Die Kartoffelernte war im vergangenen Jahr sehr gut. Doch nun bleiben viele Landwirte auf der Ware sitzen. Wie reagieren Landwirte wie Uwe Schuirmann aus Delmenhorst darauf?

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Im Nordwesten –
„Die hier gehen noch in den Verkauf, einige werden bereits verfüttert.“ Landwirt Uwe Schuirmann zeigt auf einen riesigen Berg Kartoffeln der Sorte Belana. Wir stehen in einer Kammer des Lagers der Arbeiterkolonie Gut Dauelsberg in Delmenhorst. Früher war auf dem Areal ein landwirtschaftlicher Betrieb beheimatet. Inzwischen ist es ein Multifunktions-Areal – u.a. mit landwirtschaftlicher Nutzung.

Die Lagerkammern sind je zu einem Drittel gefüllt – „zehn Tonnen Belana und 20 Tonnen Simonetta-Kartoffeln“, erklärt Schuirmann. Dass er die 30 Tonnen bis zur nächsten Kartoffelernte Anfang Juli noch alle loswird, glaubt er nicht. Drei Mal je fünf Tonnen Kartoffeln hat das Gut Dauelsberg bereits an die emsländische Tafel gespendet – eventuell folgt noch eine vierte Spende. Schuirmann rechnet damit, etwa 15 Tonnen Kartoffeln bis zur nächsten Ernte übrig zu behalten.

Zahl der Betriebe bleibt stabil

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen, die Kartoffeln anbauen, ist in den vergangenen Jahren nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stabil bei etwa 4000 geblieben.

Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen dem statistischen Landesamt zufolge 139.900 Hektar Fläche für den Kartoffelanbau genutzt. 2024 waren es demzufolge 133.800 Hektar. 2025 wurden in Niedersachsen insgesamt 6.608.300 Tonnen Kartoffeln geerntet. 2024 waren es 6.124.100 Tonnen.

Bundesweit wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des statistischen Bundesamts auf 301.800 Hektar Fläche Kartoffeln angebaut (2024: 282.200 Hektar). Der Gesamtertrag in Tonnen lag 2025 demnach bei 13.870.700 Tonnen (2024: 12.703.300).

Wie viele Landwirte hat auch Schuirmann mit den Folgen der Rekordernte im Jahr 2025 zu kämpfen. Auf Paletten vor den Lagerkammern stapeln sich abgepackte Kartoffeln für den Verkauf. Einige Kartoffeln, vor allem der Sorte Belana, werden laut Schuirmann bereits verfüttert – etwa, wenn sie Beschädigungen aufweisen. Die Sorte Simonetta halte sich etwas länger und werde auch noch soweit möglich abverkauft, erklärt der Landwirt.

Uwe Schuirmann mit abgepackten Kartoffeln, die bereit für den Verkauf sind. Bild: Sabrina Wendt

Uwe Schuirmann mit abgepackten Kartoffeln, die bereit für den Verkauf sind. Bild: Sabrina Wendt

Doch weshalb haben so viele Landwirte einen Überschuss an Kartoffeln – und welche Folgen hat das? In Niedersachsen ist die Anbaufläche für Kartoffeln in den vergangenen fünf Jahren gewachsen – und zwar um 14 Prozent, teilte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWKN) auf Nachfrage mit. Darüber hinaus gab es regional überdurchschnittlich hohe Erträge. Auch Kartoffelimporte spielten eine Rolle. Schuirmann ergänzt: „Das Wetter war 2025 für die Kartoffelernte sehr gut, das hat auch nochmal für einen starken Ertragszuwachs gesorgt.“ Die Folge war eine regelrechte Kartoffelschwemme – einhergehend mit einem starken Preisverfall.

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Lagen die Erzeugerpreise je 100 Kilogramm, also je Dezitonne, Speisekartoffeln 2023/2024 noch bei bis zu mehr als 55 Euro – waren es im April 2026 laut LWK Niedersachsen nur noch 11,50 Euro. Insbesondere für Betriebe mit einem hohen Spezialisierungsgrad im Kartoffelanbau können die wirtschaftlichen Folgen gravierend sein. Aber auch die Betriebe, die neu in diesen Bereich eingestiegen sind und entsprechend hohe Produktionskosten hatten, können unter den geringen Vermarktungsmöglichkeiten leiden, teilte die LWKN weiter mit. Ein weiteres Problem sei die schwindende Qualität bei zunehmender Lagerungsdauer – daher sei laut LWKN „eine zügige Vermarktung nötig“. Da die Auswahl an Kartoffeln auf dem Markt jedoch groß ist, sei nur einwandfreie Ware auch gefragt.

Grafik: Pia Lückemeyer

Neben dem Abverkauf und Spenden nutzen einige Landwirte den Überschuss für Biogasanlagen. Doch das ist für Schuirmann keine Option. „Es ist ein Lebensmittel, das ist viel zu schade für Biogasanlagen“, sagte er. Andere Landwirte zahlen für die Entsorgung von Kartoffeln sogar drauf. Zudem seien viele Biogasanlagen ausgelastet – und auch die Verwendung als Tierfutter lohne aufgrund der hohen Transportkosten kaum.

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Die Kartoffeln für die diesjährige Ernte sind bereits angebaut. Noch sei eine Ernte-Prognose jedoch nicht möglich, erklärte Schuirmann. Allerdings habe er auf den Überschuss aus dem Vorjahr reagiert. „Wir bauen wieder auf einem Hektar weniger an und kaufen bei Bedarf zu“, sagte er. Ansonsten bleibt derzeit für viele Landwirte nur: abverkaufen, verfüttern, entsorgen oder verschenken.

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