
AUDIO: European League: THW Kiel holt sich das Ticket für Hamburg (1 Min)
EHF European League
Stand: 06.05.2026 08:49 Uhr
Was für ein Drama! Und was für ein Happyend! Der THW Kiel hat es nach der 30:33-Niederlage im Hinspiel am Dienstag im Viertelfinal-Rückspiel der Handball-European-League gegen RK Nexe Nasice doch noch gebogen bekommen – per Triumph im Siebenmeterwerfen! Nach regulärer Spielzeit hatte es 30:27 (17:15) gestanden.
Um 22:28 Uhr kannte die Begeisterung in der Kieler Arena keine Grenzen mehr. Nachdem die beiden THW-Torhüter Andreas Wolff und Gonzalo Perez de Vargas beim absoluten Showdown jeweils einen Siebenmeter der Kroaten abgewehrt hatten, behielt der Mann des Abends, Eric Johansson, die Nerven. Der Schwede verwandelte seinen Siebenmeter und warf so das ganze Team zum Final Four nach Hamburg.
„Es war eine brutale Stimmung hier in der Halle.“
Lukas Zerbe
„Es war ein Sieg der Willenskraft“, sagte Lukas Zerbe nach der Partie und sprach den Fans „ein großes Kompliment aus. Wie die uns nach vorne gepeitscht haben, das war eine brutale Stimmung hier in der Halle.“ Mögliche Gegner des Teams von Trainer Filip Jicha am 30. und 31. Mai in der Hansestadt sind nun Rivale und Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt, der sich im Rückspiel souverän bei der TSV Hannover-Burgdorf durchgesetzt hatte, sowie die MT Melsungen und Montpellier HB. Die Auslosung der Halbfinals erfolgt am Freitag in Wien.
Als Gewinner der European League könnte der THW in der kommenden Saison an der Champions League teilnehmen. Dazu würde es allerdings nicht kommen, wenn die Füchse Berlin die „Königsklasse“ gewinnen und zugleich Liga-Dritter bleiben sollten, in dem Fall würde den Kielern ein Titelgewinn in der European League nicht für die Qualifikation für die Champions League genügen.
Start verpatzt, aber Johansson und Zerbe treffsicher
Den Beginn der Partie gegen Nasice vor nur 6.005 Zuschauern hatten sich die Spieler und Fans des THW ganz anders vorgestellt. Nach fünf Minuten hieß es 3:5 – somit waren es zu diesem Zeitpunkt schon fünf Tore, die Kiel aufholen musste. Aber die „Zebras“ stabilisierten sich schnell in der Deckung, Torwart Wolff nahm jetzt die Würfe der Gäste stark weg, und mit Tempo und Überzeugung ging es nach vorne. Der schwedische Rückraumschütze Johansson, der nach seiner Knieverletzung wieder mitwirken konnte, sorgte für die eigene 6:5-Führung (10.).
Nach weiteren acht Minuten hatten die Schleswig-Holsteiner das erste Mal an diesem Abend den Rückstand aus dem Hinspiel wettgemacht: Kreisläufer Veron Nacinovic traf zum 10:7. Kurz darauf war es auch schon mal ein Vier-Tore-Vorsprung – Zerbe etwa erzielte sein sechstes Tor (13:9, 23.) und hielt damit seine hundertprozentige Wurfquote.
Doch Nexe ließ sich nicht abschütteln. Der kroatische Nationalspieler Tin Lucin brachte Nasice nach einem flinken Wackler mit einem schönen Wurf in den rechten oberen Torwinkel auf 11:14 heran (26.). Zur Pause führte Kiel mit 17:15. Johansson hatte acht, Zerbe sechs Treffer dazu beigesteuert.
Kiel mit sechs Toren in Führung
Fünf Minuten nach Wiederbeginn lag Johansson dann auf dem Boden. Aleksandar Stamenkovic hatte ihn mit einem Schlag gegen den Hals gestoppt. Er erhielt dafür nur ein Zeitstrafe – Rot wäre sehr gut möglich gewesen. Kurz darauf erzielte THW-Spielmacher Domagoj Duvnjak das 22:17 (36.). Als es eine Differenz von sechs Toren war, nahm Nexe-Coach Kreso Ivankovic eine Auszeit (43.).
Tore THW Kiel: Johansson (10/1 Siebenmeter), Zerbe (10/5), Nacinovic (7), Duvnjak (3), Reinkind (2), Imre (1/1), M. Landin (1/1)
Tore Nexe Nasice: Lucin (10/6), Moslavac (5), Haseljic (4), Cenic Stamenkovic (3), Bakic (2), Moslavac (2), Kozina (1), Strlek (1/1), Vucko (1)
Zuschauer: 6.005
In der 52. Minute sah es für die Kieler schon sehr gut aus: Johansson sorgte mit seinem neunten Tor für das 29:23, doch danach ging bei den Gastgebern offensiv erst einmal nichts mehr. Nexe kam durch drei Tore in Folge auf 26:29 heran – der Abstand für ein Siebenmeterwerfen war wieder erreicht. Nacinovic stellte gut zwei Minuten vor Ultimo mit Dusel wieder auf vier Tore Vorsprung – und Nasice missriet der folgende Angriff.
Reinkind vergibt – doch der THW jubelt doch
Kiel hatte alles in den eigenen Händen und spielte Harald Reinkind wunderbar frei. Der Norweger stieg am Kreis hoch, scheiterte aber. Und es kam es noch bitterer. Lucin verkürzte sieben Sekunden vor Schluss auf 27:30. Auszeit THW! Doch die Kieler vergaben die letzte Chance. Es folgte der große Showdown beim Siebenmeterwerfen – und das Happy End für die „Zebras“. Die entscheidende Aktion war Johansson vorbehalten, der mit zehn Toren auch erfolgreichster THW-Spieler war.

Nordduell im Europapokal
Die SG hat dank einer Steigerung in der Defensive einen souveränen Sieg bei Nordkonkurrent Hannover-Burgdorf gefeiert – und damit das erneute Ticket für Hamburg gebucht.