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Bis 2040 gehen 666.000 Fachkräfte allein in Schleswig-Holstein in Rente. Für junge Arbeitnehmer bedeutet das: mehr Chancen und mehr Last. Die Wahrheit über den größten Arbeitsmarkt-Umbruch seit Jahrzehnten.

Schleswig-Holstein – Während die 24-jährige Merle-Sophie Budack ihren ersten Job bei den Stadtwerken Kiel antritt, verlassen Hunderttausende Babyboomer den Arbeitsmarkt. Bis 2040 erreichen allein in Schleswig-Holstein 666.000 Menschen das Rentenalter.

Postkasten mit Schriftzug RentenserviceDie Wahrheit über den größten Arbeitsmarkt-Umbruch seit Jahrzehnten. © IMAGO/Sascha Steinach

Deutschlandweit schrumpft das Arbeitskräftepotenzial ohne Zuwanderung um mehrere Millionen, so eine Bertelsmann-Studie. Die Folge: Verteilungskonflikte zwischen Generationen, Wissensverlust in Unternehmen und ein Wettlauf um qualifizierte Nachwuchskräfte.

Wissenstransfer unter Zeitdruck

Bei den Stadtwerken Kiel geht ein Drittel der Belegschaft in den nächsten zehn Jahren in Rente. Personalerin Birte Eichhorn setzt auf zwei Strategien: digitale Wissensdatenbanken und direkte Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung. Heinz Bergemann, 64, arbeitet seit 50 Jahren im Unternehmen und gibt sein Know-how an seinen Nachfolger Thorben Arp weiter.

Gen Z, Millennials, Babyboomer: Diese Eigenschaften werden den Generationen zugeschriebenEine ältere Frau sitzt mit einem Lächeln auf einem Sofa und trägt weiße Kopfhörer, während sie die Musik genießt. Neben ihr sitzt ein junges Mädchen, das ihr ein Gerät hält und ihr offenbar Musik zeigt oder empfiehlt.Fotostrecke ansehen

Die Einarbeitung wird gestreckt, damit nichts verloren geht. Doch nicht alle Betriebe haben diese Zeit. Das Institut der deutschen Wirtschaft meldet bereits heute Hunderttausende unbesetzte Stellen in Technik, Handwerk und IT.

KI frisst Einstiegsjobs

Während Unternehmen händeringend Nachwuchs suchen, ersetzt Künstliche Intelligenz ausgerechnet die Aufgaben, die typischerweise Berufseinsteiger übernehmen. Ökonom Sebastian Till Braun vom Institut für Weltwirtschaft warnt: Wenn Firmen am Anfang nicht einstellen, fehlt später die gesamte Entwicklungskette im Betrieb.

Weiterbildung wird deshalb zum entscheidenden Faktor. Markus Biercher von der Bundesagentur für Arbeit betont gegenüber dem NDR, dass gut qualifizierte und flexible Arbeitnehmer von der Entwicklung profitieren können. Automatisch steigende Einkommen gibt es aber nicht: „Viele Betriebe suchen händeringend Nachwuchs – das gilt besonders für die Ausbildung. Wer heute eine Ausbildung beginnt, hat sehr gute Perspektiven auf Übernahme, sichere Beschäftigung und Entwicklungsmöglichkeiten.“

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit Partner Business Punk

Zuwanderung als Notlösung

Ohne internationale Fachkräfte würde die Zahl der Beschäftigten noch schneller sinken. Die Bundesagentur für Arbeit setzt auf Pilotprojekte in Schleswig-Holstein, um Deutschland attraktiver für ausländische Talente zu machen.

Parallel diskutieren Forschungsinstitute flexible Rentenmodelle: Teilrente, reduzierte Arbeitszeiten, längere Beschäftigung. Das könnte helfen, Wissen im Unternehmen zu halten. Doch die Rechnung bleibt: Eine kleinere Generation muss künftig mehr tragen – wirtschaftlich wie gesellschaftlich.

Business Punk Check

Die Babyboomer-Rente ist kein sanfter Übergang, sondern ein wirtschaftspolitischer Schock. Bis 2040 verliert Deutschland Millionen Arbeitskräfte – und mit ihnen Jahrzehnte an Erfahrung. Während Politik und Verbände von „Chancen für die Jugend“ schwärmen, zeigt die Realität: Gen Z erbt nicht nur Jobs, sondern auch die Rechnung. Höhere Rentenbeiträge, mehr Verantwortung, weniger Mentoren.

Gleichzeitig frisst KI ausgerechnet die Einstiegsjobs weg, die früher Karrieren ermöglichten. Die unbequeme Wahrheit: Weder Zuwanderung noch flexible Rentenmodelle werden das Problem vollständig lösen.

Unternehmen müssen jetzt in Wissenstransfer investieren – oder riskieren, dass kritisches Know-how unwiederbringlich verloren geht. Für junge Arbeitnehmer bedeutet das: schneller spezialisieren, kontinuierlich weiterbilden, strategisch positionieren. Wer darauf wartet, dass der Markt es schon richten wird, hat bereits verloren. Die Babyboomer-Rente ist keine Krise, sondern eine Umverteilung von Macht und Last. Die Frage ist nur: Wer ist darauf vorbereitet?