An den 11. Januar erinnert sich Manuel Baum noch gut. Schließlich bedeutete das 0:4 bei Borussia Mönchengladbach seine erste Niederlage als Nachfolger von Sandro Wagner. Und die hatte es in sich. In den drei Spielen vor der kurzen Weihnachtspause hatte Baum die Mannschaft stabilisiert. Nur ein Gegentor gab es beim 2:0-Sieg gegen Leverkusen, bei der unglücklichen 0:1-Niederlage gegen Frankfurt und beim 0:0 gegen Bremen. Beim 0:4 in Gladbach schienen diese guten Ansätze alle verflogen. „Es ist nicht vergleichbar“, blickte Manuel Baum am Dienstagnachmittag auf diesen nasskalten Sonntag zurück. „In dieser Woche davor ist so viel passiert. Chrislain (Matsima) ist ausgefallen mit seiner Verletzung, Dimi (Giannoulis) war gelbgesperrt, Elvis (Rexhbecaj) hätte von Anfang an spielen sollen. Über Nacht hat er dann erfahren, dass seine Frau zwei Wochen früher als gedacht in den Wehen liegt, und und und. Da sind so viele Sachen passiert, die im Nachgang schon einen kleinen Impact auf das Spiel hatten“, erzählt Baum. Und trotzdem sei es eines der Spiele gewesen, „mit dem wir am wenigstens zufrieden waren. Da haben wir schon den Auftrag, das wiedergutzumachen.“
FCA-Kapitän Keven Schlotterbeck sprach nach dem 0:4 gegen Gladbach Klartext
Denn trotz aller unglücklicher Startbedingungen war es dann doch eine saubere Abreibung. Die nötigte Ersatz-Kapitän Keven Schlotterbeck zu deutlichen Worten. Denn der FCA saß als Tabellen-15. tief im Tabellenkeller fest. „Spätestens nach heute sollte jeder begriffen haben, worum es geht. Wer das nicht begreift, soll seine Sachen packen und zu Hause bleiben“, polterte der 28-Jährige nach dem Spiel in der Mixed-Zone im Borussia-Park. 0:3 hieß es nach 36 Minuten, zweimal hatte Giannoulis-Ersatz Mads Pedersen gepatzt. Borussen-Stürmer Haris Tabakovic mutierte mit zwei Treffern zum Augsburger Schreckgespenst.
FCA und der Europapokal? FCA-Trainer Manuel Baum: „Ich verbiete keinem, zu träumen“
Vier Monate später scheinen diese turbulenten Tage Lichtjahre entfernt. Der FCA hat seit dem 11. Januar gerade einmal vier Spiele verloren und sich mit dem 3:1-Sieg in Bremen zwei Spieltage vor Saisonschluss mit 40 Punkten als Tabellen-Neunter an Frankfurt (43 Zähler) und den Siebten SC Freiburg (44 Punkte) herangepirscht. Der Sprung ins internationale Geschäft ist sogar noch möglich. Das weiß auch Manuel Baum. Doch er will das nicht groß thematisieren, weil einfach noch zu viele Unbekannte im Spiel sind. „Für mich ist es realistisch, dass wir den neunten Platz halten. Aber ich verbiete keinem, zu träumen.“
Manuel Baum vom 1:0 Gladbachs gegen Borussia Dortmund beeindruckt
Allerdings erwartet Baum eine schwere Aufgabe. Zwar zeigte die Formkurve der Borussia nach dem Sieg gegen den FCA viel mehr Ausschläge nach unten als nach oben, doch ausgerechnet am vergangenen Wochenende drehte sie wieder nach oben. Mit einem 1:0-Heimsieg gegen Borussia Dortmund wurde der Klassenerhalt perfekt gemacht. Für das späte Tor sorgte Top-Stürmer Haris Tabakovic. Der Stürmer aus Bosnien hat jetzt bereits zwölf Tore erzielt. Zwei davon in der Vorrunde gegen den FCA. Vor ihm hat Baum genauso Respekt wie vor Franck Honorat. Der sei auf der rechten Außenbahn „eine Wucht“ gewesen. Baum weiter: „Es war beeindruckend, wie sie das Spiel gegen Dortmund bestritten haben, sie haben sich den Sieg nicht erschlichen. Er war absolut verdient über 90 Minuten.“ Respekt hat der FCA, aber auch genügend Selbstvertrauen in die eigene Stärke. Alle Spieler sind fit, auch wenn am Dienstag aufgrund der Trainingssteuerung nicht alle alles mitmachten.
Letzter Heimsieg datiert vom 27. Februar: 2:0 gegen den 1. FC Köln
Baum freut sich auf das letzte Heimspiel der Saison. „Es wäre ein Megaabschluss der Heimspiele, wenn wir gegen so einen Gegner noch einen Dreier ziehen würden. Der letzte Heimdreier liegt ja schon ein wenig zurück, da sind wir schon in der Bringschuld.“ Am 27. Februar hatte der FCA beim 2:0 gegen Köln zum letzten Mal zu Hause gewonnen. Dass es auch sein letztes Heimspiel als FCA-Trainer sein könnte, umschreibt er kryptisch. „Es ist das letzte Heimspiel in der Funktion, dann schauen wir mal weiter. Ich werde aber schon noch öfter in dem Stadion sein.“ Das ist richtig. Denn sein Aushilfs-Job als Bundesligatrainer beim FCA endet am Saisonende. Ob es dann für ihn beim FCA als Leiter „Innovation und Entwicklung“ weiter geht oder vielleicht doch als Trainer der Profis, will die FCA-Führung zusammen mit ihm erst nach der Saison entscheiden.
Damit kann Baum gut leben. Er konzentriert sich auf das Hier und Jetzt. Und da hat er sich für Samstag viel vorgenommen. Sie wollen sich mit einem Sieg von den treuen Fans verabschieden. „Es wäre das beste Bild für mich, wenn wir nach dem Spiel nach einem Sieg zusammen vor die Fans gehen und einfach den Sieg feiern.“
Fanmarsch der FCA-Fans zur WWK-Arena
Denn viele von ihnen verpassten den 3:1-Sieg in Bremen aufgrund einer Zugpanne bei der Anreise. Das kann diesmal nicht passieren. Die Ultras werden mit einem Fanmarsch von der Innenstadt zur WWK-Arena kommen.