Daimler Truck hofft auf eine Wende in dem für den weltgrößten Hersteller von Lastwagen so wichtigen US-Markt. Nachdem sich amerikanische Transportunternehmen in den vergangenen Jahren bei der Erneuerung ihrer Flotten zurückhielten, weil die Politik von Präsident Donald Trump zu großer Verunsicherung in der Wirtschaft geführt hatte, bestellen die Speditionen nun wieder. Der Auftragseingang in den USA stieg im ersten Quartal um 86 Prozent, konzernweit legten die Bestellungen um die Hälfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte.
Wie abhängig das baden-württembergische Unternehmen davon ist, ob die Wirtschaft in den USA floriert, ob Lastwagen Güter von New York nach Los Angeles transportieren und Muldenkipper Sand und Kies zu den Baustellen im ganzen Land bringen – und wie schlecht das zuletzt lief, zeigt der aktuelle Absatz. Die Verkäufe sanken noch einmal um 25 Prozent auf nun 29.432 Fahrzeuge. Der operative Gewinn (Ebit) im US-Geschäft, eigentlich der Renditegarant von Daimler Truck, ging um 73 Prozent auf 209 Millionen Euro zurück, was bei einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro einer operativen Umsatzrendite von nur noch 5,4 Prozent entspricht. Die lag vor einem Jahr noch um neun Prozentpunkte höher.
Daimler Truck produziert in Mexiko für die USA
Neben dem historisch schwachen Absatz – seit 2010 hat das Unternehmen nicht mehr so wenige Lastwagen in den USA verkauft wie gerade – ist es vor allem die Zollpolitik von US-Präsident Trump, die den Hersteller belastet. Daimler Truck ist mit der Marke Freightliner und einem Absatz von rund 90.000 Fahrzeugen je Jahr Marktführer im US-Markt für schwere Lastwagen, wobei das Unternehmen einen erheblichen Anteil der für den US-Markt bestimmten Fahrzeuge in Mexiko montiert.
Die Zollaufwendungen zwischen Januar und März für von Mexiko in die USA importierte Lastwagen lagen nach Angaben von Finanzchefin Eva Scherer im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Den neuen, vor wenigen Tagen von Trump angekündigten Zöllen blickt Daimler Truck dagegen gelassen entgegen. „Grundsätzlich verschiffen wir keine fertig montierten Trucks aus Deutschland in die USA – und das ist auch unser derzeitiges Verständnis zu diesem neuen Zollsatz“, sagt Scherer.
Hersteller verschiebt Bau von Batteriezellfertigung
Auch die von Trump in die Wege geleitete teilweise Abkehr von der Elektromobilität in den USA belastet das Unternehmen. Wie Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström bei einer Telefonkonferenz erläutert, verschiebt Daimler Truck den Aufbau einer Batteriezellfertigung, den das Unternehmen gemeinsam mit Amplify Cell Technologies geplant hatte, was zu Aufwendungen in Höhe von rund 200 Millionen Euro führt.
Das relativ stabile Europageschäft mit der Stammmarke Mercedes-Benz Trucks konnte die schlechten Zahlen aus den USA nicht ausgleichen. Während der Umsatz um 14 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro sank, ging der bereinigte operative Gewinn um mehr als die Hälfte auf nur noch 498 Millionen Euro zurück. Die operative Umsatzrendite im Industriegeschäft betrug nur noch 5,0 Prozent nach 9,6 im Vorjahresquartal. Unter dem Strich ging der Gewinn je Aktie um 80 Prozent auf 0,18 Euro zurück.
Trotz des schwachen ersten Quartals „bleiben wir sehr zuversichtlich mit Blick auf den Rest des Jahres“, sagte Rådström und verwies unter anderem darauf, dass der Auftragseingang auch im April trotz des Irankonflikts sowohl in Europa als auch in den USA stabil geblieben sei. Zudem erwarte Daimler Truck Nachlässe bei den US-Zöllen, und der Auftragseingang eröffne Spielraum für Preiserhöhungen. Der Hersteller bestätigt seine Prognose für das Gesamtjahr und plant mit einem Umsatz im Industriegeschäft zwischen 42 und 46 Milliarden Euro sowie einer bereinigten Umsatzrendite zwischen sechs und acht Prozent.