BYD war 2025 der größte E-Auto-Hersteller der Welt und Marktführer in China. 2026 allerdings hat der noch junge Autobauer bislang Rückgänge um satte 40 Prozent hinnehmen und die Marktführerschaft wieder an Volkswagen abgeben müssen. Das liegt vor allem daran, dass der Absatz speziell günstiger E-Autos in China nach Auslauf von Förderprogrammen um knapp 20 Prozent zurückgegangen ist.
BYD hat seine ehrgeizigen Exportziele von 1,3 auf 1,5 Millionen erhöht, im ersten Quartal verkauften die Chinesen 300.000 Autos ins Ausland, 100.000 mehr als im Vorjahresvergleich. Allerdings lieferte BYD auf dem Heimatmarkt im gleichen Zeitraum 330.000 PHEVs und E-Autos weniger aus.
Rasantes Wachstum in Deutschland
Im April 2026 konnte BYD genau 4709 neu zugelassene reine E-Autos und Plug-in-Hybriden (PHEV) in Deutschland melden, im laufenden Jahr 2026 hat der chinesische Autobauer hierzulande bereits 13.830 Autos verkauft. Hochgerechnet aufs Gesamtjahr kommt BYD damit womöglich auf 40.000 Fahrzeuge, mancher Marktbeobachter vermutet gar um die 50.000. Der Marktanteil von BYD auf dem deutschen Markt lag im April bereits bei 1,89 Prozent. Die chinesischen Autos sind besonders bei Privatkunden beliebt und insgesamt kam laut BYD im April mehr als jeder zehnte neue PHEV von BYD.
Luxusmarke als Leistungsbeweis: Yangwang U8 und U9
Und der Konzern will in Europa und Deutschland wachsen. Die Luxusmarke Yangwang verspricht wenig Volumen und könnte eher langfristig ein Thema für Europa und wer weiß, ob für Deutschland werden. Trotzdem taugt der 1299 PS starke und 3,5 Tonnen schwere PHEV-Geländewagen U8 schon jetzt als Leistungsbeweis für den Autobauer. Er kann nämlich schwimmen.
Seine vier E-Motoren bleiben nicht nur intakt, sie lassen den U8 sogar Kreise im Wasser ziehen. Warum aber bauen die Chinesen ein Amphibienfahrzeug, das nicht so aussieht? Offiziell für den Fall der Katastrophenfälle, aber schon auch: weil sie es können.
Die Konkurrenz für Yangwang heißt Bentley oder Lamborghini. Drum gibt es auch einen Supersportwagen: Der U9 verfügt über 1306 PS und kann tanzen und (im Video) über Schlaglöcher hüpfen.
Denza als Premiummarke gegen Audi, BMW, Mercedes
Ähnlich rekordverdächtig, aber von höherem Praxisnutzen sind die Fähigkeiten, die BYD für die Premiummarke Denza proklamiert. Egal ob Plug-in-Hybrid oder reines E-Auto: Die Blade-Batterien der zweiten Generation auf LFP-Basis beherrschen Flash-Charging. Der E-Auto-Akku soll dank Leistungen von bis zu 1500 kW in neun Minuten von 10 auf 97 Prozent laden. Die entsprechenden Ladesäulen hat BYD ebenfalls entwickelt und will 3.000 davon in Europa aufstellen, 300 in Deutschland.
Dank zweier 185-kWh-Pufferspeicher brauchen Sie keine Direktleitung zum nächsten Kraftwerk; ein 100-kW-Anschluss soll genügen, um binnen einer Stunde fünf Autos hintereinander zu „flashen“. Die Ladeleistung hierzulande soll zwar nicht bei 1500, aber noch über 1000 kW liegen. Entscheidender als diese Spitzenwerte ist jedoch die über einen weiten Bereich sehr hohe Dauerleistung. Große Kälte (–30 Grad) verlängert den Ladevorgang laut BYD nur um drei Minuten (Hub von 20 auf 97 Prozent Ladestand).
Blitzschneller Gratisstrom
Die versprochenen Ladezeiten von 5 Minuten (10 – 80 Prozent SoC, entspricht beim Z9 GT realistischerweise etwa 600 km) könnten dann wirklich mit Tankzeiten konkurrieren. Zum Vergleich: Der neue BMW i3 lädt bestenfalls 400 Kilometer Reichweite in zehn Minuten.
