Russlands LNG-Exporte nach Europa ziehen trotz des geplanten Ausstiegs ab 2027 weiter an. Ausgerechnet ein Projekt, das durch westliche Sanktionen unter Druck steht, spielt dabei eine Rolle: das Arktis-Projekt Arctic LNG 2 des privaten Exporteurs Novatek.

Nach vorläufigen Daten des Londoner Börsen- und Datenkonzerns LSEG sind die Exporte von russischem Flüssigerdgas von Januar bis April um 8,6 Prozent auf 11,4 Millionen Tonnen gestiegen. Darüber berichtet Reuters am Dienstag. Auch die Lieferungen nach Europa legten deutlich zu – um 20,8 Prozent auf 6,4 Millionen Tonnen.

Verpufft das EU‑Verbot? Russland baut Schattenflotte für Arctic LNG 2 aus

Verpufft das EU‑Verbot? Russland baut Schattenflotte für Arctic LNG 2 aus

Trotz Sanktionen ab 2027: Europa kauft mehr LNG aus Russland

Während neue Mengen aus dem Arctic LNG 2 auf den Markt kommen, geraten bestehende Projekte teilweise unter Druck. So gingen die Exporte aus dem Projekt Yamal LNG, das ebenfalls mehrheitlich Novatek gehört, im selben Zeitraum leicht zurück. Ein erheblicher Teil der europäischen LNG-Importe aus Russland läuft weiterhin über dieses Projekt – auch die des Berliner Importeurs Sefe (ehemals Gazprom Germania). Gleichzeitig weitete das von Gazprom kontrollierte Projekt Sakhalin-2 seine Lieferungen moderat aus.

Auffällig ist auch die Entwicklung im April: Die gesamten russischen LNG-Exporte legten in diesem Monat allein um 13,2 Prozent auf 2,92 Millionen Tonnen zu. Gleichzeitig zeigt sich die begrenzte Wirkung der Sanktionen besonders deutlich am Beispiel von Arctic LNG 2.

Arctic LNG 2 liefert trotz US-Sanktionen

Zwar erschweren die längst bestehenden US-Maßnahmen den Betrieb erheblich, vor allem weil Käufer schwer zu finden sind. Dennoch gelang es Russland zuletzt, zusätzliche Mengen in den Markt zu bringen, überwiegend in Asien.

Die Zahlen fallen in eine Phase, in der die EU politisch den Ausstieg aus russischem Gas beschlossen hat. Im Januar gaben die Mitgliedstaaten grünes Licht für ein Importverbot bis spätestens 2027. Dennoch greifen einige EU-Länder seit Beginn des Iran-Krieges weiterhin verstärkt auf russisches LNG zurück. Ein Beispiel ist Spanien. Dort stiegen die Importe im März um 124 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie die Berliner Zeitung berichtete. Terminals wie Bilbao und Sagunto nahmen wieder größere Mengen auf.

Send feedback

Lesen Sie mehr zum Thema