Der nächste Redner, AfD-Landtagsfraktionschef Martin Rothweiler, beklagte immer mehr Sozialismus, Staatswirtschaft, Gängelung und Umverteilung – wo auch immer er das sehen mochte. Alles aus der „strunzdummen links-grünen Blase“ belaste Arbeitsplätze, fand er, Deutschland wirke für ihn wie ein „fiskalpolitisches Straflager“. Rothweilers Lösung gegen hohe Verbraucherpreise und Wirtschaftsflaute: Bürokratieabbau und das Abschaffen von Energiesteuern. In der Manier gegen „Altparteien“ und DGB-Gewerkschaften ging es weiter bei allen Rednern – es kamen ausschließlich Männer zu Wort. Bundestagsabgeordneter Hans-Jürgen Goßner bewies einmal mehr, dass die Rechten nicht nur das Datum, sondern auch die Sprüche bei den Linken abkupfern müssen und rief ins Mikro: „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“ Ansonsten attackierte er den DGB und Helga Hedi Denu, trans Frau und Moderatorin des Göppinger freien Senders Radiofips, die ebenfalls zuhörte. Ach ja, und „die Antifa“ sollte wie in den USA natürlich auch verboten werden.
Als „wohlstandsverwahrloste Lümmel“ bezeichnete im Anschluss Zentrum-Chef und Hauptredner Oliver Hilburger die Gegendemonstrant:innen östlich und westlich des Marktplatzes, die zwar in kleiner Zahl, aber dafür lautstark protestierten. Inhaltlich Neues konnte auch er nicht beitragen. Er wetterte gegen einen höheren Spitzensteuersatz („die meinen nicht Millionäre, sondern euch“) und klagte wie seine Vorredner über hohe Steuern und Energiekosten sowie über Bürokratie und Migration.
Ein Wurst-Erfolg
Als Hilburger gegen 12.30 Uhr vom Mikro wegtrat, waren die Reihen auf dem Marktplatz bereits lichter geworden, die Plätze der Außengastronomie dafür umso voller. Die beiden Landtagsabgeordneten Sebastian van Ryt und Uwe Freiherr von Wangenheim kamen noch zu Wort, forderten Gas aus Russland sowie die Rückkehr zur Atomkraft (van Ryt) und „Schluss mit grünem Wahnsinn“, der Arbeitsplätze vernichte (von Wangenheim). Zum Schluss sangen die Redner die Deutschlandhymne so schief, dass der Technikmann die Melodie hochdrehte und die Singenden kaum zu hören waren.
War der Tag nun ein Erfolg für AfD und Zentrum? Die Teilnehmerzahl ihrer Veranstaltung lag weit unter der des DGB-Festes. Aber mitten im Herzen der Kleinstadt konnten sie sich über mehrere Stunden hinweg Raum nehmen und bei bestem Wetter an einem Feiertag Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und neben all dem schlechtgelaunten Wettern über „Altparteien“ und die von diesen vermeintlich verursachten Verheerungen konnte Sandro Scheer immerhin eine positive Nachricht vermelden: Alle 400 Gratis-Würste waren weggekommen – und damit deutlich mehr, als Teilnehmer da waren.