Am Morgen nach dem Konzert, auf das er so lang hingearbeitet hat, lag Emanuel Meshvinski im Bett und wartete auf das Glücksgefühl. Wenn ich das geschafft habe, bin ich der zufriedenste Mensch auf Erden, hat er sich gesagt. Nur: Das Glücksgefühl kam nicht, so wird er es später erzählen. Er fühlte sich anders. Unsicher. Die Fragen in seinem Kopf, sie hörten nicht auf. Bin ich das? Kann ich das?

Dabei war alles so gelaufen, wie Meshvinski es sich ausgemalt hatte: Er trat mit seinem Orchester im Großen Saal der Elbphilharmonie auf, vor ausverkauftem Saal. Meshvinski, der Dirigent des Jewish Chamber Orchestra Hamburg vorn, die Zuschauer im Rücken. Sie spielten Arrangements von jüdischen Komponisten, Irving Berlin, George Gershwin, Albert Ballin. Dazu flogen Lichtkegel über die Köpfe des Publikums hinweg, eine Jazzband ergänzte das Orchester – und Meshvinski stand, das war ihm wichtig, ohne Frack am Pult: in Jeans und weißen Sneakern. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda kam und das Hamburger Abendblatt schrieb von einer »genialen Uraufführung«.