„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“, lautet ein Sprichwort. Im Falle der Currywurst streiten sich zwei deutsche Städte nicht um ihr Ende, sondern darum, wo sie ihren Anfang nahm. Eins ist dabei sicher: Rund 800 Millionen Currywürste werden jedes Jahr in Deutschland verzehrt, allein in Berlin sollen es 70 Millionen sein! Ob sie nun aber mit oder ohne Darm, mit Pommes oder im Brötchen besser schmeckt, darüber herrscht genauso wenig Einigkeit unter den Wurst-Gourmets wie zwischen Berlin und Duisburg in der Frage, in welcher der beiden Städte die deutsche Schweinswurst zum ersten Mal mit dem exotischen Gewürz in Berührung kam.

Christian Tänzler, Sprecher für die Stadt Berlin, sagt: „Für uns Berliner steht vollkommen außer Frage, dass die Currywurst eine Berliner Erfindung ist.“ Herta Heuwer soll 1949 an ihrem Imbissstand in Charlottenburg erstmals eine gebratene Brühwurst mit einer selbst gemischten Soße aus Tomatenmark, Currypulver und weiteren Gewürzen serviert haben. Zwei Jahre später ließ sie sich die Soße patentieren. „Die Currywurst ist ein Kultgericht, zu dem es neun Jahre lang ein Museum in Berlin gab: Es kann nur in Berlin passiert sein“, ist Tänzler überzeugt.

Duisburg hat handfeste Beweise

Der Ruhrpott gibt sich ebenfalls selbstbewusst: „Duisburg hat handfeste Hinweise, dass hier früher gebrutzelt wurde als anderswo. In Duisburg-Marxloh stand Peter Hildebrand schon in den späten Dreißigerjahren am Grill und servierte eine Bratwurst, die erstaunlich nah an dem liegt, was später als Currywurst Kult wurde. Das ist durch Zeitzeugen und alte Fotos belegt“, sagt Lea Böhm von Ruhr Tourismus und sagt: „Berlin erzählt seine Geschichte mit viel Herzblut, aber wenn man die Fakten nebeneinanderlegt, wirkt es ein bisschen so, als hätte Duisburg die Currywurst erfunden und Berlin das Marketing übernommen.“

Am Ende schlägt sie zur Schlichtung Folgendes vor: „Die Hauptstadt hat die Currywurst groß gemacht, aber im Ruhrgebiet hat sie laufen gelernt.“ In dem Buch „Alles Currywurst – oder was? Die ganze Wahrheit über das Kultobjekt“ vertreten die Autoren die Meinung, dass es in Duisburg tatsächlich eine Art Vorläufer-Currywurst gab.

Sehr wahrscheinlich ist, dass Hildebrand und Heuwer nichts voneinander wussten, Heuwer aber als Erste den Namen Currywurst verwendete. Immerhin hat sich Wolfsburg in diesen Wettbewerb nicht eingemischt. Die berühmte Volkswagen-Currywurst steht nachweislich erst seit 1973 auf dem Speiseplan der werkseigenen Kantine und geht dort pro Jahr sieben Millionen Mal über die Theke.