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Wladimir Putins Armee kämpft im Ukraine-Krieg weiterhin mit einem Mangel an Personal. Hierfür werden Menschen aus anderen Ländern angelockt.
London – Die britische Regierung hat kurz vor den Wahlen eine neue Sanktionsrunde gegen 35 Personen und Organisationen verhängt, denen vorgeworfen wird, schutzbedürftige Migranten auszunutzen und gleichzeitig Russlands Drohnenproduktion für den Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen.
Der britische Premierminister Keir Starmer (links) und Wolodymyr Selenskyj. © picture alliance/Jordan PettittBritische Regierung nimmt Putins Rekrutierungsnetzwerk ins Visier
Nach Angaben des Außenministeriums sollen die Maßnahmen gezielt Netzwerke betreffen, die Migranten mit falschen Versprechen bezüglich legaler Arbeit anwerben. Den britischen Behörden zufolge werden diese Menschen anschließend entweder zum Kampfeinsatz an die Front gezwungen oder zur Arbeit in militärnahen Industrien in Russland gedrängt.
Der britische Sanktionsbeauftragte im Außenministerium, Stephen Doughty, bezeichnete dieses Vorgehen als „barbarisch“ und warf den Verantwortlichen vor, gezielt zur Aufrechterhaltung des russischen Kriegs auszubeuten. Mit den Sanktionen wolle man jene Akteure entlarven und treffen, die Migranten „als Kanonenfutter“ für Kreml-Chef Wladimir Putins Krieg missbrauchen und gleichzeitig die russische Drohnenproduktion mit illegal beschafften Komponenten versorgen. Diese Drohnen würden gezielt gegen zivile Ziele und kritische Infrastruktur in der Ukraine eingesetzt, so Doughty.
„Kanonenfutter“ für Putin: Russland lockt Menschen aus anderen Ländern an
Zu den sanktionierten Personen zählt unter anderem Pavel Nikitin, dessen Unternehmen die Drohne VT-40 entwickelt haben soll, die von russischen Streitkräften eingesetzt wird. Ebenfalls betroffen ist Polina Alexandrowna Azarnykh, der vorgeworfen wird, Rekruten aus mehreren Ländern – darunter Ägypten, Irak und Nigeria – über Russland in die Ukraine gebracht zu haben, wo sie unter schlechten Bedingungen und kaum ausgebildet eingesetzt worden seien.
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Parallel besteht im Ukraine-Krieg eine angespannte Lage rund um einen Waffenstillstand. Kurz nach Beginn einer einseitig von Kiew ausgerufenen Feuerpause ab Mitternacht in der Ukraine ist diese bereits wieder gebrochen worden: Nach Angaben aus Kiew feuerte die russische Armee in der Nacht zum Mittwoch 108 Drohnen und drei Raketen auf das Nachbarland ab. Dies sei „eine offensichtliche Verschmähung eines Waffenstillstands und der Rettung von Menschenleben“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Ukraine werde nun „entsprechend reagieren“.
In der Ukraine wurde unter anderem eine Industrieanlage in der südlichen Region Saporischschja attackiert, wie Regionalgouverneur Iwan Fedorow mitteilte. Nach Angaben aus Kiew wurde bei den jüngsten Angriffen der Moskauer Streitkräfte mindestens ein Mensch getötet. Russland meldete dagegen zunächst wenige ukrainische Angriffe: Das russische Verteidigungsministerium gab an, in der Nacht 53 ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben – weit weniger als in den Vortagen. Ob die ukrainischen Drohnen vor oder nach Mitternacht abgeschossen wurden, war zunächst unklar. Sowohl Moskau als auch Kiew hatten für diese Woche einseitige Waffenruhen angekündigt – jedoch zu unterschiedlichen Terminen. (Quellen: Kyiv Post, AFP, eigene Recherche) (bb)