(ubg) Der kürzlich gegründete Verein „Tonkunst Neuss“ holte das „Köln Concert“ in das Neusser Zeughaus. Doch bevor es an den legendären Auftritt von Keith Jarrett ging, begab sich die Pianistin Mariko Sudo auf eine Expedition zu den Wurzeln des Musikers. Dafür zog sie einen gewollt großen Bogen von Claude Debussy, über Johann Sebastian Bach bis hin zu Wolfgang Amadeus Mozart. Allein für die linke Hand angelegt war ein entrücktes Nocturne von Alexander Skrjabin. Die Pianistin ist in Neuss keine Unbekannte: Nicht nur, weil sie in der Quirinusstadt zur Schule ging, sondern auch, weil sie dort bereits mehrfach mit dem Kammerorchester auf der Bühne stand.
„Roots“ war dieser Teil des Konzerts überschrieben – es folgte das legendäre „The Köln Concert“, das seine ganz eigene Geschichte hat. Im Januar 1975 wurde das Improvisationssolokonzert des Pianisten Keith Jarrett in der Kölner Oper aufgenommen – und entpuppte sich nicht nur als bekannteste Veröffentlichung von Jarrett, sondern auch als meistverkaufte Jazz- und Klaviersolo-Platte. Auf Einladung von „Tonkunst Neuss“ spielte nun die junge, aus Porto angereiste Pianistin Rafaela Oliveira die von Jarrett autorisierte Niederschrift seiner legendären Aufnahme und brachte das Publikum so in den Genuss, die Platte einmal unter Live-Bedingungen zu erleben. Joachim Neugart, dem künstlerischen Leiter des Vereins, hat besonders gefallen, dass sie in ihrem Spiel weit über eine Reproduktion in Gestalt einer Coverversion hinausging. So manch verborgene Mittelstimme habe sie neu ausgeformt und feinfühlig den Klängen nachgespürt, ohne sie übermäßig zu dehnen. Mit zwei Zugaben, die aus der Feder portugiesischer Jazz-Autoren stammten, beendete sie den Konzertabend.