Reaktion seines Freundes habe er, so Liefers weiter, dann länger nachgedacht als über die Frage, ob ihm sein Mitmachen nun „karrieretechnisch“ geschadet habe oder nicht.
„Solche Künstler braucht kein Mensch“, sagt Liefers in Richtung der Angepassten
„Hättest Du einfach die Klappe gehalten, dann wäre heute noch alles Gold, was glänzt“, sei in einer solchen Situation ja stets auch eine naheliegende Überlegung.
Doch dann, so Liefers weiter, hätte er ja eine wichtige Aufgabe von Kunst nicht erfüllt – als Künstler auch ein mahnendes und unbequemes gesellschaftliches Korrektiv zu sein, und nicht nur der Unterhaltung und der eigenen Karriere zu dienen. „Solche Künstler braucht kein Mensch“, wird der 61-Jährige deutlich, der sein Selbstverständnis als kritischer Geist im „Hotel Matze“ den Hörern an anderer Stelle auch noch folgendermaßen erklärt: „Dafür sind Künstler da. Wir sind ja nicht dafür da, den Mainstream zu massieren!“
Podcaster Mathias „Matze“ Hielscher erinnert daran, dass es damals ja durchaus Diskussionen gegeben habe, ob er, Liefers, weiter die Rolle des populären Gerichtsmediziners Prof. Boerne im Münster-„Tatort“ spielen „dürfe“. „Ja, das ist Cancel Culture“, pflichtet ihm Liefers bei. Auch von Medienseite sei schließlich ein gewisser Druck ausgeübt worden, führt er weiter aus. Ganze Teams von „Spiegel“ und „Tagesspiegel“ etwa hätten damals recherchiert, ob es womöglich Verbindungen des Künstlerteams in rechte Kreise gebe. Eine Beschreibung, die Liefers dann nicht weiter kommentiert.
„Ich habe nicht verstanden, dass die Pandemie in einem solchen Tempo politisiert wurde, auch von den Medien“, führt er stattdessen aus. Wert legt der Schauspieler im Gespräch aber auch auf die Feststellung, dass er kein Maßnahmen- oder Impfgegner gewesen sei. Er selbst habe sich gegen das Coronavirus impfen lassen, auch, um damals weiterarbeiten zu können. Eine Gegnerschaft zu denen, die sich damals gegen eine Immunisierung entschieden, habe er sich aber nie einreden lassen. Diese Menschen „auszusondern“ oder auf sie „herabzuschauen“, sei keine Option gewesen, „das fand ich ekelhaft“, sagt Liefers.
Im Nachhinein, so schließt Liefers seine Ausführungen, würde er wieder so wie im Jahr 2021 handeln und sich entsprechend öffentlich positionieren. „Ich würde es (…) auch nicht als Fehler bezeichnen, weil es mir so viele neue Bekanntschaften eingebracht hat – und zwar nicht mit rechtsradikalen Neonazis, sondern mit Wissenschaftlern, mit Leuten also, die das alles viel besser wissen als ich“, sagt er.
krott