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Er gilt in der Trainer-Branche als „alter Hase“, stand bereits in 628 (!) Pflichtspielen an der Seitenlinie. Zweitligist Münster ist mittlerweile nach Worms, Kaiserslautern, Erfurt, Sandhausen, Nürnberg, Karlsruhe, Rostock und Saarbrücken die neunte Station von Alois Schwartz (59) als Chefcoach. Und zugleich wohl seine schwierigste. Denn nur ein Heimsieg am Sonntag gegen die „Lilien“ (13:30 Uhr/live bei Sky) nährt womöglich noch die Rest-Hoffnung aufs Überleben…
Mit Preußen gegen Darmstadt. Schwartz kämpft um seinen Retter-Ruf!
Fakt ist: Sport-Geschäftsführer Ole Kittner (38) hat Schwartz vor gut sechs Wochen auch deshalb als Nachfolger vom erfolglosen Alexander Ende (46/jetzt Fortuna Düsseldorf) verpflichtet, weil er in der Vergangenheit schon häufiger seine Qualitäten als „Feuerwehrmann“ unter Beweis stellen konnte. So bewahrte er gleich mehrfach den SV Sandhausen, aber ebenso Nürnberg, den Karlsruher SC und Hansa Rostock vor dem drohenden Abstieg.

Preußen-Coach Alois Schwartz wirkt eher ruhig und besonnen, kann am Spielfeldrand aber auch impulsiv sein
Foto: Jürgen Fromme/firo Sportphoto
Problem jedoch: Bei den Preußen brennt’s lichterloh. Und noch hat auch Schwartz nicht genügend Druck auf den Schlauch kriegen können, um die Flammen zu löschen. Im Gegenteil. Nach fünf Begegnungen unter seiner Regie warten die „Schwarz-Weiß-Grünen“ weiterhin auf den ersten Sieg. Zwei Niederlagen und drei Unentschieden – der Abstand auf den ersehnten 15. Rang beträgt vor den beiden letzten Partien gegen 98 und in Elversberg (17.5.) kaum noch einholbare fünf Zähler.
Schwartz (Vertrag bis 30.6.) verbreitet trotzdem Zuversicht: „Warum sollte ich nicht daran glauben? Wir müssen gegen Darmstadt unsere Hausaufgaben machen. Dann sehen wir weiter. Meine Mannschaft lebt, das hat sie zuletzt in Hannover deutlich gezeigt.“
Stimmt, das wilde 3:3 beim Aufstiegskandidaten aus Niedersachsen war der stärkste „Adler-Auftritt“ seit Wochen. Münsters Trainer geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet: „Ich habe unser Team sogar in vier der letzten fünf Spiele auf der Siegerstraße gesehen.“

Das Hinspiel in Darmstadt verloren die Preußen durch einen Treffer von Kilian Corredor (r.) knapp mit 0:1. Keeper Johannes Schenk (l.) und Verteidiger Jano ter Horst (M.) können nur noch tatenlos zuschauen, wie der Ball im Kasten einschlägt
Foto: Marc Schüler/dpa
Was er damit sagen will: Während seine Preußen nur beim 1:4 auf Schalke absolut chancenlos herumirrten, waren sie in Kiel (0:0), gegen Fürth (0:0) und Bielefeld (2:3) sowie jetzt in Hannover stets auf Augenhöhe. Mit der Mehrzahl an klaren Chancen. Leider wurden zu viele davon vergeben…
Schon jetzt dürfte klar sein: Gegen die Truppe von Florian Kohfeldt (43) werden die Preußen erneut „all in“ gehen. Wie in Hannover. Nicht nur hinten dicht machen, sondern vorne früh pressen und das Heil in der Offensive suchen. Erneut mit der Doppelspitze Imad Rondic (27) und Shin Yamada (25), die beide gegen 96 trafen. Schwartz: „Wir haben schließlich nichts mehr zu verlieren, können eigentlich nur noch gewinnen.“ Oder sich zumindest in die Relegation hangeln…

Der flinke Japaner Shin Yamada (M.), hier beim Jubeln mit Jano ter Horst (l.) und Jannis Heuer (r.), wird auch gegen Darmstadt voraussichtlich wieder erste Wahl im Angriff sein
Foto: Jürgen Fromme/firo Sportphoto
Auch seine eigene Bilanz gegen die Darmstädter, die selbst aktuell seit fünf Spielen sieglos sind und damit alle Aufstiegschancen eingebüßt haben, ist definitiv verbesserungswürdig. Elfmal schon traf Schwartz in seiner Laufbahn auf die Hessen. Dabei reichte es nur zu zwei mickrigen Erfolgen (jeweils 1:0 mit Erfurt und Karlsruhe), zwei Unentschieden und sieben Pleiten.
Wenn der Trainer-Routinier seinen Retter-Ruf also auch bei den Preußen verteidigen will, führt diesmal kein Weg mehr an einem „Dreier“ vorbei…