Es gibt aber in sozialen Netzwerken passende weitere Erzählungen zur falschen Behauptung, der Mann im Antifa-Shirt sei der Amokfahrer. Auf einem echten Bild des Trainers in einem Shirt des Vereins ist der Aufdruck zu lesen: „Integration durch Sport“, er sei also deshalb „links“. Damit werden 1.500 Vereine für „links“ erklärt: So viele Vereine wirken an dem entsprechenden Programm des Deutschen Olympischen Sportbunds (DSOB) mit und bekommen Unterstützung für Angebote für Menschen mit Integrationshintergrund.

Ein Sportler, der bei Atlas einige Jahre selbst boxte, sagte t-online: „Wer in Leipzig boxen will und explizit einen linken Verein sucht, geht woanders hin.“ In Leipzig gebe es sehr viele Kampfsportangebote, manche auch mit Trainern, die klar der linken oder auch rechten Szene zuzurechnen seien, Atlas gehöre nicht dazu. Er habe dort auch Alltagsrassismus von Vereinsvertretern erlebt. Zugleich leiste der Verein aber wichtige Arbeit und gebe Jugendlichen Halt, habe Mitglieder aus allen Schichten und fördere auch Frauenboxen. „Mit Politik hat das aber wenig zu tun.“

Der von Presseanfragen überrollte Vorstand hat t-online selbst nicht geantwortet. Über Jeffrey K. hat Vorstand Torsten Müller der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) gesagt: „Er ist nicht besonders auffällig gewesen. Es gab keine Aussetzer oder so. Man kann es nicht begreifen.“ Seit Januar war er nicht mehr im Verein aktiv, und in dieser Zeit ist Jeffrey K. laut Polizei „wegen Bedrohung sowie ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld in Erscheinung getreten“ – offenbar wegen häuslicher Gewalt.

Die Fälle sind so frisch, dass die Ermittlungen noch liefen, Vorstrafen gebe es keine. Als die Polizei nach seiner Festnahme seien Wohnung durchsuchte, fuhr sie dazu an eine Adresse in einer Nebenstraße im Westen Leipzigs, wo Jeffrey K. laut „LVZ“ nach der Hochzeit 2024 mit Frau und Kind lebte.

K. muss in den vergangenen Wochen, in denen er auffällig wurde, seine Probleme auch selbst erkannt haben. Er suchte Hilfe, rief am 17. April die Polizei und ließ sich in eine psychiatrische Klinik einweisen. Nach zwölf Tagen Behandlung in einer geschlossenen Station, in der er freiwillig war, durfte er auf seinen Wunsch das Krankenhaus am Mittwoch, dem 29. April, wieder verlassen. Am vergangenen Montag setzte er sich ans Steuer und raste durch die Grimmaische Straße.