Für die Nutzung entscheidender dürften die Standorte der Hochleistungslader sein. Sie sollen anfangs verstärkt an Händlerstützpunkten entstehen, weil dort die benötigten Flächen verfügbar sind. Für Denza-Fahrer dürften sie zwar selten auf dem Weg liegen, dafür laden sie dort die ersten 18 Monate gratis.
Neuer Hebel für den Markt
Vizechefin Stella Li hält die Technologie für einen Gamechanger in Europa und China. Ohne sie habe der Konzern nur den Markt der E-Autos und Plug-in-Hybride bedienen können, der selbst in China wegen der auslaufenden Förderung Anfang 2026 auf einen Anteil von 30 Prozent geschrumpft sei. Mit Flash-Charging, so ist Li überzeugt, „sprechen wir den Gesamtmarkt an“. Und das sollen perspektivisch auch BYD-Modelle können. Zum Beispiel die auf der Auto China in Peking enthüllten Seal 08 und Sealion 08, eine 5,15 Meter lange E-Limousine und ein gleich großer SUV mit jeweils drei Metern Radstand und sechs Sitzen.
Flash-Charging sollen bei Denza und BYD immer auch die PHEV-Modelle beherrschen, die zudem meist vergleichsweise große E-Reichweiten dank entsprechend großer Batterien bieten. Die Blade-Batterie 2.0 im Denza Z9 GT PHEV etwa bietet fast 63 kWh, mehr als die manches rein elektrischen Kompaktwagens.
PHEV-Offroader gegen Defender: Denza B5
Die Denza-Modellpalette (bislang der Van B9 und der Shooting Break Z9 GT) wohl noch in diesem Jahr um einen echten Geländewagen erweitern. Den gibt es in China bereits als Bao 5 einer weiteren BYD-Marke namens Fangsheng Bao. Den fast 4,93 Meter langen Viertürer mit 2,80 Meter Radstand treiben zwei Elektromotoren (einer pro Achse) und ein 197-PS starker 4-Zylinder unter der vorderen Motorhaube an. Insgesamt kommt der B5 so auf 687 PS und bringt bis zu 760 Nm an alle vier Räder.
Er baut auf einem Leiterrahmen auf und seine 31,8 kWh große Batterie hängt zwischen den Achsen. Sie stört daher nicht im Kofferraum, wo sie in der Plug-in-Hybrid-Variante des Land Rover Defender untergebracht ist. Das sieht BYD als kaufentscheidungsrelevanten Vorteil gegenüber dem als Konkurrenten auserkorenen Engländer.
Denza Z: Schnellladender Elektro-Sportwagen fürs Image
Elektrische Sportwagen der 1.000-PS-Liga dürften auf absehbare Zeit selbst im Hypercar-Segment wenig Stückzahlpotenzial bieten. Aber wie die Yangwang-Modelle taugen sie als Leistungsbeweis und polieren das Image. BYD-Vize-Chefin Stella Li glaubt sogar, dass sich bisherige Aston-Martin-Kunden für einen Denza Z begeistern können. Den Denza Z will BYD als viersitzigen Sportwagen nach Europa bringen, ob offen oder geschlossen, ist offen.
E-Kleinwagen für Europa kommt aus Ungarn
Aber auch am anderen Ende erweitert BYD seine Modellpalette: Im Juni debütiert in Berlin ein speziell für Europa entwickelter Kleinwagen der Vier-Meter-Klasse (wohl auch mit Hybrid), der im neuen Werk in Ungarn vom Band laufen soll, wo gerade die Serienproduktion des noch kürzeren Dolphin Surf startet.
Wie schnell der Kleinwagen laden kann, ist noch unklar. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass die Chinesen für kleinere Autos andere Batterien bauen. Eher könnten sie sich zugunsten attraktiver Preise die 800-Volt-Technik sparen.
Keine Zölle, gute Preise?
Der Preisgestaltung dürfte auch die lokale Produktion helfen – die EU-Zölle für chinesische Autos fallen dann weg. Bei Stella Li klingt das anders. Sie sagt: „Wenn wir hier Geschäft haben, dann produzieren wir auch lokal.“ Das habe eher mit Entkopplung zu tun und sei wichtig für eine nachhaltige Zukunft.
Lokalisiert ist auch der BYD-Vertrieb, klassisch über Händler. 180 sind es schon, Ende Mai sollen es 200 sein, 300 Ende 2026. Die Chinesen sind gekommen, um zu bleiben.
Fazit