In gut einem Monat sollen die ersten Musterfälle vor dem Landgericht Essen verhandelt werden – außergerichtlich zeigt sich die Sparkasse Gelsenkirchen bemüht um Schlichtung. So teilte sie nicht nur regelmäßig den Stand der Ermittlungen nach dem spektakulären Einbruch in ihre Tresorräume mit; an diesem Dienstag verkündete sie auch, erste Termine mit Betroffenen vereinbart zu haben, um Dokumente und persönliche Gegenstände zurückzugeben, die bei der Tat hinterlassen wurden.
Vergangene Woche seien die zurückgebliebenen Gegenstände und Dokumente durch die Staatsanwaltschaft freigegeben worden, hieß es von der Bank. „Damit ist der Weg frei für die Zuordnung und Rückgabe dieser Gegenstände“, so der Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gelsenkirchen, Michael Klotz. „Das Konzept hierfür ist in der Abstimmung. Uns ist bewusst, dass sich die Betroffenen schnell Klarheit wünschen“, so Klotz. „Trotzdem stehen Sorgfalt und Sicherheit an erster Stelle. Und das braucht Zeit. 50.000 Gegenstände sicher zuzuordnen, gleicht einem gigantischen Puzzle.“ Alle Betroffenen würden über den weiteren Verlauf durch die Sparkasse Gelsenkirchen in diesen Tagen informiert. Begonnen werde mit den namentlich eindeutig zuzuordnenden Dokumenten wie Fahrzeugbriefe, Kaufverträge etc. „Unser Ziel ist es, für Freitag die ersten Termine zur Übergabe von Dokumenten zu vereinbaren“, stellt Klotz in Aussicht.
Demonstration von frustrierten Kunden
Der zeitnahe Termin ist wohl kein Zufall: Für Donnerstagnachmittag (7. Mai) ab 16 Uhr haben Betroffene eine Demonstration in Gelsenkirchen Buer am Kirchplatz angemeldet. Der Frust der Sparkassenkunden ist nach wie vor groß; viele kritisieren zögerliche Informationspolitik und vermuten Sicherheitsmängel, die den Einbruch über die Tiefgarage mit schwerem Bohrgerät erst möglich gemacht haben könnten. Die Sparkasse weißt die Vorwürfe zurück und betont bisher, das alle Konzepte auf neuestem Stand gewesen sein. Dies wird der maßgebliche Punkt ab dem 10. Juni vor Gericht sein – Opfer des Einbruchs, die teils Summen in sechsstelliger Höhe verloren haben, müssen mögliche Sicherheitsmängel nachweisen können.
Inzwischen wird die Forderung der Betroffenen nach einem Rücktritt des Gelsenkirchener Sparkassenchefs Klotz laut. Dieser geht in der Mitteilung auch darauf ein: „Wir verstehen die Sorgen und den Unmut unserer Kundinnen und Kunden sehr gut. Aus vielen Gesprächen wissen wir: Der Einbruch in unsere Filiale ist ein einschneidendes Ereignis, das viele Menschen stark belastet. Das bedauern wir zutiefst“. Man nehme die Kritik und die Demonstration sehr ernst. „Gleichzeitig ist es uns wichtig, im direkten Austausch zu bleiben und individuelle Anliegen aufzunehmen“, betonte Klotz. „Als Sparkasse sind wir für unsere Kundinnen und Kunden da. Den Betroffenen steht für persönliche Gespräche weiterhin die eigens eingerichtete Servicestelle am Bahnhofsvorplatz montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr offen, ebenso wie die Hotline 0209 – 161 1110 (bis -1119).