Europas Para-Athleten verlieren in diesem Jahr ihren Saisonhöhepunkt. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) teilte mit, dass die Para-Leichtathletik-EM in diesem Jahr nicht stattfinden werde. Für die Wettkämpfe fand sich kein Gastgeber.
„Es ist eine Tragödie, dass unsere Athletinnen und Athleten das Jahr ohne großen Höhepunkt gestalten“, sagte Lukas Niedenzu, stellvertretender DBS-Sportdirektor. „Es fehlt der internationale Leistungsvergleich mit den besten Athleten Europas. Die gesamte Jahresplanung ist damit hinfällig und muss neu ausgerichtet werden.“ Das bedeute auch einen Rückschlag für die Vorbereitung auf die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
„Es geht ja auch um unseren Lebensunterhalt“
Der deutsche Paralympics-Sieger im Kugelstoßen Niko Kappel ist über die Absage entrüstet: „Das ist so enttäuschend und unprofessionell von den Verantwortlichen“, sagt der 31 Jahre alte Kugelstoßer. „Wir bereiten uns für Wettkämpfe vor, so gut wir können, trainieren hart. Das ist unser Beitrag, und dann wird ohne eine Erklärung das alles abgesagt. Es geht dabei ja auch um unseren Lebensunterhalt. Es geht um verpasste Prämien, Sponsorengelder.“
Warum kein Austragungsort gefunden wurde, sei nicht bekannt, sagte Bundestrainerin Marion Peters. Ursprünglich, so hieß es aus Kreisen der deutschen Para-Athleten und des DBS, war Paris als Austragungsort bestimmt. Später aber hieß es dann, man sei auf der Suche nach Ersatz.
Auch der Para-Leichtathletik-Weltverband (WPA) gab sich wortkarg: So hatte dieser den 30. April als Frist für die Einreichung von Bewerbungen für die Europameisterschaften 2026 festgelegt, wie es zuvor auf Anfrage der F.A.Z. hieß. Das blieb jedoch ohne Erfolg.
Russische Rückkehr: Schwimmverband erbittet Aufschub
Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), russischen Sportlerinnen und Sportlern die Rückkehr mit Flagge und Hymne zu ermöglichen, eine wesentliche Rolle spielt.
In der vergangenen Woche erst hat der europäische Schwimmverband, der seine Europameisterschaften vom 31. Juli bis 16. August in Paris austragen will, beim internationalen Schwimmverband World Aquatics erbeten, die trotz des fortgesetzten Angriffskriegs in der Ukraine beschlossene Rückkehr russischer Schwimmerinnen und Schwimmer in allen Ehren bis zum 1. September aufschieben zu können. Eine World-Aquatics-Sprecherin teilte auf F.A.Z.-Anfrage am Mittwoch mit, der Weltverband äußere sich derzeit nicht zu der Thematik.
Bereits Mitte April hatte Otylia Jędrzejczak, als Schwimmerin Olympiasiegerin über 200 Meter Schmetterling in Athen 2004, heute Präsidentin des polnischen Schwimmverbandes, angekündigt, sollte Russland im kommenden Jahr weiter Krieg gegen die Ukraine führen, werde Rzeszów die Europameisterschaften der Wasserspringer 2027 nicht austragen.