Was ist am Montag in der Leipziger Innenstadt passiert?
Ein Mann ist laut Polizeiangaben am Montagnachmittag gegen 16:45 Uhr mit einem Auto über den Augustusplatz in die Grimmaische Straße und dort weiter bis über den Markt hinaus gefahren. Dabei erfasste er mehrere Menschen mit seinem Wagen. Der Fahrer brachte das Auto anschließend selbst zum Stillstand. Er ließ sich laut Polizei widerstandslos festnehmen.
Das Auto des 33 Jahre alten Tatverdächtigen war am westlichen Ende der Fußgängerzone durch Poller gestoppt worden. Am östlichen Eingang der Grimmaischen Straße hatte der 33-Jährige offenbar ungehindert über den Augustusplatz in die Fußgängerzone einfahren können, so die dpa.
Wie viele Tote und Verletzte gibt es und was ist über die Opfer der Amokfahrt bekannt?
Zwei Menschen wurden getötet, mindestens sechs weitere schwer verletzt. Die genaue Anzahl der Verletzten war am Dienstag weiter unklar. „Das war gestern sehr schwierig. Viele Leute haben den Ort selbstständig verlassen und sich zum Arzt begeben“, sagte der Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft, Ricardo Schulz. Bei den beiden Todesopfern handelt es sich laut Polizei um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann. Beide seien deutsche Staatsangehörige.
Wer ist der mutmaßliche Täter der Amokfahrt?
Der mutmaßliche Täter ist nach Angaben der Polizei ein 33 Jahre alter Deutscher und wohnt in der Region Leipzig. Der Mann sei bereits polizeibekannt gewesen, laut dpa-Informationen jedoch nicht einschlägig. Der 33-Jährige ist derzeit in einem psychiatrischen Krankenhaus. Der Beschuldigte soll forensisch-psychiatrisch begutachtet werden. Abhängig vom Ergebnis könne die derzeitige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in einen Haftbefehl umgewandelt werden, hieß es.
Der mutmaßliche Täter soll vor der Amokfahrt auf eigenen Wunsch hin in einer psychiatrischen Klinik behandeln worden sein. Das sächsische Sozialministerium teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, der mann sei Ende April entlassen worden. „Während der Zeit dieses Aufenthalts in der Klinik bestand keine Eigen- oder Fremdgefährdung.“ Es hätten damit „keine medizinischen Gründe“ vorgelegen, „den Patienten (…) am Verlassen der Klinik zu hindern und damit gegen seinen Willen festzuhalten“.
Konnte schon ein Motiv für die Amokfahrt ermittelt werden?
Nach der mutmaßlichen Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Mordes in zwei Fällen sowie versuchten Mordes in mindestens zwei Fällen. Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen nicht von einem politischen oder religiösen Motiv des Täters aus. Es gebe auch keine Anhaltspunkte für einen weiteren Tatbeteilligten.
Das Tatmotiv des 33 Jahre alten mutmaßlichen Amokfahrers von Leipzig liegt vermutlich in einer Ausnahmesituation im nahen sozialen Umfeld. Das sagte der sächsische Innenminister Armin Schuster MDR SACHSEN.
Die Polizei hat ein Hinweisportal und ein Hinweistelefon freigeschaltet. Unter der Nummer 0341-96 64 66 66 können Zeugen sich melden. Sie können unter anderem Fotos und Videos hochladen oder Hinweise zum Hergang geben.
Welche Auswirkungen gibt es aktuell in Leipzig?
Die Stadt Leipzig will die Zufahrtsstelle prüfen, an der die Amokfahrt durch die Grimmaische Straße in der Innenstadt begonnen hat. Das sagte Stadtsprecher Matthias Hasberg.
Wegen des andauernden Polizeieinsatzes mit Sperrungen müssen sich Nutzende des ÖPNV weiter auf abweichende Linienführungen einstellen. Die Leipziger Verkehrsbetriebe teilen online mit, die Straßenbahn-Linien 4, 7, 12 und 15 würden die Haltestelle Augustusplatz ersatzweise auf dem Georgiring beziehungsweise im Grimmaischen Steinweg bedienen.
Der Bus 89 fährt Richtung Connewitzer Kreuz ab Hauptbahnhof über Augustusplatz und Wilhelm-Leuschner-Platz zum Neuen Rathaus sowie Richtung Hauptbahnhof ab Thomaskirche über Goerdelerring. Die Haltestellen in der Innenstadt können nicht bedient werden.
Wo und wie gibt es Gedenken an die Opfer?
- In den Innenstadtkirchen St. Nikolai und St. Thomas gibt es ganztägig Raum zum Trauern und Gedenken.
- Im Rathaus und in der Nikolaikirche liegen Kondolenzbücher aus.
- Vor dem Paulinum an der Universität Leipzig haben Menschen Blumen und Kerzen abgestellt. Der Ort entwickelt sich zum zentralen Gedenk- und Trauerort der Leipziger und vieler Studierender.