Offiziell ist damit zwar die große militärische Phase vorbei. Inoffiziell wird aber weiter geschossen. Formal gibt es eine Waffenruhe. Faktisch werden Schiffe angegriffen, Drohnen abgewehrt, US-Militärkräfte beschossen. Nur eben, wie es aus dem Pentagon heißt, „unterhalb der Schwelle“ zu einem „neuen Krieg“. Die Trump-Regierung handelt damit in einer semantischen Grauzone, in der alles gleichzeitig zu gelten scheint: Krieg und Nicht-Krieg, Eskalation und Deeskalation, Siegesgewissheit und Unsicherheit.
Warum eine Waffenruhe, wenn der Krieg vorbei ist? Warum militärisch gestützte Projekte, wenn man eigentlich auf ein Friedensabkommen setzt? Warum überhaupt verhandeln, wenn zugleich ein „enormer militärischer Erfolg“ behauptet wird? Warum fordert Trump plötzlich keine „vollständige Kapitulation“ des Iran mehr?
Die Antwort ist unbequem und beunruhigend zugleich: Weil es unter Trump in den USA keinen klaren Zustand mehr gibt. Zwar geht es bei den widersprüchlichen Entscheidungen und Äußerungen auch um öffentliche Botschaften ins Inland und ins Ausland. Der Hauptgrund dürfte aber sein: Trump findet keinen Ausweg aus der Misere, ohne als Verlierer dazustehen. Der wirtschaftliche Druck im eigenen Land ist inzwischen so immens, dass der Präsident wohl gar nicht mehr anders kann, als klammheimlich aufzugeben.
Darum praktizieren Trump, Hegseth und Rubio eine Art rhetorisches „Downsizing“ des Konflikts, der in Wahrheit noch immer weiterläuft. Indem sie den Krieg verzwergen, erhoffen sie sich davon offenkundig eine Möglichkeit, doch noch irgendwie auszusteigen. Die Devise aus dem Weißen Haus scheint darum zu lauten: So viel Chaos zu erzeugen, dass am Ende keiner mehr weiß, was derzeit eigentlich wirklich geschieht.
Das hat nicht nur weitere Auswirkungen auf die ins Taumeln geratene Weltwirtschaft, sondern auch auf die Entscheidungen der engsten Verbündeten, darunter Deutschland. Die Bundesregierung beabsichtigt bekanntermaßen, die in Aussicht gestellten Minenabwehrfahrzeuge der deutschen Marine erst dann in der Straße von Hormus einzusetzen, wenn der Krieg vorbei ist. Unter keinen Umständen will man in den Konflikt hineingezogen werden. Was aber, wenn niemand weiß, was nun eigentlich der Fall ist?