
Hunderte Menschen demonstrieren am Dienstagnachmittag in Berlin für mehr Inklusion für Menschen mit Behinderungen. Ein breites Bündnis aus Wohlfahrts-, Sozial- und Behindertenverbänden hatte anlässlich des europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen zu dem Protest aufgerufen.
Auf Plakaten standen Sprüche wie „Teilhabe für alle sichern“, „Integration und Teilhabe stärken“, „Inklusion statt Duldung“ oder „Rechte statt Mitleid“. Die Demonstranten zogen vom Brandenburger Tor über die Straße Unter den Linden zum Roten Rathaus.
Die Polizei sprach von rund 1.000 Teilnehmern. Wie eine rbb-Reporterin vor Ort berichtete, kamen zahlreiche Rollstuhlfahrer zu spät zum Start der Demonstration, weil sie am U- und S-Bahnhof Brandenburger Tor lange auf den Fahrstuhl warten mussten. Sie schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 1.500 bis 1.900. Die Veranstalter sprachen von 6.000 Demonstranten.
Bundestag berät Donnerstag über Gleichstellungsgesetz
Bei der Abschlusskundgebung wurde eine Petition an Abgeordnete des Bundestags übergeben, in der unter anderem eine gesetzliche Pflicht zur Barrierefreiheit gefordert wird. Am Donnerstag befasst sich der Bundestag in erster Lesung mit der Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes.
Der Entwurf wird von Aktivisten und Verbänden kritisiert. Aus ihrer Sicht mache er Barrierefreiheit weiter abhängig vom Willen einzelner Unternehmen und Behörden.
Der Inklusionsaktivist Raúl Krauthausen sagte, das Gesetz sei „blanker Hohn“ und ein „Barriereerhaltungsgesetz“. Es befreie die Privatwirtschaft von Barrierefreiheit und „vertagt echte Teilhabe auf das Jahr 2045“. Dem Entwurf zufolge müssen Barrieren bis 2045 abgebaut werden. Auch Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) bezeichnete den Gesetzesentwurf als „Farce“. Er bleibe „hinter allen Erwartungen“ zurück.
Sendung: rbb 88.8, 05.05.2026, 17:20 Uhr
Audio: rbb 88.8, 05.05.2026, Miriam Keuter