Wenn andere in seinem Alter noch nach Orientierung suchen, hat Moritz Mauss (18) längst seinen Weg gefunden – und der führt ihn mit hohem Tempo über die Straßen Europas und auf die Radrennbahnen der Welt. Der junge Leistungssportler aus Niederkassel zählt zu den vielversprechenden Talenten im deutschen Radsport und hat ein klares Ziel vor Augen: die internationale Spitze.
Die Sonne scheint in den verwunschenen Hinterhof, an dem Moritz Mauss wohnt. Drinnen hat er mindestens sechs Fahrräder stehen. Das wirkt ungewohnt, ist für ihn aber praktisch. Denn trainiert wird vor der eigenen Haustür. Die Rheinroute Richtung Meerbusch oder nach Kaarst oder Köln gehören zu seinen Standardstrecken. Rund 120 Kilometer umfasst eine durchschnittliche Trainingseinheit. „Ich fahre zu 95 Prozent draußen“, sagt Mauss. Nur bei schlechtem Wetter weicht er auf den Heimtrainer aus.
Der Einstieg in den Radsport kam fast beiläufig. Sein Vater nahm ihn gelegentlich mit auf Touren. Aus den ersten gemeinsamen Fahrten entwickelte sich schnell mehr. „Irgendwann habe ich mein erstes Rennrad bekommen – und dann hat es mich gepackt“, erzählt Mauss.
Aufgewachsen ist er in Niederkassel, besuchte die Katholische Grundschule um die Ecke, ging dann aufs Comenius-Gymnasium. Dort zeigte sich schon: Sein Alltag würde sich anders entwickeln als der seiner Klassenkameraden. Während andere nach der Schule Zeit mit Freunden oder vor dem Bildschirm verbrachten, saß Moritz Mauss auf dem Fahrrad – oft stundenlang.
Über den Verein VfR Büttgen fand der Düsseldorfer den Weg in den organisierten Rennsport. Am beschaulichen Niederrhein begann eine Entwicklung, die ihn Schritt für Schritt nach oben führte. Zunächst fuhr er regionale Rundstreckenrennen in NRW, sammelte Erfahrungen – und Erfolge.
Ein entscheidender Schritt folgte in der Oberstufe. Moritz Mauss wechselte auf eigenen Wunsch vom Comenius auf ein Kölner Sportinternat, das eng mit dem Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Köln verbunden ist. „Das war wichtig, um Schule und Leistungssport besser zu kombinieren.“ Vergangenes Jahr machte er Abi, dieses Jahr bekam er einen Vertrag – bei einem Radsport-Team aus den Vereinigen Arabischen Emiraten.
Das „UAE Team Emirates Gen Z“ versammelt – wie der Name vermuten lässt – Radsportler aus der „Generation Z“. Wie immer, wenn die Vereinigten Arabischen Emirate irgendwo einsteigen, geht es um keine halben Sachen. Das aufstrebende Team gilt als Pool der größten Talente.
Und so ist Moritz Mauss‘ Heimat zwar Niederkassel – aber der Arbeitsort die ganze Welt: Rennen in Europa oder auch in Ruanda stehen regelmäßig auf dem Programm – teilweise im Wochentakt. „In der Saison bin ich oft nur wenige Tage im Monat zu Hause“, erzählt der junge Mann. Sein Alltag ist durchgetaktet: Reisen, Training, Wettkämpfe – und dazwischen organisatorische Aufgaben, die oft unterschätzt werden: „Ein großer Teil ist tatsächlich Planung – Flüge buchen, mit dem Team abstimmen, Trainingszeiten festlegen.“
Neben dem Straßenradsport ist auch das Bahnfahren seine Stärke. Auf der Radrennbahn in Büttgen hat er früh Erfahrungen gesammelt – ein Vorteil, der sich bis heute auszahlt: „Im nationalen Vergleich bin ich auf der Bahn sogar noch stärker“, erklärt er – und richtet den Blick auch auf die Olympischen Spiele. Inzwischen gehört Mauss zum sogenannten erweiterten Perspektivkader. Die Chancen, in Zukunft bei Olympia zu starten, stehen daher gut. „Das ist eines meiner größten Ziele – neben der Tour de France natürlich“, sagt der Düsseldorfer.
Der Weg dorthin ist kein leichter. Eine Verletzung – er ist auf der Bahn gestürzt und musste operiert werden – hatte ihn zuletzt ausgebremst. Inzwischen geht es Mauss besser. Erste Trainingseinheiten auf dem Heimtrainer sind wieder möglich – zunächst aber noch vorsichtig.
Seine Motivation ist ungebrochen. „Der Sport gibt mir ein klares Ziel“, so der 18-Jährige. Auch finanziell trägt sich seine Karriere bereits. Durch Förderungen und das Team kann er seinen Lebensunterhalt bestreiten. Im U23-Bereich gelten zwar noch Gehaltsobergrenzen, doch langfristig winken deutlich größere Möglichkeiten: „Wenn man es in ein World-Tour-Team schafft, kann man sehr gut davon leben.“
Privat bleibt wegen des intensiven Trainingsplans zwar wenig Zeit, aber die freien Momente nutzt Moritz Mauss. Reisen gehört zu seinen Leidenschaften. Ein paar Tage in Lissabon oder in Paris nach einem Rennen – kleine Auszeiten im durchgetakteten Leben eines Leistungssportlers.
Auch seine Freundin spielt eine wichtige Rolle. Sie kennt den Leistungssport aus eigener Erfahrung – ein Vorteil im gemeinsamen Alltag. „Sie versteht, wie das alles funktioniert.“ Wenn Moritz Mauss von der weiten Welt erzählt, wirkt der Hinterhof mit dem Kopfsteinpflaster und dem wilden Wein an den Hauswänden noch mal kleiner – aber Niederkassel hat eben auch einen großen Platz in seinem Herzen.