Kurzfassung des Artikels:
- Für Landwirt Richard Hoene aus Altenholz hat die Spargelsaison später als bei anderen Bauern begonnen.
- Er hat bewusst auf aufwendige Methoden zur Verfrühung der Spargelstangen verzichtet, um dem natürlichen Rhythmus der Natur zu folgen.
- Hoene hat bereits 1995 als Pionier im Kreis Rendsburg-Eckernförde mit dem Spargelanbau angefangen und seine Fläche seither verfünffacht.
- Obwohl der Spargel nur ein Teil seines großen Ackerbaubetriebs ist, empfindet Hoene die Arbeit als Herzensangelegenheit und verkauft direkt ab Hof.
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Blauer Himmel, braune Erde und grüner Spargel, so weit das Auge reicht: Für Landwirt Richard Hoene aus Altenholz hat in der vergangenen Woche die Spargelsaison begonnen. Er ist damit später dran als andere Bauern in der Region. Denn während andernorts mit aufwendiger Technik um jede Woche Vorsprung gekämpft wird, setzt der 66-Jährige auf Gelassenheit und eine extra Portion Zeit.
Statt Ananas zum regionalen Erfolg in Altenholz: Ein Rückblick auf die Anfänge 1995
Hoene hat 1995 angefangen, Spargel anzubauen. Er sei damals der erste Bauer in der Region gewesen, der diesen Versuch wagte, erzählt der Landwirt. Anfangs wurde er dafür noch verspottet: „Viele haben mir einen Vogel gezeigt und gesagt: ‚Nächste Woche pflanzt er hier Ananas und Bananen an.‘“
Wer unter Richard Hoenes Planen schaut, entdeckt die weißen Spargelköpfe, die aus der Erde ragen.
Foto: Ellen Karberg
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Dazu ist es zwar nicht gekommen, doch sein Mut hat sich ausgezahlt: Was auf einem einzigen Hektar begann, ist heute auf die fünffache Fläche angewachsen. Längst ist Hoene auch nicht mehr allein: Im Kreis Rendsburg-Eckernförde setzen mittlerweile einige seiner Kollegen auf die Stangen aus dem Boden.
Keine frühe Ernte: Warum auf dem Friedrichshof die Uhren langsamer gehen
Wer Spargel von Hoenes Friedrichshof essen möchte, muss sich jedoch zehn bis 14 Tage länger gedulden als bei anderen Bauern. Der 66-Jährige verzichtet bewusst auf eine frühe Ernte der Pflanzen.
Fünf Männer aus Polen unterstützen Richard Hoene bei der Spargelernte. Zum Teil waren schon deren Väter auf dem Hof tätig, mittlerweile packt die nächste Generation an.
Foto: Ellen Karberg
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Das bedeutet, dass er nur eine einzige Folie nutzt, viele andere Landwirte verwenden einen zusätzlichen Folientunnel. Durch den Treibhauseffekt, der zwischen den Folien entsteht, können höhere Temperaturen erzeugt werden, die für eine frühere Reife sorgen.
Verzicht aus Überzeugung: Die Philosophie hinter der einfachen Folie
Eigentlich also gut fürs Geschäft, sollte man meinen. Doch Hoene hat sich dagegen entschieden: „Die Arbeit mit den zwei Folien ist sehr aufwendig.“ Bei Temperaturveränderungen müssen die Planen gewendet werden: Ist es kalt, zieht die schwarze Seite die Sonnenstrahlen an, bei Wärme reflektiert die weiße Seite das Licht.
Der Spargel, der unter Richard Hoenes Folien wächst, hat die klassische weiße Farbe. Lässt man die Plane weg, wächst grüner Spargel aus der Erde.
Foto: Ellen Karberg
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Das macht Hoene mit seiner Folie auch – käme jedoch ein weiterer Tunnel hinzu, müsste er diesen bei Hitze zusätzlich lüften oder abnehmen und jedes Mal aufs Neue mit Metallbügeln sichern. Zu viel Aufwand, findet der Spargelbauer, der bezweifelt, dass sich die Extra-Arbeit lohnen würde. Seiner Erfahrung nach seien die Kunden gar nicht „so heiß“ auf den frühen Spargel: „Die wollen ihn jetzt essen, wenn es draußen warm und der Himmel blau ist.“
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Zumal Hoene und sein Team auch ohne die frühe Ernte bereits am Limit arbeiten: „Wir haben eine Sieben-Tage-Woche mit bis zu 16 Stunden Arbeit am Tag. Privatleben findet da nicht statt.“
Mehr als nur Spargel: Das Herzblut zwischen Ackerbau und Hofladen
Dabei ist der Spargel nur ein Teil der täglichen Arbeit auf dem Friedrichshof. Im Kern führt Hoene einen klassischen Ackerbaubetrieb und bewirtschaftet insgesamt rund 600 Hektar Land. Auf diesen Flächen baut er Getreide, Raps, Mais und Ackerbohnen an.
Die Spargelpflanzen von Richard Hoene sollen erst ab ihrem dritten Lebensjahr voll geerntet werden. Bis dahin sollen die Pflanzen die nötige Kraft sammeln. 2027 ist dieses Spargelfeld an der Reihe.
Foto: Ellen Karberg
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Während der großflächige Ackerbau das wirtschaftliche Rückgrat seines Hofes bildet, ist der Spargel für Hoene eine echte Herzensangelegenheit: „Es ist anstrengend, aber auch toll und meine Erfüllung. Geld ist eben nicht alles“, findet der Landwirt.
Ute Goldbach ist die Lebensgefährtin von Richard Hoene. Seit 13 Jahren lebt und arbeitet sie mit ihm zusammen. Sie ist maßgeblich für die Büroarbeit zuständig und packt an, wo Hilfe benötigt wird.
Foto: Ellen Karberg
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Es ist die Kombination aus der harten Arbeit auf dem Feld und dem direkten Kontakt zu den Menschen, die ihn antreibt. Hoene setzt auf eine treue Stammkundschaft, die bereit ist zu warten. Verkauft wird direkt ab Hof: Unverarbeitet für 15,90 Euro pro Kilo oder geschält für etwa vier Euro mehr.
Im Laden auf Gut Friedrichshof wird unbearbeiteter und geschälter Spargel verkauft. Aber auch selbst gemachte Spargelpizza und andere Lebensmittel gehören zum Sortiment.
Foto: Ellen Karberg
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Das Sortiment wird durch Eigenkreationen wie Spargelpizza und -suppe sowie regionale Lebensmittel ergänzt. Seine Kunden würden ihm häufiger sagen, dass sein Spargel anders schmeckt, irgendwie „aromatischer“.
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Ob das daran liegt, dass seine Pflanzen mehr Zeit zum Reifen haben als anderswo? „Das ist möglich, aber ich weiß es nicht. Ich kann den Spargel ja nicht fragen“, sagt Hoene. Das positive Feedback ist für ihn und sein Team jedenfalls ein großer Ansporn – und die Bestätigung dafür, dass gut Ding manchmal eben Weile haben will.