An drei Orten, in drei Galerien in der Altstadt von Landsberg, sind aktuell Bilder der im Jahr 2010 verstorbenen Malerin Eva von Rossen ausgestellt. Noch bis einschließlich Samstag, 30. Mai, können die Werke im Klostereck (Hubert-von-Herkomer-Straße), im Kunsthaus Grimme (Vorderer Anger) und im Altstadtatelier (Ledergasse) besichtigt werden.
Die Organisation einer Schau wie dieser zähle eigentlich nicht zu den Hauptaufgaben des Historischen Vereins, erklärte Vereinsvorsitzender Dr. Werner Fess-Buchecker bei der Vernissage im Klostereck. „Es ist eine Besonderheit, Hintergrund ist ein Bildankauf.“ Der Tipp, das Gemälde „Im Klosterhof“ zu kaufen und als Schenkung an das Stadtmuseum zu übergeben, sei vom früheren Oberbürgermeister Franz-Xaver Rößle gekommen, berichtete Sibylle Schnapp, Kassenwartin des Vereins. Das Bild verbinde in eigentümlicher Weise Vergangenheit und Gegenwart. Zum einen seien das die in historischen Gewändern gekleideten Nonnen. Hauptgrund jedoch sei, dass das Gemälde erst entstand, als das Kloster bereits aufgelöst war. Es gehe jetzt an die Volkshochschule, die seit vielen Jahren ihre Kurse in den Räumen des ehemaligen Ursulinenklosters anbietet. „Im Klosterhof“ war das einzige Landsberg-Motiv, das sich noch im Besitz der Familie von Rossen befand.
Laudatorin Minka Ruile: „Sie war eine Künstlerin aus Leidenschaft“
70 Jahre Lebenswerk in drei gleichzeitig stattfindenden Ausstellungen – eine solche Würdigung im großen Rahmen verdiene Eva von Rossen, betonte Minka Ruile in ihrer Laudatio. Sie sei vielseitig, aber nicht schillernd – abgeklärt, jedoch nicht abgewandt gewesen. „Sie war klar strukturiert, eine ungeahnte Zeichnerin, besaß eine genaue Beobachtungsgabe.“ Ihre vielen Karikaturen, mit denen sie Ereignisse und Menschen auf künstlerische Art ironisch kommentierte, seien treffend, jedoch nie verletzend gewesen, so Ruile. Im Jahr 1946, mit gerade mal 25 Jahre alt, wurde sie Mitglied in der Künstergilde Landsberg Lech Ammersee. Ihre Bilder kamen an, sie habe viele Auftragsarbeiten erhalten: „Sie war eine Künstlerin aus Leidenschaft“, sagte die Laudatorin.

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Das Bild „Im Klosterhof“ soll in der Volkshochschule eine neue Heimat finden. Das Foto zeigt (von links) Franz-Xaver Rößle, Dr. Werner Fees-Buchecker, Sibylle Schnapp, Ursula Schaller und Museumsleiterin Sonia Schätz.
Foto: Thorsten Jordan
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Das Bild „Im Klosterhof“ soll in der Volkshochschule eine neue Heimat finden. Das Foto zeigt (von links) Franz-Xaver Rößle, Dr. Werner Fees-Buchecker, Sibylle Schnapp, Ursula Schaller und Museumsleiterin Sonia Schätz.
Foto: Thorsten Jordan
Eva von Rossen kam 1921 in Hildesheim zur Welt. 1934 zog die Familie an den Ammersee, lebte zunächst in Riederau, später im Dießener Ortsteil St. Georgen. 1939, bei Kriegsausbruch, wird Eva von Rossen eingezogen und arbeitet als Funkerin im Fliegerhorst in Penzing. Ab 1957 und bis zu ihrem Tod im Jahr 2010 lebt Eva von Rossen mit ihrer Familie in Landsberg. Sie malt Kulissen für das Stadttheater und Postkarten. Einige Jahre lang arbeitet sie als Zeichenlehrerin an der Landsberger Mädchenrealschule.
Die im Klostereck ausgestellten Bilder waren Auftragsarbeiten
Die im Klostereck ausgestellten Bilder mit Landsberg-Motiven waren Auftragsarbeiten. Elfriede Neumeyer vom Landsberger Verlagshaus war bei den jährlichen Ausstellungen der Künstlergilde auf Eva von Rossen aufmerksam geworden und hatte diese damit beauftragt. Charakteristisch für all diese Bilder ist die zeitlose Anmutung. Die Malerin bildet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem ab, was den Werken einen eigentümlichen Charme verleiht. Fortbewegungsmittel sind keine zu sehen. Die Stadtansichten mit den vielfach bis heute im Original erhaltenen Gebäuden könnten genauso gut aus dem Mittelalter stammen, wie sie in der Jetztzeit verortet werden können.

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Auch das Sandauer Tor malte Eva von Rossen.
Foto: Thorsten Jordan
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Auch das Sandauer Tor malte Eva von Rossen.
Foto: Thorsten Jordan
In höheren Jahren schuf Eva von Rossen Kunst in eher kleineren Formaten. Sehenswert sind die Buchillustrationen, mit denen sie beauftragt wurde. So ist unter anderem die Titelseite des Martin Wölzmüller Buches „Der Lechroaner und seine Sprache“ von ihr. In Herbert Regeles Gedichtband „Erntedank“ und Rolf-Jürgen Langs „Der Weihnachtskartoffelsalat“ finden sich viele Zeichnungen der Landsberger Malerin. Posthum wurde ein Monatskalender mit Malerei von ihr herausgegeben. Immer wieder fertigte Eva von Rossen Tuschezeichnungen an, mit denen sie seltsame Eigenschaften der Menschen spöttisch-lustig kommentiert.
Die Werke von Eva von Rossen sind an drei Standorten in Landsberg ausgestellt. Öffnungszeiten bis einschließlich Samstag, 30. Mai, im Klostereck in der Hubert-von Herkomer-Straße jeweils Freitag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr, im Kunsthaus Grimme im Vorderen Anger jeweils Donnerstag und Freitag von 10 bis 12.30 und 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr, im Altstadtatelier in der Ledergasse jeweils Freitag und Samstag von 14 bis 17 Uhr. Die Finissage ist am Samstag, 30. Mai, um 18 Uhr im Kunsthaus Grimme.