Kirchen stehen offen – für alle. Doch wenn in St. Sebald ab dem 17. Mai fünf Euro für Touristen fällig werden und auch St. Lorenz nachziehen könnte, ist das weniger ein Tabubruch als vielmehr ein Ausdruck der Realität.
Stadtdekan Jürgen Körnlein benennt sie klar: Millionenbeträge sind nötig, um diese Bauwerke zu erhalten – Summen, die früher von einer breiten Basis an Kirchenmitgliedern getragen wurden.
Diese Basis bröckelt. Während die Mitgliederzahlen der Kirchen seit Jahren sinken, erfreuen sich Kirchengebäude selbst aber wachsender Beliebtheit. Touristen, Kunstinteressierte und Sinnsuchende strömen hinein, bewundern Altäre, Fenster und Architektur. Die Sehnsucht nach diesen Orten ist ungebrochen. Nur: Sie speist sich immer seltener aus Zugehörigkeit.
Steigende Kosten stehen geringeren Einnahmen gegenüber
Gleichzeitig verschärft sich die finanzielle Lage der Gemeinden. Einnahmen aus Kirchensteuern gehen zurück, Zuweisungen der Landeskirchen werden knapper. Dem gegenüber stehen steigende Kosten: Energie, Personal, Restaurierung und Sicherheitsmaßnahmen verteuern sich kontinuierlich. Gerade große, prominente Kirchen sind längst Zuschussbetriebe mit wachsendem Defizit.
Vor diesem Hintergrund erscheint der Eintritt als logische Konsequenz. Wer kulturellen Wert konsumiert, beteiligt sich an dessen Erhalt – ein Prinzip, das in Museen selbstverständlich ist. Warum also nicht auch hier? Und doch bleibt ein Unbehagen. Denn Kirchen sind mehr als Sehenswürdigkeiten. Sie sind spirituelle Räume, Orte der Stille, der Zuflucht, der Begegnung mit Gott.
Hier offenbart sich die eigentliche Spannung: Die Nachfrage nach diesen Räumen ist hoch, aber die Bereitschaft, sie dauerhaft zu tragen, sinkt. Der Kirchenaustritt spart Geld – der spontane Besuch wird künftig womöglich kostenpflichtig. Das ist konsequent, aber auch symbolisch: Niedrigschwellige Zugänge zum Glauben werden seltener.
Woran bemisst sich der Wert einer Kirche?
Diese Entwicklung zwingt zu einer neuen Ehrlichkeit. Was ist uns ein solcher Ort wert? Fünf Euro? Mehr? Oder doch nur dann etwas, wenn er kostenlos zugänglich ist? Auch die Landeskirchen stehen vor dieser Frage, wenn sie ihre „Leuchtturmkirchen“ nicht mehr stärker finanzieren wollen.
In all dem liegt auch eine leise Verschiebung: weg von den Prestigegebäuden hin zu kleineren, schlichteren Kirchen, die auch nahe am Menschen sind. Orte, die weniger kosten – und vielleicht deshalb wieder mehr Raum für das Wesentliche bieten. Der Wert einer Kirche bemisst sich nicht am Eintrittspreis, sondern daran, ob sie ein Ort ist, an dem Menschen etwas finden, das größer ist als sie selbst.