Christiane (63) und Reiner F. (68) standen am Dienstag vor dem Strafgericht Moabit. Ihnen wird vorgeworfen, zwischen 2021 und 2025 Bronzestatuen und andere wertvolle Gegenstände von Friedhöfen in ganz Deutschland gestohlen und sie mit Gewinn weiterverkauft zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat gegen das angeklagte Ehepaar F. die Einziehung von Taterträgen in Höhe von rund 362.000 Euro und gegen den Mitangeklagten K. die Einziehung von rund 350.000 Euro beantragt. Am Dienstag fand der erste Verhandlungstag am Strafgericht Moabit in der Turmstraße statt.

Gericht

Verhandlungsauftakt zu Friedhofsdiebstählen am Landgericht Berlin.
© BM | Iris May

Das Ehepaar F. soll für einen beispiellosen Raubzug durch Parks und Friedhöfe überwiegend in Berlin, aber auch in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verantwortlich sein. Christiane F. war früher Verkäuferin, Reiner F. Baufacharbeiter. Jetzt sind beide im Ruhestand und leben im Bezirk Reinickendorf.

Ab 2018 plante das Ehepaar F. die Diebstähle. Als Hehler fungierte in 34 Fällen der Berliner Roland K. Es dürften aber noch weitere Menschen in den Handel mit Diebesgut aus Parks und Friedhöfen verwickelt sein. Das Haus eines Kunsthändlers in Neukölln war 2025 durchsucht worden.

Hehler nur bedingt verhandlungsfähig

Roland K., ein ehemaliger Finanzdienstleister, der seit 15 Jahren verheiratet ist und seit Jahren von privatem Vermögen lebt, soll unter anderem die Skulptur „Denkende mit Kopfschuss“ vom Friedhof Frohnau für 21.000 Euro weiterverkauft haben. Wegen seiner depressiven Erkrankung wurde Roland K. von einer Psychotherapeutin als begrenzt verhandlungsfähig eingestuft. Sie empfahl, Pausentage zwischen den Verhandlungstagen einzulegen und eine Verhandlungsdauer von drei bis vier Stunden nicht zu überschreiten. K. hat laut Ärztin bereits seit 1999 depressive Schübe und nach seiner Festnahme am 5. Mai 2025 konkrete Suizidabsichten.

Sichergestellte Plastiken

Engel, Jesus-Figuren, Reliefs und Steinfiguren: Die vom LKA sichergestellten Plastiken stammen von Friedhöfen und Parks.
© BM | LKA / Polizei Berlin

Vor allem in Berlin wertvolle Skulpturen erbeutet

Christiane und Reiner F. äußerten sich am ersten Verhandlungstag nicht selbst zu ihren Taten. Jedoch wurden einige der erbeuteten Wertgegenstände bei ihnen aufgefunden. Die Verlesung der Anklageschrift enthielt auch die Skulptur „Lesendes Mädchen“ von Karlheinz Goedtke, die auf einen Wert von 20.000 Euro geschätzt wurde. Außerdem eine Kirchenglocke vom Friedhof Heiligensee in Reinickendorf, historische Zaunteile vom Friedhof Schulzendorf in Dahme-Spreewald im Wert von 42.000 Euro, eine Feuerschale vom Friedhof Angermünde im Wert von 10.000 Euro und einen nicht näher beschriebenen Kunstgegenstand vom Friedhof St. Hedwig in Berlin-Mitte im Wert von 10.000 Euro.

Die Reliefplatte „Knieender Engel“ konnte von der Polizei 2025 sichergestellt werden.

Die Reliefplatte „Knieender Engel“ konnte von der Polizei 2025 sichergestellt werden.
© Polizei Berlin | Polizei Berlin

Im Juli 2025 hatte das Landeskriminalamt Berlin bekannt gegeben, dass es Diebesgut im Wert von etwa 169.000 Euro sichergestellt hatte. Insgesamt hatten die Ermittlerinnen und Ermittler 85 Bronzen sichergestellt, von denen sie über 40 Diebstählen auf Friedhöfen zuordnen konnten. 14 Skulpturen konnten bereits an die Friedhöfe bzw. an die rechtmäßigen Inhaberinnen und Inhaber zurückgegeben werden. Darunter zwei Bronzeplastiken vom Friedhof der Luisengemeinde im Fürstenbrunner Weg in Westend. Der „Französische Jesus“ und der „Thorvaldsen-Jesus“ vom Kinderfriedhof stehen seither wieder am Ursprungsort.

Friedhofsdiebe

Auch diese Galvano-Bronzeskulptur des Grabs von Carl Georg Langenscheidt vom Friedhof Wannsee II wurde entwendet.
© BM | OTFW

Auf der Diebesgutliste standen auch die Gartenfigur „Leonore“ vom Friedhof Onkel-Tom-Straße sowie eine steinerne Engelsfigur und eine Galvanoplastik vom Dorotheenstädtischen Friedhof. Der prominenteste Geschädigte unter den Grabbesitzern ist wohl der Verleger Florian Langenscheidt: Die Bronzeskulptur „Trauernde“ der letzten Ruhestätte seines Vorfahren Carl Georg Langenscheidt wurde 2025 vom Friedhof in Wannsee entwendet. Laut der Staatsanwaltschaft sollen die Skulpturen bis zu 150 Kilogramm schwer gewesen und hauptsächlich auf nächtlichen Beutezügen aus den Friedhöfen entfernt worden sein. An weiteren Prozesstagen sollen mehrere Zeugen und ein Kunstsachverständiger gehört werden. Ein Urteil ist nicht vor 2. Juli zu erwarten.

Hinweise erbeten: Nicht zugeordnete Raubkunstwerke

Das zuständige Fachkommissariat für Kunstdelikte im Landeskriminalamt Berlin (LKA 444) nimmt weiterhin Hinweise zu aufgefundenen Bronzen, Plastiken und historischen Zaunanlagen entgegen, die im Rahmen der Ermittlungen sichergestellt wurden. Unter der Rufnummer (030) 4664-944400 oder der E-Mail-Adresse lka444@polizei.berlin.de kann man Hinweise zu den einzelnen Beutestücken abgeben. Einstiegsseite zu Fundstücken. Weiterführende Hinweise auf einer Website des LKA mit Bildergalerie der Fundstücke.

Aufgefundene Plastiken 

Die Bronzefigur „Die Liegende“ (re.) von Heinrich Drake wurde sogar zweimal vom Friedhof Pankow III gestohlen.
© BM | LKA / Polizei Berlin

Diebstähle auf Friedhöfen nehmen seit Jahren zu. Als Ursache für die Diebstähle sieht die Polizei die derzeitigen hohen Buntmetallpreise. Die Diebe verkaufen die gestohlenen Gegenstände an Recyclingunternehmen oder direkt ins Ausland. Yvonne Zimmerer vom Evangelischen Friedhofsverband Stadtmitte Berlin (EVFBS), zu dem mehr als 40 Friedhöfe gehören, sagt, dass auch „der Vandalismus, insbesondere Graffiti-Schmierereien an Friedhofsmauern, Beschädigungen an Brunnen oder Besucher-WCs“ zunehmen. Auch Grabschmuck oder Gießkannen werden des Öfteren gestohlen.