Die Ankündigung der US-Regierung, ihre Truppenstärke in Deutschland zu reduzieren, lenkt die Aufmerksamkeit auch auf Standorte der US-Armee in der Region Stuttgart. Wie am Mittwoch bekannt wurde, hat der scheidende BW-Innenminister Thomas Strobl (CDU) bereits am Sonntag in einem Brief an Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) appelliert, sich für den Erhalt aller US-Standorte im Land einzusetzen. „Wir schätzen sehr, den amerikanischen Soldatinnen und Soldaten sowie ihren Familienangehörigen eine Heimat und eine sichere Umgebung bieten zu können, von der aus sie ihre bedeutenden militärischen Aufgaben wahrnehmen können“, so Strobl in einem Brief, der dem SWR vorliegt.

Darin erwähnt er auch explizit die Standorte in der Region Stuttgart. Dort bilden fünf Standorte die sogenannte „US Army Garrison Stuttgart“. Dazu zählen die Böblinger Panzerkaserne, die Patch-Kaserne in Stuttgart-Vaihingen, die Kelley-Kaserne in Stuttgart-Möhringen, die Robinson-Kaserne in Stuttgart-Bad Cannstatt und der Stuttgarter Heeresflugplatz.

Nicht einmal halb so viele US-Truppen wie früher

Wie viele der dort stationierten Menschen Soldatinnen und Soldaten sind, ist nicht bekannt. Zählt man jedoch noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von US-Bundesbehörden, Zivilangestellte, Familienangehörige und lokale, also deutsche Angestellte dazu, so ergibt sich nach Angaben der US-Armee für die US Army Garrison Stuttgart eine Zahl von mehr als 20.000 Personen. „Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges waren über 45.000 Amerikaner auf über 40 Standorten in und um die Stadt stationiert“, erklärt die US-Armee.

Ein US-Soldat steht vor dem Hauptgebäude des Truppenstützpunkts der Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen.

Ein US-Soldat steht vor dem Hauptgebäude des Truppenstützpunkts der Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen (Archivbild).

Gute Verkehrsanbindung – und große Entfernung zum Ostblock

Aus Sicht der US-Regierung hatte die Stationierung von Truppen in der Region Stuttgart gewisse Vorteile, erklärt der Militärhistoriker Heiner Möllers vom Potsdamer Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr auf SWR-Anfrage. Wie beispielsweise in Mannheim und Heidelberg habe die US-Armee nach dem Zweiten Weltkrieg einfach bereits bestehende militärische Anlagen übernehmen und diese als Kasernen nutzen können. „Bedeutender scheint mir die gute verkehrstechnische Anbindung Stuttgarts an der Autobahn Karlsruhe-München, mit entsprechender Bahninfrastruktur für den süddeutschen Raum sowie dem Flugplatz in Echterdingen“, so der Oberstleutnant.

Hinzu kommt, dass die westlich gelegene Region Stuttgart im Kalten Krieg einen gewissen Schutz davor versprach, im Falle einer Eskalation direkt von Angriffen betroffen zu sein. „Damit konnten dort neben Truppen auch größere/höhere Stäbe untergebracht werden; und dies galt auch für Mannheim/Heidelberg“, erklärt der Militärhistoriker. Er vermutet, dass sich aus diesem Grund zumindest in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in den Stuttgarter Patch Barracks das Hauptquartier der 7th US Army befand, bis dieses Kommando nach Heidelberg verlegt wurde.

US-Truppen in Afrika bekommen Kommandos aus Möhringen

In Stuttgart-Möhringen befand sich in der bis heute genutzten Kelley-Kaserne („Kelley Baracks“, vor 1945 Helenenkaserne) das VII. US Corps, das 1991 für den 2. Golfkrieg in den arabischen Raum verlegt und nach dem Krieg 1992 deaktiviert wurde. Das Ende dieses VII. US-Corps hatte große Auswirkungen auf die US-Militärpräsenz in der Region Stuttgart, erklärt die US-Armee auf ihrer Website. „Der Abzug des VII. Korps führte zu einer deutlichen Reduzierung der US-Militärpräsenz in der Stadt und der Region und zur Schließung der meisten US-Einrichtungen in und um Stuttgart. Dies hatte die Entlassung vieler ziviler Angestellter zur Folge, die zuvor bei der US-Armee beschäftigt gewesen waren.“

Ein Auto fährt vor einem Gebäude der Kelley Barracks in Stuttgart-Möhringen (Archivbild)

In den Kelley Barracks sitzt das Hauptquartier der US-Armee in Europa (Archivbild).

