Im Ukraine-Krieg läuft die Zeit einer von Präsident Wolodymyr Selenskyj einseitig ausgerufenen Waffenruhe. Der ukrainische Staatschef hatte den Beginn auf 0 Uhr Ortszeit am Mittwoch (Dienstag 23 Uhr MESZ) festgesetzt. Dabei war nicht sofort klar, ob Luftangriffe und Kämpfe am Boden tatsächlich eingestellt werden konnten. Russische Luftangriffe bedrohten nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe nur einige frontnahe Landkreise. In den meisten Landesteilen herrschte um Mitternacht kein Luftalarm.
Die Feuerpause gelte unbefristet, solange Russland nicht angreife, erläuterte der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow: „Wenn die Waffenruhe gegenseitig eingehalten wird, dann setzen wir diese fort.“ Selenskyj hatte zuvor gesagt, Kiew werde spiegelbildlich reagieren, wenn die russische Seite sich nicht daran halten sollte.
Von russischer Seite hat Kremlchef Wladimir Putin einseitig eine Waffenruhe nur für Freitag und Samstag angeordnet, wenn in Russland an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg erinnert wird. Selenskyjs Ankündigung einer früheren Feuerpause wurde in Moskau den Dienstag über nicht kommentiert.
US-Außenminister Marco Rubio und sein russischer Kollege Sergej Lawrow haben nach Angaben aus Washington in einem Telefonat über die Kriege in der Ukraine und im Iran gesprochen. Außerdem seien die „Beziehungen zwischen den USA und Russland“ Thema gewesen, erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Tommy Pigott, am Dienstag (Ortszeit). Das Telefonat habe auf Wunsch Lawrows hin stattgefunden.
Am frühen Mittwochmorgen meldete derweil das Oberhaupt der von Russland annektierten Halbinsel Krim einen ukrainischen Drohnenangriff. Bei dem Angriff in der Stadt Dschankoi seien fünf Menschen getötet worden, teilte Sergej Aksjonow mit.
Zuvor hatte Russland die Ukraine kurz vor einer angekündigten Waffenruhe rund um die Siegesparade am 9. Mai zum Gedenken an den Zweiten Weltkrieg erneut mit heftigen Angriffen überzogen. Landesweit wurden ukrainischen Angaben zufolge dabei mindestens 22 Menschen getötet. Angesichts der bevorstehenden Feuerpause warf der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Russland „Zynismus“ vor.
Kurz vor einer von der Ukraine angekündigten Waffenruhe sind in der Großstadt Saporischschja infolge russischer Bombenangriffe mindestens zwölf Menschen getötet worden. Mehr als ein Dutzend weitere wurden verletzt, wie der Gouverneur der südostukrainischen Region Saporischschja, Iwan Fedorow, bei Telegram mitteilte. Bilder zeigten schwere Schäden an Gebäuden und Rauchwolken. Die Front zwischen russischen und ukrainischen Truppen verläuft nur etwa 20 Kilometer südlich der Stadt.