Kommt unser Land nach Jahren der wirtschaftlichen Flaute endlich wieder in die Gänge? Noch vor ein paar Monaten sahen immer mehr Manager und Unternehmer durchaus Grund zur Zuversicht. Doch das neue Jahr gab sich dann wenig Mühe, diese Hoffnungen zu stärken. Mit dem Krieg im Iran wurden die hohen Sprit- und Strompreise – schon wieder – zum Risikofaktor für heimische Firmen. Und die Bundesregierung? Hat auch ein Jahr nach Amtsantritt noch zu oft mit sich selbst zu kämpfen. Was jetzt passieren muss und wo neue Chancen für den Standort Bayern liegen, darum ging es am Mittwoch beim 2. Schwäbischen Wirtschaftsgipfel der Augsburger Allgemeinen.
Firmen in der Region zeigen, was Resilienz bedeutet
„Bayerisch-Schwaben und das angrenzende Oberbayern sind eine Mutmacher-Region, die sich besser behauptet als andere und Resilienz, also Widerstandskraft, zeigt“, sagte Verlegerin Alexandra Holland zum Auftakt des Treffens mit rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Und genau darum drehte sich der Gipfel: um die Frage, wie Firmen all den Herausforderungen trotzen. Schnell kam die Sprache auf ein Thema, das für viele abstrakt klingt – bis sie die konkreten Folgen am Umsatz oder vom Kontoauszug ablesen können: Eine bezahlbare Energieversorgung ist der entscheidende Schlüssel für neuen Aufschwung, doch viele Menschen sehen in der Energiewende derzeit weniger die Lösung als eine Gefahr für Jobs und Wohlstand.
„Wir haben einen großen Teil der Bevölkerung verloren“, sagte Janina Mütze. Sie ist Chefin des Meinungsforschungsinstituts Civey, dessen repräsentative Studien eine klare Sprache sprechen: 43 Prozent der Befragten verbinden mit der Energiewende ein Gefühl von Überforderung. Doch zugleich erkennt mehr als die Hälfte der Bayern mit Blick auf den Iran-Krieg eine neue Dringlichkeit, sich möglichst schnell unabhängig zu machen von fossilen Brennstoffen. Ein Dilemma? Oder eben eine Chance!
Wie erneuerbare Energien zum Wettbewerbsvorteil werden können
Viele Firmen in der Region warten nicht auf die Politik, sie nehmen die Energiefrage selbst in die Hand – mit innovativen Ideen. Galten Investitionen in grünen Strom einst als fixe Idee vermeintlicher Weltverbesserer, so ist heute den meisten Unternehmern klar, dass es hier nicht um Ideologie, sondern um einen realen Wettbewerbsvorteil der Zukunft geht. „Die Energiewende verschwindet nicht, sie wird ökonomisch“, sagte Meinungsforscherin Mütze.
Neue Blickwinkel eröffnete auch Achim Wambach. Der Top-Ökonom machte keinen Hehl daraus, dass deutsche Firmen aus allen möglichen Richtungen unter Druck geraten. Doch viel wichtiger ist ihm der Fokus auf die Konsequenzen, die Manager und Regierungen daraus ziehen. Wambach sieht drei starke Hebel: Innovation, die Erschließung neuer Märkte und politische Reformen.
In der Verteidigungsindustrie steckt enormes Potenzial für Bayern
Vorbild sind hier die Verteidigungs- und die Raumfahrtindustrie – auch sie standen im Zentrum der Veranstaltung in Augsburg. Denn: Zahlreiche Unternehmen aus der Region arbeiten erfolgreich auf das Ziel der Bundesregierung hin, auch in der Sicherheitspolitik unabhängiger zu werden. Und sie nutzen zugleich das enorme ökonomische Potenzial, das darin steckt. Firmen wie der Augsburger Getriebespezialist Renk, der gerade wieder Rekordzahlen vermelden konnte, oder auch Airbus Helicopters in Donauwörth, MT Aerospace und der Taurus-Hersteller MBDA in Schrobenhausen gestalten die Zeitenwende aktiv mit.
Es sind Geschichten, die Mut machen. Mut, dass unser Land auch diese Krise überwinden wird, wie so viele andere zuvor. Nicht nur insofern erfüllte sich an diesem Tag der Wunsch, den Alexandra Holland zu Beginn formuliert hatte: „Von hier und heute soll Zuversicht ausgehen.“