Seit 2007 befindet sich in den Kelley Baracks das US Africa Command (USAFRICOM), also das Regionalkommando aller US-Truppen für Afrika. Das bedeutet, dass von Vaihingen aus alle Einsätze in Afrika koordiniert werden. Außerdem zählen zur Kaserne in Stuttgart-Möhringen nach Angaben der US-Armee das Stuttgarter Rechtsberatungsbüro, ein Theater-Haus, ein Supermarkt, eine Tankstelle und eine Kindertagesstätte sowie Wohnanlagen.

Ein Schild weist auf den Haupteingang der US-Kaserne «Patch Barracks» hin. In diesem befindet sich auch das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa (US European Command (EUCOM)).

Ein Schild weist auf den Haupteingang der US-Kaserne „Patch Barracks“ hin. In diesem befindet sich auch das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa (US European Command (EUCOM)).

Zentrale der US-Armee für Europa in Stuttgart-Vaihingen

Nicht weit davon entfernt befindet sich ein ebenfalls bedeutender Standort der US-Armee: Die Patch-Kaserne („Patch Barracks“) in Stuttgart-Vaihingen ist der Sitz des US-Europakommandos, von wo aus somit alle US-Truppen in Europa koordiniert werden. Auf dem Gelände befinden sich nach Angaben der US-Armee außerdem die Patch-Mittelschule, der Hauptladen der Garnison, eine Tankstelle, ein Kino, ein Secondhandladen und weitere Einrichtungen.

Teilnehmer einer Friedenskundgebung demonstrieren am 08.05.2016 vor dem US-Militär-Kommandostützpunkt US-Africom (Kelley Barracks) in Stuttgart (Baden-Württemberg).

Teilnehmer einer Friedenskundgebung demonstrieren am 8.5.2016 vor dem US-Militär-Kommandostützpunkt US-Africom (Kelley Barracks) in Stuttgart (Baden-Württemberg).

Darüber hinaus gibt es in Stuttgart noch die Robinson-Kaserne („Robinson Barracks“). Sie ist laut US-Armee in erster Linie eine Wohnanlage. Zur Anlage gehören die Robinson-Kasernen-Grundschule, ein Supermarkt, ein Möbelgeschäft und Sendestudios des American Forces Network Stuttgart, einem militäreigenen Rundfunkprogramm.

Die Panzerkaserne in Böblingen stellt wiederum das Garnisonshauptquartier dar. Hier erfolgt nach Angaben der US-Armee ein Großteil der Ein- und Ausreiseabwicklung. Auf dem Gelände befinden sich außerdem mehrere Schulen.

Böblingen

Ein eingezäunter Wohnblock der US-Panzerkaserne in Böblingen (Archivbild)


Soldat war im Urlaub
Explodierter Tesla Cybertruck in Las Vegas: Am Steuer saß ein US-Soldat aus Böblingen

In Las Vegas explodierte am Mittwoch ein Tesla Cybertruck vor dem Trump-Hotel. Wie die US-Armee dem SWR bestätigte, war der Mann im Auto ein US-Soldat, der in Böblingen stationiert war.

Do.2.1.2025
19:30 Uhr

SWR Aktuell Baden-Württemberg

SWR BW

Der fünfte Standort der US Army Garrison Stuttgart ist der Heeresflugplatz Stuttgart („Stuttgart Army Airfield“) in Filderstadt (Kreis Esslingen). Hier sind den Angaben zufolge Fliegerverbände der jeweiligen Streitkräfte. Außerdem dient er laut US-Armee als wichtigster Umschlagplatz für militärische Güter.

Was wird aus den Standorten der US-Armee in der Region Stuttgart?

Wie die Zukunft des US-Militärs in der Region Stuttgart aussieht, dazu gibt es von der US-Regierung derzeit keine neuen Angaben. Auch die Informationen der US-Armee auf ihrer Website dürften schon vor einiger Zeit verfasst worden sein. Doch glaubt man dem, was dort über die Regionalkommandos aller US-Truppen in Europa (Stuttgart-Vaihingen) und in Afrika (Stuttgart-Möhringen) steht, dürfte es um den Standort Stuttgart insgesamt nicht schlecht bestellt sein: „Aufgrund dieser beiden Hauptquartiere gilt Stuttgart als einer der wenigen Standorte in Deutschland, an denen die US-Streitkräfte auch weiterhin operieren werden“, so das US-Militär. Und der scheidende Innenminister Strobl appelliert in seinem Brief an Verteidigungsminister Pistorius, die Garnison Stuttgart bilde „einen bedeutenden Nukleus im Gefüge der amerikanischen Militärpräsenz in Deutschland, und dies soll auch so bleiben“.