Ein Kunde bedient sich am Parkscheinautomaten auf der Eberhardstraße. Ab dem 1. Oktober steigen die Gebühren in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Das Parken in Stuttgart wird laut Beschluss des Gemeinderats teurer – mit einer Ausnahme. Zudem soll OB Frank Nopper einen Plan für eine Anhebung des Anwohnerparkens erstellen.
Höhere Parkgebühren sind seit jeher ein Reizthema in der Landeshauptstadt. Das zeigten bereits die Debatten im Vorfeld des nun gefassten Beschlusses. Und auch im zuständigen Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik im Gemeinderat gingen die Meinungen deutlich auseinander. Mit knapper Mehrheit wurde dennoch eine Entscheidung gefällt, schließlich sollen die ersten Änderungen bereits ab Juli greifen. Unter dem Strich wird Parken in Stuttgart teurer – mit einer Ausnahme.
Kernpunkt der Diskussionen in den vergangenen Wochen war die geplante Preiserhöhung in den Außenbezirken, genauer gesagt die damit einhergehende Verkürzung der Gratisparkdauer. Die sogenannte Brötchentaste sollte von bislang 30 auf 15 Minuten reduziert werden. „Auf verschiedene Vorstöße aus dem Gemeinderat hin, hat die Verwaltung nun reagiert“, betonte OB Frank Nopper. Die Brötchentaste bleibt daher nun unberührt. Dennoch werden die Gebühren an den Parkscheinautomaten deutlich erhöht.
Nachttarif in Parkhäusern erst ab 21 Uhr
In der City beträgt die Mindestparkzeit wie bisher mindestens zehn Minuten. Die Grundgebühr erhöht sich ab 1. Oktober 2026 von 1,30 auf 1,40 Euro. Bei einer Parkzeit von 60 Minuten muss man 6,40 statt bisher 5,50 Euro bezahlen, das entspricht einer Erhöhung von rund 16 Prozent. In den „übrigen Bewirtschaftungsgebieten“, spricht den Randbezirken, beträgt die Mindestparkdauer 20 Minuten – ohne Brötchentaste. Die Grundgebühr liegt künftig bei 0,50 Euro. Um den gleichen Preis erhöhen sich die Kosten alle 20 Minuten, eine Steigerung von rund 25 Prozent. Das entspreche exakt der Preisentwicklung bei den Einzelfahrscheinen im öffentlichen Nahverkehr seit der letzten Anpassung, „dennoch ist es relativ hoch“, betonte Martin Körner, der Grundsatzreferent Klimaschutz, Mobilität und Wohnen. Umso passender sei es, die Brötchentaste in der jetzigen Form zu erhalten.
Auch die Parkgebühren in den drei innerstädtischen Parkhäusern steigen – und zwar bereits zum ersten 1. Juli. Der Tarif steigt in den Tiefgaragen Steinstraße, Rotebühlplatz und Rathausgarage für jede angefangene Stunde von 3,20 auf 3,80 Euro, der Tageshöchstsatz von 24 auf 28 Euro und der Abendtarif von 6,60 auf 7,50 Euro. Bei letzterem folgte der Gemeinderat hingegen nicht dem Vorschlag der Verwaltung. Dieser sah den Beginn des Abendtarifs bereits um 18 Uhr vor, die Stadträte beschlossen hingegen diesen auf 21 Uhr zu verschieben.
Ein Großthema war bereits in den Etatberatungen die Parkgebühr für Anwohner. Die gefasste Neuregelung sieht die Erhöhung der Parkgebühr ab 1. Januar 2027 von bislang jährlich 30,70 Euro auf 55 Euro vor. Bis 2030 soll sie stufenweise auf 90 Euro steigen. Das sei „eine starke Erhöhung, auch im Vergleich zu anderen Städten in der Region und in Baden-Württemberg“, betonte OB Nopper. Für SPD und Volt allerdings nicht hoch genug – auch mit Blick auf den Klimamobilitätsplan.
Parkplätze auf der Waldau nicht mehr kostenlos?
Bereits im Vorfeld hatte die Fraktionsgemeinschaft angesichts der klammen Stadtkassen für 60 Euro plädiert, die schrittweise bis zum 1. Januar 2033 auf 180 Euro ansteigen sollten, „dem heutigen Durchschnitt der Anwohnerparkgebühren von größeren Städten in Baden-Württemberg“, betonte Lucia Schanbacher (SPD). So könnte das „Flatrate-Parken“ für lediglich 55 Cent am Tag in Stuttgart beendet werden, ergänzte Christoph Ozasek (Volt). Insbesondere, da der Stadt laut Hannes Rockenbauch (SÖS) durch die Verlängerung der Brötchentaste eine Million Euro pro Jahr an Einnahmen fehlten.
Dem folgte der Gemeinderat jedoch nicht. Vielmehr fand der Antrag der Grünen eine Mehrheit, eine mögliche Erhöhung im Rahmen der Beratungen für den kommenden Doppelhaushalt 2028/2029 zu beraten. Dafür soll die Verwaltung um OB Nopper bis zum Frühjahr 2027 ein schlüssiges Konzept erstellen, indem neben den bereits beschlossenen acht weiteren Bereichen für die Erweiterung des Parkraummanagements auch andere Bereiche betrachtet werden. Neben den Stuttgarter Halbhöhenlagen hat Grünen-Sprecher Björn Peterhoff auch weitere öffentliche Stellplätze für eine Bewirtschaftung im Auge. So schmeiße man angesichts von 1000 freien Parkplätze auf der Waldau am Gazi-Stadion nach wie vor Geld zum Fenster raus. Denn „dort nimmt die Stadt nichts ein“.