Wie die Entwicklung für Mitteldeutschland aussah, lässt sich jetzt leicht an einem Online-Tool nachvollziehen, das Wissenschaftler aus Utrecht ins Netz gestellt haben. Das Team um den Geologen Douwe J. J. van Hinsbergen hat sich dazu nicht nur die Modelle zu den Erdbewegungen angesehen, sondern auch Daten, die sich aus Gesteinsfunden errechnen lassen. Da diese sich mit ihren Mineralien bei ihrer Entstehung nach dem Magnetfeld der Erde ausrichten und da diese Ausrichtung bei einer Veränderung desselben erhalten bleibt, geben sie Aufschluss über die früheren magnetischen Verhältnisse und damit auch die Position der Gesteine.
Das Ergebnis dieser Analysen ist jetzt ganz praktisch über das Online-Tool Paleolatitude abrufbar. Einfach Ort oder, noch besser, Koordinaten eintragen und das System zeigt die Veränderungen der Lage, die der jeweilige Ort in den letzten 300 Millionen Jahren erlebt hat. Eine Erdkarte veranschaulicht zudem die Plattentektonik der Erde. Und das Ergebnis für Mitteldeutschland? Vor 300 Millionen Jahren lagen wir ziemlich genau am Äquator, haben uns in den 100 Millionen Jahren danach auf den 45. Breitengrad nordwärts bewegt und sind zweimal wieder etwas nach Süden gerückt, bevor wir dann – vor etwa 20 Millionen Jahren – den heutigen Platz um den 50. Breitengrad eingenommen haben.
Wenn also die versteinerten Zeugnisse von Krokodilen, große Schlangen, Seeigeln und Muscheln in Mitteldeutschland gefunden werden, ist das weniger ein Zeichen dafür, dass sich diese Spezies in unserem Klima wohlgefühlt hätten, als vielmehr ein Beleg für die große „Wanderung“, die unsere kleine Scholle Europa in vielen Millionen Jahren zurückgelegt hat.