Es ist der inzwischen siebte Verhandlungstag im Movie2k-Prozess. Nach wie vor erscheinen die beiden Angeklagten erst kurz nach Verhandlungsbeginn, wenn die Hauptsaaltür bereits verschlossen ist, durch einen Seitenzugang des Gerichtssaales. Die Sicherheitsauflagen sind hoch, Polizisten sichern den Saaleingang an jedem Verhandlungstag. Noch immer steht der Vorschlag der Wirtschaftsstrafkammer für eine Einigung im Raum, für einen sogenannten Deal – doch darüber wird diesmal in Saal 14 nicht gesprochen.
Stattdessen ist ein Zeuge geladen, Detlef Walser, ein früherer Ermittler für die „Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen“ (GVU). Diese hatte bis 2020 im Auftrag von Unternehmen der Kreativbranche gegen illegale Raubkopierer ermittelt. Auch an Ermittlungen gegen Kino.to und dessen Nachfolger Kinox.to war die GVU mit Sitz in Berlin beteiligt. Als Kino.to 2011 auf Druck der Ermittler abgeschaltet werden musste, war die Szene der illegalen Raubkopierer untereinander stark zerstritten, berichtete der inzwischen 67-Jährige nun vor Gericht.
Kampf innerhalb illegaler Szene
„Zum damaligen Zeitpunkt, nachdem Kino.to offline ging – das war eine richtige Konkurrenzsituation bei diesen ganzen Portalseiten, und die haben sich gegenseitig bekämpft. Wenn solche Streitereien in solchen Illegalen Szenebereichen stattfinden, dann kommt es schon öfter mal vor, dass ein vermeintlich unterlegener Konkurrent den anderen anzeigt, auf gut deutsch ‚anscheißt‘, um selber voran zu kommen, und damit der andere von den Behörden belangt wird,“ berichtet Walser.
Es habe damals anonyme Mails gegeben, auch mit Hinweisen zur Adresse des jetzt Hautpangeklagten Josef F. in Hamburg. Man sei dem zum Teil selbst nachgegangen. Es habe sich aber nichts ergeben, was auf den Mann hingewiesen habe. Die wurden Erkenntnisse dann später an die Generalstaatsanwaltschaft Dresden übergeben, so Walser. Denn Polizei und Staatsanwaltschaft hätten ganz andere Möglichkeiten für Ermittlungen.
Internationaler Haftbefehl
Josef F. konnte erst 2023 aufgrund eines internationalen Haftbefehls in Spanien festgenommen werden. Das geht aus Dokumenten hervor, die der Vorsitzende Richter in der Hauptverhandlung verlas.
Das illegale Portal Movie2k hatten die Betreiber unter dem Druck der Ermittler bereits 2013 abgeschaltet. Es hatte seine Haupteinnahmen vor allem durch Werbung erzielt. Der Ermittler, der jetzt als Zeuge aussagte, berichtete davon, dass allein ein Werbekunde pro Monat 50.000 Euro überwiesen habe.