
AUDIO: LOT-Theater Braunschweig startet Baustellen-Programm (4 Min)
Stand: 06.05.2026 15:17 Uhr
Nach Insolvenz und Stillstand kehrt das LOT-Theater in Braunschweig zurück. Mit Sommerprogramm, viel Zuspruch und großen Plänen zeigt die freie Szene, wie dringend sie diese Bühne braucht.
Das LOT-Theater in Braunschweig war rund 30 Jahre lang wichtige Spielstätte der freien Szene: Theaterensembles, Tanzcompagnien, Orchester und Performancekollektive hatten dort einen wichtigen Auftrittsort. Vor zwei Jahren rutschte der Betreiber allerdings in die Insolvenz. Das Theater musste schließen.
Interimsprogramm „Hammer! Die Baustellen-Bespielung“
Vor rund einem Jahr gab es die gute Nachricht, dass eine Stiftung das Haus mit dem Ziel einer Wiederbelebung gekauft hat. Seither laufen die Planungen. Bevor aber demnächst die Umbau- und Sanierungsarbeiten beginnen, hat das Theater jetzt vorübergehend geöffnet und bietet in den Sommermonaten ein Interimsprogramm, unter dem Namen „Hammer! Die Baustellen-Bespielung“.

Trotz höherem Kulturetat bleibt der erhoffte Aufschwung aus. Unsicherheit und Kritik prägen die Kulturszene. NDR Kultur hat sich im Norden umgehört.
Premieren, Tanzstücke und Kinderveranstaltungen geplant
Mit einem Tanzstück für Kinder wurden die Tore wieder für das Publikum geöffnet. Die freie Compagnie unknown.possibilities präsentierte eine getanzte Fassung von Michael Endes „Momo“. Es war der Auftakt für ein Programm, das bis Ende August zahlreiche Veranstaltungen bietet, erläutert Christian Weiß vom Dachverband Freie Darstellende Künste Braunschweig: „Da sind bis zu 40 Theater-, Tanz- und Kindertheaterveranstaltungen dabei. Es gibt zwei Konzerte und drei Kulturgespräche, wo wir über die Relevanz der freien darstellenden Kunst diskutieren wollen.“ Außerdem gebe es im Juni und August zwei Premieren.
„Bühne wird dringend benötigt“
Als klar wurde, dass die Spielstätte vorübergehend öffnet, gingen derart viele Anfragen ein, dass gar nicht alle Interessenten berücksichtigt werden konnten, erzählt Theaterregisseur Christian Weiß. Für ihn ist das ein eindrückliches Zeichen dafür, wie sehr der freien Szene die Bühne gefehlt hat, die vor zwei Jahren quasi von heute auf morgen wegfiel: „Unser Aufruf hat ein Aufatmen gebracht.“ Es sei toll, wie viele Gruppen ihre Produktionen zeigen wollen. „Das zeigt, wie dringend diese Bühne für diese ganzen Gruppen, die in Braunschweig sind, benötigt wird, aber auch darüber hinaus in Niedersachsen.“
Freude über Interims-Bespielung
Wie sehr es diese Spielstätte braucht, die jenseits der Staats-, Landes- und Stadttheater agiert, kann auch Fabian Cohn bestätigen. Der freie Choreograph weiß aus vielen Gesprächen mit Tanzcompagnien, wie wichtig die Off-Theater-Spielstätte ist. „Ich habe immer wieder Anfragen, wann es losgeht.“ Ihm wurde außerdem vom „Lofft“ in Leipzig gespiegelt, dass dort schon Gruppen anfragten, weil es das LOT-Theater in Braunschweig nicht mehr gebe. Umso größer sei jetzt bei vielen die Freude, dass es jetzt erst einmal die Interimsbespielung gibt.

Die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz saniert das Gebäude, das später unter neuem Namen wiedereröffnet werden soll.
Detailplanungen noch nicht abgeschlossen
Dass die Umbauarbeiten im ehemaligen LOT noch nicht begonnen haben, hängt unter anderem mit noch nicht abgeschlossenen Detailplanungen zusammen. Mit komplizierten Brandschutzauflagen und laufenden Bauanträgen, so Christian Weiß und mit Streit mit einem lokalen Mäzen. Der Eigner einer zweiten Spielstätte des einstigen LOT-Theaters hätte diese gerne zur neuen Hauptbühne gemacht und versuchte Einfluss auf die Planungen zu nehmen, sagt Weiß.
„Als das LOT-Theater insolvent ging, standen beide Häuser leer. Das Quartiertheater war immer nur Zweitbühne, eine kleine Studiobühne. Da gab es Versuche, dass wir doch die andere Bühne benutzen. Als dann gar keine Bühne mehr da war, war für uns klar: wenn es um den Erhalt einer Bühne geht, dann geht es darum, das große Haus, mit der besseren Sichtachse und der größeren Bühne zu erhalten. Da sind wir bei der Kaffeetwete geblieben.“
Umbau soll im Herbst starten

Kleine Bauarbeiten im Vorfeld der Interimsbespielung am LOT-Theater Braunschweig.
Am Ende konnte sich die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, der das Haus an der Kaffeetwete inzwischen gehört, zusammen mit dem Dachverband freie darstellende Künste Braunschweig, durchsetzen. Die einstige Hauptspielstätte des LOT-Theaters wird also zur künftigen neuen Bühne umgebaut. Beginn der Arbeiten ist, so hofft Christian Weiß, im Herbst. „Das Bild des Hauses als Gebäude wird so bleiben, wie es ist. Wir haben momentan Diskussionen darüber, ob es Veränderungen im Foyerbereich geben kann.“ Und danach gehe es dann um den Brandschutz und die energetische Sanierung.
Name und Leitung stehen noch nicht fest
Einen neuen Namen für die künftige Spielstätte gibt es noch nicht, ebenso wenig wie eine Theaterleitung. All das soll beizeiten kommen. Ziel des sommerlichen Zwischenprogramms bis zum 31. August sei es, zu zeigen, wie lebendig die freie Theater-Szene in Braunschweig und darüber hinaus ist. Verbunden mit dem Versprechen, dass sie in absehbarer Zeit auch wieder einen dauerhaft bespielbaren Ort in der Stadt haben wird. „Wir wollen ein Publikum wiedergewinnen und zeigen: Es gibt dieses Haus noch, es geht wieder los. Auch wenn wir im Herbst noch mal schließen müssen, hoffen wir, dass wir in der Spielzeit 27/28 das Haus wieder eröffnen können.“

Die Theater in Niedersachsen warnen vor einer massiven finanziellen Schieflage und drängen deshalb auf mehr Hilfe vom Land.

Das Musiktheaterstück am Staatstheater Braunschweig übersetzt die Forschung zu nachhaltigem Klebstoff in Fragen nach Zusammenhalt.