Stand: 06.05.2026 12:43 Uhr
Seit dem Morgen laufen bundesweit Razzien gegen 36 mutmaßliche Mitglieder der Gruppen „Deutsche Jugend Voran“ und „Jung und Stark“. Auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern werden Wohnungen durchsucht.
Zwei der Beschuldigten kommen aus Niedersachsen, wie die Bundesanwaltschaft auf Anfrage von NDR Niedersachsen mitteilte. Weitere Details nannte die Behörde nicht. Als Grund nannte sie den Schutz der Beschuldigten und deren teils junges Alter. Nach Informationen von NDR Niedersachsen durchsuchten Polizisten zwei Wohnungen in Altenau (Landkreis Goslar).

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Wo die Beschuldigten aus Mecklenburg-Vorpommern herkommen
Bei den Beschuldigten aus Mecklenburg-Vorpommern handelt es sich nach NDR Recherchen um einen 19-Jährigen aus Vorpommern-Greifswald und um einen 29-Jährigen aus Rostock. Die Polizei durchsuchte bei ihnen jeweils zwei Wohnorte. Ihnen wird nach Informationen der Bundesanwaltschaft Mitgliedschaft in der rechtsextremen Organisation „Deutsche Jugend Voran“ (DJV) vorgeworfen.
Razzien in Norddeutschland – dort ist die Polizei im Einsatz
- Celle (Niedersachsen)
- Braunschweig (Niedersachsen)
- Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen)
- Altenau im Landkreis Goslar (Niedersachsen)
- Landkreis Helmstedt (Niedersachsen)
- Rostock (Mecklenburg-Vorpommern)
- Landkreis Vorpommern-Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
- Lübeck (Schleswig-Holstein)
Wie der Generalbundesanwalt die Gruppen einordnet
DJV und die Gruppe „Jung und Stark“ (JS) gibt es seit Mitte 2024, wie der Generalbundesanwalt mitteilte. Die DJV trete bisweilen auch unter dem Namen „Neue Deutsche Welle“ (NDW) auf. Die JS und die DJV seien bundesweit organisiert und unterhielten in den Ländern Regionalgruppen. Ihre Mitglieder vernetzen sich sowohl über soziale Medien als auch durch regelmäßige Treffen. Dabei werde zu Gewalttaten gegen politische Gegner sowie gegen vermeintlich Pädophile aufgerufen. Einige Beschuldigte sollen dementsprechend Angehörige der linken Szene oder Personen angegriffen haben, die sie für pädophil hielten. Die Opfer wurden jeweils von mehreren Angreifern geschlagen und verletzt.
Was der Verfassungsschutz sagt
Auch im Verfassungsschutzbericht für Niedersachsen aus dem Jahr 2024 tauchen DJV und JS auf. Die Gruppen würden sich „ausdrücklich an eine junge aktions- und zum Teil auch gewaltorientierte Zielgruppe“ richten, hieß es. Im Auftreten fänden sich die Stilelemente der Neonazi-Szene, aber auch klassische Stereotype der Skinhead-Subkultur aus den 1990er-Jahren. Im Vergleich zu den bisherigen, eher traditionell organisierten Akteuren im Rechtsextremismus agieren die neuen Gruppen weitgehend unstrukturiert. Aktions- und Erlebnisorientierung stünden bei ihnen im Vordergrund.
„Die größte Gefahr, die Deutschland von innen droht“
„Militante rechtsextreme Gruppen haben Zulauf – erschütternderweise gerade auch unter jungen Menschen“, sagte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD). Die Aktionen der Gruppen richteten sich „gegen alle Menschen, die sie in ihrem rechtsextremen Weltbild als Feinde identifiziert haben – und zugleich gegen unsere Demokratie“. Rechtsextremismus sei „die größte Gefahr, die Deutschland von innen droht“. Im Mai 2025 war mit der „Letzten Verteidigungswelle“ bereits eine mutmaßliche Zelle von jugendlichen Rechtsextremisten im Fokus. Die Gruppe soll potenziell tödliche Anschläge auf Linke und Geflüchtete verübt und weitere geplant haben. Vor dem Hamburger Oberlandesgericht startete im März ein Prozess gegen acht mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer.
Mitglieder sollen kriminelle Vereinigung gebildet haben
Die Durchsuchungen dienen laut Bundesanwaltschaft vor allem der Beweissicherung. Ob Handys, Computer oder andere Gegenstände sichergestellt wurden, sei noch offen. Die Aktionen laufen zum Teil noch. Der Generalbundesanwalt wirft den beiden Gruppen vor, kriminelle Vereinigungen gebildet zu haben. Die Durchsuchungen finden in zwölf Bundesländern statt. Die Beschuldigten sind überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene. Den meisten wird auch eine Rädelsführerschaft zur Last gelegt, teilte der Generalbundesanwalt mit. Einige von ihnen sollen bereits als gewalttätig aufgefallen sein. Gegen acht Beschuldigte wird den Angaben zufolge auch wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Festnahmen habe es nicht gegeben. Rund 600 Einsatzkräfte des Bundes und der Länder sind an der Razzia beteiligt. Sie durchsuchen etwa 50 Objekte.

Bundesanwaltschaft
Seit dem Morgen laufen Durchsuchungen der Polizei bei mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppen „Deutsche Jugend Voran“ und „Jung und Stark“. Es geht um den Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Von H. Schmidt und M. Götschenberg.

Junge Neonazis sollen Anschläge geplant haben. In Hamburg müssen sich die acht Angeklagten vor Gericht verantworten.

Rechtsextreme Gruppen suchen auch in Niedersachsen gezielt nach teils minderjährigen Anhängerinnen und Anhängern. Dafür nutzen sie die sozialen Medien.