Eine Schautafel erinnert an der Flingerstraße 11 daran, dass das 1909 fertiggestellte Gebäude ehemals das „Volkshaus“ war, die Heimat der Düsseldorfer Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung. Noch am 1. Mai 1933 zogen die Arbeiter und Gewerkschafter gemeinsam mit den Nationalsozialisten durch die Straßen. Da ahnten sie noch nicht, was am Folgetag geschehen würde. Denn am 2. Mai 1933 stürmte die SA im Zuge der Machtergreifung der Nazis das Gebäude. Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus verbrannten die Nazis Akten, Fahnen und Bücher, die sie aus den verwüsteten Büro geholt hatten. Hans Böckler, deutscher Gewerkschafter, SPD-Politiker und Mitbegründer sowie erster Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde festgenommen. Die Nazis beschlagnahmten das Gebäude. Es überstand den Krieg und wird bis heute für Einzelhandel und Gastronomie genutzt.

Am Volkshaus erinnerte Sigrid Wolf kurz an 2. Mai 1933, anschließend ging es in das Beatrice-Strauss-Zentrum

(v.l.) Sigrid Wolf, Adis Selimi, Josef Hinkel und Dr. Reinhold Hahlhege
Zur Erinnerung an die Opfer des Sturms auf das Düsseldorfer Volkshaus am 2. Mai 1933 hatten der DGB und die Mahn- und Gedenkstätte am Dienstag (5.5.) zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen. Zuerst trafen sich Bürgermeister Josef Hinkel, Sigrid Wolf als Vorsitzende des DGB Düsseldorf, der Düsseldorfer SPD-Vorsitzende Adis Selimi und Jonges-Baas Dr. Reinhold Hahlhege sowie zahlreiche Interessierte am Volkshaus, um Kränze niederzulegen.

Vladimir Nadtochii (links) begleitete das Gedenken musikalisch
Die Gedenkveranstaltung fand anschließend im Beatrice-Strauss-Zentrum statt, wo rund 70 Gäste musikalisch von Vladimir Nadtochii empfangen wurden. Dr. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, begrüßte die Gäste und berichtete, dass es zwar zahlreiche Aufzeichnungen vom Sturm auf das Volkshaus gebe, aber kein einziges Foto. Lediglich von der Verbrennung der Fahnen und Unterlagen auf dem Marktplatz, dem Scheiterhaufen unter dem Standbild des Jan Wellem, gebe es ein Bild. Das gemeinsame Gedenken von Gewerkschaft und Mahn- und Gedenkstätte gibt es seit 2014 und Fleermann freute sich, dass diesmal so viele Gäste gekommen waren. Dies sei wichtig, da es kaum noch Zeitzeugen gebe und man sich die Frage stellen müsse, wie die Erinnerung in Zukunft aussehen wird. Dass die DGB-Jugend gemeinsam mit der Mahn- und Gedenkstätte die Geschichte des Sturms auf das Volkshaus aufgearbeitet hat und nun Vertreter*innen die Biographien von Gewerkschafter*innen vortragen, wertete er als sehr gutes Zeichen.

Dr. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte
Eigentlich halte die Mahn- und Gedenkstätte keine gemeinsamen Veranstaltungen mit politischen Parteien ab, betonte Fleermann. Aber das Gedenken an den 2. Mai 1933 sei eng auch mit der SPD verbunden, so dass er sich freue, Vertreter*innen der SPD, der AWO und auch der Düsseldorfer Jonges unter den Gästen zu wissen.

Sigrid Wolf freute sich, dass das Gedenken in diesem Jahr von zahlreichen Gästen begleitet wurde
Dem schloss sich Sigrid Wolf an. In ihrer Rede betonte sie, dass der Terror und die Einschüchterung 1933 seinen Höhepunkt erreichte und jeglicher Widerstand unterdrückt wurde. Auch in Düsseldorf hätten zu viele Menschen tatenlos zugesehen und so den Aufstieg der Nazis ermöglicht. Die Erinnerung daran sei wichtig. Die Gewerkschaften waren damals untereinander zerstritten und wie die Arbeiter-Parteien unterschätzten sie die politische Entwicklung. Dies müsse alle auch heute wachsam machen, denn die Zuwächse der AfD bei den Wahlen seien alarmierend, einfache Parolen würden wieder funktionieren. Das Gedenken mahne, dass der Rechtsstaat keine Selbstverständlichkeit sei.
Adis Selimi, Vorsitzender der SPD Düsseldorf, bedankte sich, dass er und seine Partei von der Mahn- und Gedenkstätte angesprochen wurden, sich am Gedenken zu beteiligen. Die ideelle Verbindung der SPD zu den Gewerkschaften bestehe weiter. Er betonte, dass die Demokratie nicht an der Wahlurne ende, sondern Mitbestimmung zwingend dazu gehöre. Diese Überzeugung sei dem NS-Staat ein Dorn im Auge gewesen, dort war totale Unterwerfung gefordert. Die Errungenschaften der Gewerkschaften gerieten aktuell vermehrt in die Kritik, diese gelte es aber zu verteidigen.

Marion Warden sprach für die AWO, deren Schicksal eng mit dem der Gewerkschaften am 2. Mai 1933 verbunden war
Josef Hinkel als Bürgermeister der Stadt Düsseldorf und die Vorstandsvorsitzende der AWO Düsseldorf, Marion Warden, schlossen sich mit Grußworten an. Die Gewerkschaftsjugend trug Biographien von Gewerkschaftern vor, die von den Nazis verhaftet oder ermordet wurden.

Die DGB-Jugend trug die Biographien von Gewerkschafter*innen vor