Die Sharingstrategie des Senats ist fertig. Das hat Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) am Mittwoch im Mobilitätsausschuss des Abgeordnetenhauses mitgeteilt. Die Arbeit am „Gesamtkonzept für geteilte Mobilität“ sei vergangene Woche abgeschlossen worden, sagte Bonde. Sie stellte erste Details vor.

Ziel der Strategie sei es, dass E-Scooter und Leihräder von den Gehwegen verschwinden. Künftig dürfen sie nur an Stationen gemietet und wieder abgegeben werden.

Bisher dürfen die Fahrzeuge nahezu überall abgestellt werden. Vor allem an Kreuzungen und auf Gehwegen behindern und gefährden sie Menschen mit Behinderung und ältere Menschen. „Wir schaffen Ordnung in der Stadt“, so die Senatorin. Auch die Verkehrssicherheit werde erhöht. Aktuell sind 46.450 „Elektrokleinstfahrzeuge“ per Sondernutzungserlaubnis in Berlin vom Senat genehmigt.

Ausbau der „Hubs“ für Scooter bis 2035

Bis 2035 soll die Zahl der baulich angelegten Stationen von 560 auf 3000 steigen. An 500 davon sollen auch Carsharing-Autos verfügbar sein, vor allem in den Außenbezirken. Die „Hubs“ sollen von der BVG errichtet und betrieben werden, so wie die existierenden Jelbi-Stationen auch.

Wir schaffen Ordnung in der Stadt.

Ute Bonde, Verkehrssenatorin (CDU), am Mittwoch im Mobilitätsausschuss

Pro Jahr sollen 300 Standorte fertig werden. Im Jahr 2027 werden es dann mit den bereits vorhandenen 1000 sein, im Jahr 2031 schon 2000. Der Plan sei „ambitioniert“, sagte Bonde, werktäglich müsse mehr als ein Standort entstehen. Der ursprüngliche Ansatz der Verwaltung, die Sharing-Fahrzeuge primär auf Autostellplätzen unterzubringen, war auf Intervention des CDU-Fraktionschefs Dirk Stettner einkassiert worden. Nun sollen die Stationen auch auf privaten Grundstücken entstehen.

Bonde versprach schnell spürbare Verbesserungen, schon vor 2035. Man werde stadtteilweise vorgehen. Immer wenn ein Gebiet fertig ist, wird auf „Hub only“ umgestellt, sagte Bonde. Das bedeutet, dass Roller und Räder nur an Stationen gemietet und wieder abgegeben werden können. Eine wilde Rückgabe zwischen den Stationen soll dann rein technisch nicht mehr möglich sein. Dies müssen die Anbieter der Fahrzeuge gewährleisten.

In welchen Bezirken angefangen wird, sagte Bonde nicht. Für die Sharingstrategie wurde die Stadt in vier verschiedene Zonen unterschiedlicher Dichte aufgeteilt. In den Zonen 0 bis 2 sei Sharing sinnvoll, in Zone 3 (also am Stadtrand) nicht mehr. Eine Karte legte Bonde nicht vor. Eine schriftliche Fassung der Strategie erhielten die Abgeordneten noch nicht.

Zonenmodell steuert das Sharing-Angebot

Im Jahr 2035 sollen dann die Zonen 0 bis 2 komplett sein. Diese drei Zonen decken gut 60 Prozent der Fläche und über 80 Prozent der Einwohner ab. In der Zone 0 soll die Laufweite zur nächsten Station maximal 100 Meter betragen, es entsteht also ein dichtes Netz. In den Zonen 1 und 2 beträgt die Laufweite bis zu 200 Meter. Keine Stationen wird es in Zone 3 geben.

Die Kosten werden getragen von den Standortpartnern, den Anbietern und der BVG. Zudem werde es Fördergelder geben. Landesmittel werden nicht benötigt. Wie berichtet, war das Budget für die Umsetzung der Strategie im Haushalt von zwei Millionen Euro auf 1000 Euro gekürzt worden. Unter anderem der Fußgängerverband Fuß hatte kritisiert, dass die BVG die Stationen bauen soll. Dies sei eine Ungerechtigkeit auf Kosten der Mehrheit der BVG-Kunden, die keinen Roller nutzen, so Fuss e.V.

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Zu den Preisen des Leihens konnte die Verwaltung den Abgeordneten am Mittwoch noch keine Auskunft geben.

Entwickelt wurde die Strategie auch in einem Dialogverfahren mit Interessenverbänden, den Anbietern und den Bezirken. Dieser Dialog fand im Herbst 2025 statt.