Eigentlich sollte alles schon erledigt sein – die neunmonatigen Bauarbeiten zur Generalsanierung der Bahnstrecke Berlin-Hamburg sollten nach Planung der Deutschen Bahn am 30. April abgeschlossen sein, der Zugverkehr zwischen den beiden größten deutschen Städten wieder auf Hochtouren laufen. Konjunktiv, sollte. Denn dann kam plötzlich und unerwartet im Winter der Winter und brachte das planmäßige Kartenhaus der Bahn zum Einsturz.

Wie aktuell ist der Bahn-Plan noch?

Kleinlaut musste der Staatskonzern im Februar einräumen, dass es mit dem Fertigstellungstermin am 1. Mai nichts werde – weil es im Winter halt geschneit und gefroren hatte.

Nach dieser misslichen und für zehntausende Pendler ärgerlichen Offenbarung dauerte es nochmals Wochen, ehe die Bahn sagen konnte, wie lange sich denn nun die Verzögerung bei der Generalsanierung hinziehen würde.

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Mitte März hatte die Bahn einen neuen Plan: Demnach soll es eine zweistufige Inbetriebnahme der Strecke geben. Ab dem 15. Mai sollen die Züge zwischen Hamburg und Hagenow-Land sowie Schwerin wieder rollen – ab dem 14. Juni soll dann auch der Abschnitt von Hagenow-Land bis Berlin in den Regelbetrieb gehen.

Jetzt, knapp 10 Tage vor der ersten Stufe stellt sich die Frage, wie aktuell ist der Plan aus dem März noch im Wonnemonat Mai? Bleibt es bei dem zweistufigen Konzept oder gibt es erneut Verzögerungen? Oder überrascht die Bahn ihre Kunden gar mit einer schnelleren Wiederinbetriebnahme?

Schienenersatzverkehr läuft normal weiter

Letztere hatten die Macher im Bahntower am Potsdamer Platz Mitte März ausgeschlossen. Seinerzeit hieß es: „Das neue Inbetriebnahme-Konzept schafft Planungssicherheit für Eisenbahnverkehrsunternehmen und Fahrgäste. Die kurzfristige Anpassung von Fahrplänen an einen möglicherweise schnelleren Baufortschritt ist äußerst schwierig. Daher ist eine vorzeitige Öffnung weiterer Streckenabschnitte aktuell nicht vorgesehen.“ Dies gilt auch aktuell.

Am Montag betonte die Deutsche Bahn auf eine entsprechende Anfrage des Nordkurier: „Ja, es bleibt beim vorgesehenen Fahrplan der Wiederinbetriebnahme.“ Hinsichtlich des Schienenersatzverkehrs, der zwischenzeitlich durch das dafür beauftragte Unternehmen Ecovista für Negativschlagzeilen gesorgt hatte, machte die Bahn deutlich, dass „Reisende durch umgeleitete Züge und Ersatzverkehr weiter an Ihr Ziel kommen“ würden.

Mit anderen Worten: Die Generalsanierung geht tatsächlich auf die Zielgerade – da liegt die Frage nach den entstandenen Kosten fast schon auf der Strecke. Die Bahn selbst aber hält sich mit konkreten Zahlen zurück. Tenor: „Dazu können wir nach Abschluss der Arbeiten etwas sagen.“ Im Vorfeld des Projekts war kolportiert worden, dass die Generalsanierung über zwei Milliarden Euro kosten würde.