Bei der Jahreshauptversammlung von Borussia Mönchengladbach machte Michael Hollmann seinem Ärger Luft. Vor rund 1.600 Mitgliedern wählte der Aufsichtsratschef am Montagabend drastische Worte für die sportliche Misere. Er kündigte an, künftig stärker „Einfluss zu nehmen“. Das Kontrollgremium habe laut Hollmann „auch die Schnauze voll“ von der Tabellensituation und dem Weg dorthin. Für diese Aussagen erntete der 68-Jährige reichlich Beifall.

Aktuell rangiert die Mannschaft auf dem elften Platz. Drei Spieltage vor Saisonende trennen den Club lediglich sechs Punkte vom Relegationsrang. Deshalb wächst die Unzufriedenheit mit der Spielweise und Trainer Eugen Polanski. Auffällig war, dass Hollmann den Sportchef Rouven Schröder ausdrücklich lobte, den Coach aber mit keinem Wort erwähnte. Stattdessen fällte er ein hartes Urteil: „Wir haben gute Spieler, aber nicht so richtig eine Mannschaft.“

Aufsichtsratschef widerspricht dem eigenen Trainer

Rückblickend auf die vergangenen Monate fand Hollmann eine unmissverständliche Zusammenfassung. „Es war einfach ein Scheißjahr“, schimpfte der Funktionär. Besonders das Unentschieden gegen Mainz am 19. April lag ihm schwer im Magen. Damals zogen sich die Gladbacher nach einer Führung zurück und kassierten in der Nachspielzeit per Foulelfmeter das 1:1. Hollmann erklärte dazu: „Da habe ich gedacht, ich werde wahnsinnig. Da hat man ja bei jedem Angriff befürchtet, ein Tor zu kassieren“.

📌 Fakten zu Eugen Polanski

  • Der ehemalige Fußballspieler absolvierte insgesamt 254 Bundesliga-Spiele für Borussia Mönchengladbach, den 1. FSV Mainz 05 und die TSG Hoffenheim.
  • Polanski spielte 19-mal für die polnische A-Nationalmannschaft und stand im Kader für die Europameisterschaft 2012, die in Polen und der Ukraine stattfand.
  • Er gilt als Eigengewächs der Fohlen, da er dort einen Großteil seiner Jugend verbrachte und später den Sprung in den Profikader schaffte.
  • Nach seiner aktiven Karriere (Karriereende 2018) wechselte er ins Trainerfach, besaß die UEFA-Pro-Lizenz und übernahm 2025 die Position als Interimstrainer bei den Gladbachern.

Damit stellte sich der Aufsichtsratschef gegen eine frühere Aussage seines Trainers. Polanski hatte nach dem Mainz-Spiel zur Überraschung vieler Beobachter behauptet, er habe nie das Gefühl gehabt, ein Gegentor zu bekommen. Der Coach hatte das Amt erst im Herbst von Gerardo Seoane übernommen. Angesichts der kritischen Stimmen ergriff der ehemalige Trainer der Gladbacher Regionalligamannschaft nun selbst das Wort.

Harte Worte über den Charakter der Mannschaft

Dabei räumte der Übungsleiter durchaus Missstände innerhalb der Truppe ein. „Mir fehlt ein bisschen die Gier auf Erfolg“, gab Polanski zu. Er bemängelte die Zusammensetzung des Teams und betonte: „Wir haben sehr, sehr liebe Charaktere. Wir brauchen auch ein paar Arschlöcher“. Gleichzeitig versprach er, nach dem gesicherten Klassenerhalt voller Tatendrang gewisse Dinge zu ändern.

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Auch Vereins-Präsident Rainer Bonhof ging die sportliche Talfahrt des ehemaligen Spitzenclubs sichtlich nahe. Zu Beginn seines Jahresberichtes brach der Weltmeister von 1974 in Tränen aus. Passend zu den vorherigen Rednern sprach auch er von einem „Scheißjahr“.